2017/18: Meinungsfreiheit gestern und heute

Presse- und Meinungsfreiheit sind grundlegende Prinzipien unserer demokratischen Gesellschaft. Der Kampf um die Freiheitsrechte hat wichtige historische Wurzeln in der Rhein-Main-Region. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Entwicklungen in Europa und der Welt ist die Geschichte dieser Errungenschaften aktueller denn je. 2017/2018 stehen deshalb historische und aktuelle Aspekte der Meinungsfreiheit im Mittelpunkt von "Geist der Freiheit": Das inhaltliche Spektrum reicht von drucktechnischen Möglichkeiten, Mediengeschichte, Geschichten wichtiger Protagonistinnen und Protagonisten, Zensur, Propaganda und Widerstand bis hin zur Debattenkultur im Netz und dem Umgang mit populistischen Tendenzen. Freie Meinungsäußerung ist eng mit anderen Rechten verzahnt, wie der Religions- und der Kunstfreiheit. Daher stellt sich auch die Frage nach den Grenzen der Meinungsfreiheit: Was darf etwa Kunst oder Satire? Wie gelingt ein offener Austausch in der Gesellschaft über religiöse und politische Überzeugungen?

Kreise, Kommunen, Museen, Bibliotheken, Universitäten, Volkshochschulen, Kultur- und Geschichtsvereine laden zu Ausstellungen, Gesprächen, Vorträgen, Konzerten, Erzählcafés, Theateraktionen, Führungen, Webinaren und Workshops ein.

Programmheft Download hier

Veranstaltungen für das Programmheft 2018 (Januar bis Juni 2018) können hier bis 15.11.2017 online gemeldet werden.

Die Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz (hier bei einer Rede 1930, Quelle: AdsD FES)

Marktrufer – Theateraktion zur Meinungsfreiheit

Inmitten von Gemüse, Kräutern, Blumen und Käse erteilten Schauspieler der BüchnerBühne im Herbst 2017 der Freiheit das Wort. In Aschaffenburg, Hattersheim, Darmstadt, Flörsheim, Bad Homburg und Offenbach rezitierten sie aus der Erklärung der Bürger- und Menschenrechte, aus Reden und Gedichten mutiger Protagonisten wie Luther und Danton, aus Marie Juchaczs Parlamentsansprache nach der Erlangung des Frauenwahlrechts 1919 bis hin zu Otto Wels‘ berühmter letzten freien Rede im Reichstag 1933. Stets geht es um das Recht auf freie Meinungsäußerung – ein Menschenrecht, das seit Jahrhunderten erstritten und erkämpft wurde, aber immer wieder verteidigt werden muss. Alle Reden und Zitate zum Nachlesen per Download hier. Veranstalter: KulturRegion FrankfurtRheinMain und BüchnerBühne e. V. in Kooperation mit den teilnehmenden Kommunen

Orte der Meinungsfreiheit

Seit dem Sommersemester 2017 befassen sich Studierende am Fachbereich Geschichte der TU Darmstadt mit Erinnerungsorten der Freiheit, speziell der Meinungsfreiheit, in der Region. In einer Kooperation mit der KulturRegion erforschen sie nicht nur historische Hintergründe, sondern hinterfragen auch, wie sich die Orte heute im Stadtraum und in der Wahrnehmung der Bewohner darstellen. Die Ergebnisse in Form von Berichten, Dokumenten und Abbildungen werden hier und auf der interaktiven Karte sukzessive veröffentlicht.

Altes Feuerwehhaus, 2017

Gedenktafel an die Bücherverbrennung 1933, Neu-Isenburg

Auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN beschloss die Stadtverordnetenversammlung 2013 einstimmig die Errichtung einer Gedenktafel. Diese soll an die Bücherverbrennung am 24.6.1933 auf dem Wilhelmsplatz durch die NSDAP erinnern. Angebracht wurde sie am „Alten Feuerwehrhaus“ unmittelbar neben dem Wilhelmsplatz.

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Der Marktplatz des Alten Ortes, 2017

Alter Ort, Neu-Isenburg

Das ursprüngliche Zentrum Neu-Isenburgs liegt am „Alten Ort“. An diesem Platz ließen sich im Jahr 1699 34 Familien aus Frankreich nieder. Es handelte sich um Hugenotten, Angehörige der Reformierten Konfession, die wegen ihres Glaubens aus der Heimat vertrieben worden waren. Die Ansiedlung ging auf den damaligen Landesherrn der Gegend zurück, Graf Johann Philipp von Ysenburg und Büdingen zu Offenbach. Er gewährte den Hugenotten freie Religionsausübung. Heute ist der Platz ein Erinnerungsort. Die Gründung Neu-Isenburgs wird durch Vereine und Veranstaltungen wachgehalten, etwa durch den Hugenotten- und Waldenserpfad e.V. oder den Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur GHK. Ihr Ziel ist es, den Weg der Hugenotten auf der Suche nach einem Ort für die Ausübung ihrer Religion zu rekonstruieren.

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Gutshaus Itzstein, 2017

Itzstein`sches Gutshaus und Grabstein Itzstein, Oestrich-Winkel

„Müde von den Jugendkämpfen ruhet hier ein mutig Herz.“ Diese Inschrift findet sich auf dem Grabstein von Johann Adam von Itzstein auf dem Friedhof von Hallgarten und erinnert an einen bedeutenden Kämpfer für Meinungsfreiheit und Bürgerrechte aus der Mitte des 19. Jahrhundert, der heute nahezu vergessen ist. Zu seinen Lebzeiten war Itzstein eine zentrale Figur der frühen demokratischen Bewegung − tief verwurzelt in der Rhein-Main-Region und hervorragend vernetzt unter den Demokraten seiner Zeit. In seinem Gutshaus in Hallgarten organisierte Itzstein den sogenannten Hallgartenkreis, in dem sich die führenden Demokraten berieten.

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Sophie von La Roche, ca. 1776, Öl, Georg Oswald May (Gleimhaus, Halberstadt)

Sophie von La Roche, Offenbach am Main

Orte, die an die Schriftstellerin Sophie von La Roche in Offenbach erinnern: Das Haus der Stadtgeschichte, eine Replik des Familiengrabes an der Kirche St. Pankratius und die Gedenkstele am ehemaligen Wohnhaus in der heutigen Berliner Straße.

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Mauerrest in der Rundeturmstraße 12, 2017

Rundeturmstraße, Darmstadt

In der Rundeturmstraße 12 in Darmstadt befindet sich ein alter Mauerrest mit einer unscheinbaren Erinnerungstafel. Die meisten Passanten gehen achtlos daran vorbei. Kaum jemand weiß heute, wie wichtig dieser Ort für die Geschichte des Freiheitskampfes war. Denn hier stand einst ein Gefängnis, in dem viele politische Gefangene einsaßen. Die Überreste eines ehemaligen Gefängnisses sind nicht lediglich ein Symbol der Unfreiheit und der Unterdrückung. Zugleich sind sie ein Zeichen für die Stärke und den Willen der Menschen, die auf Grund ihrer Meinung, ihrer Herkunft oder ihres sozialen Status hier inhaftiert worden waren.

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Schöffer-Denkmal Frontansicht

Schöffer-Denkmal, Gernsheim

Am heutigen „Schöfferplatz 1“ erinnert seit 1836 das Schöffer-Denkmal an einen der großen Söhne der Stadt Gernsheim, den Miterfinder des Buchdrucks Peter Schöffer. Das Denkmal zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Standort ist schon seit langem zentral für Gernsheim. Hier befand sich wahrscheinlich in den zwei nachchristlichen Jahrhunderten ein römisches Kohortenkastell, im Frühmittelalter ein karolingischer Königshof sowie eine im 15. Jahrhundert erbaute Wasserburg. Bis 1976/77 war an dieser Stelle insgesamt 153 Jahre die Peter-Schöffer-Schule ansässig. Seit 1978 finden sich hier das Heimatmuseum und die Stadtbücherei. Im Jahr 2003 eröffnete dann das rekonstruierte Peter-Schöffer-Haus seine Türen. Betreut wird es vom Kunst- und Kulturhistorischen Verein der Stadt Gernsheim.

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Modell der Festung Königstein Ende 1792

Festungsgefängnis, Königstein im Taunus

Teile der Festung Königstein fungierten als Untersuchungsgefängnis für Sympathisanten der französischen Revolution. Zwischen 1793 und 1795 waren hier über 160 politische Gefangene unter miserablen Umständen inhaftiert. Für die wohl berühmteste Gefangene, Caroline Schlegel-Schelling, ist eine Gedenktafel an ihre Haft 1793 angebracht. Die Schriftstellerin und Muse verschiedener Dichter der Romantik wurde verdächtigt, eine Revolutionärin zu sein.

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Comoedienhaus, 1781 fertiggestellt und in den 1960er Jahren restauriert. Es wird bis heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Staatspark Hanau-Wilhelmsbad und das Wilhelmsbader Fest 1832

Kaum etwas erinnert heute im idyllischen Staatspark Hanau-Wilhelmsbad an das Wilhelmsbader Fest. 10.000 Menschen fanden sich hier am 22. Juni 1832 ein. Mit ihren Forderungen nach nationaler Einheit sowie nach Presse- und Meinungsfreiheit knüpften sie bewusst an das „Hambacher Fest“ an, das wenige Wochen vorher zu Ende gegangen war. Der Festcharakter und die politischen Forderungen verbinden beide Ereignisse, die gemeinsam einen herausragenden Meilenstein in der Geschichte der Freiheits- und Einheitsbestrebungen in Deutschland bilden.

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