Ehrenamt in der Industriekultur: Mit Herzblut für eine alte Arbeitersiedlung

© Interessengemeinschaft Cramer-Klett-Siedlung, Ginsheim-Gustavsburg

Eng aneinandergereiht umschließen 36 kleine Wohngebäude im englischen Landhaus- und hessischen Bauernhaustil den zentralen Cramer-Klett-Platz inmitten von Ginsheim-Gustavsburg. Die großen Bäume auf dem Platz spenden im Sommer ausreichend Schatten und verleihen der ehemaligen Arbeitersiedlung einen besonderen Charme.

Dass die Anlage aber nach wie vor ein zentraler Ort für das soziale und kulturelle Leben in der Stadt ist, dazu tragen die 60 engagierten Mitglieder des Interessengemeinschaft und Förderverein Cramer-Klett-Siedlung Gustavsburg e.V. bei. Die meisten haben ihren Lebensmittelpunkt in der Siedlung und identifizieren sich mit ihrer „Cramer“ wie die seit 1979 unter Denkmalschutz stehende Siedlung landläufig genannt wird.

Matthias Welniak ist Vorsitzender der 2017 gegründeten Interessengemeinschaft. Er erzählt über die Aktionen des Vereins und die Motivationen für das Ehrenamt in der Industriekultur.

Wofür setzt sich Ihr Verein ein?

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, für den Erhalt der historischen Arbeitersiedlung einzutreten. Sie ist für uns Heimat – ein gutes Gefühl, das wir stärken möchten. Wir möchten aber auch ihre Geschichte erzählen. Dafür erarbeiten wir gerade eine historische Dokumentation und bieten Führungen an. Darüber hinaus geben wir unsere Erfahrungen weiter und beraten andere bei Sanierungs- und Restaurierungsvorhaben im denkmalgeschützten Gesamtensemble.

Was treibt Sie an?

Es geht nicht nur um den Erhalt alter Gebäude, für die wir viele Investitionen und Aktivitäten anstoßen. Gemeinsam möchten wir auch das soziale, sportliche und interkulturelle Miteinander stärken und gestalten, indem wir beispielsweise zwei Outdoor-Tischtennisplatten angeschafft haben. Zu den festen Projekten gehören jedes Jahr der Hof- und Straßenflohmarkt, die WEINspitze und der Weihnachtsmarkt auf dem zentralen Cramer-Klett-Platz. Gemeinsam aus der alten Arbeitersiedlung einen modernen Ort der Begegnung machen, das bringt große Freude und ist ein riesen Ansporn.

Wie kann man sich bei Ihnen konkret engagieren?

Bei uns kann man sich auf vielfältige Art und Weise engagieren. Wir freuen uns über Unterstützung beim Aufbau unserer wissenschaftlichen Dokumentation wie etwa bei Recherchearbeiten. Aber auch bei unseren Veranstaltungen und Themenabenden ist jede helfende Hand gebraucht und herzlich willkommen. Wer dem Verein beitritt kann dies als aktives oder passives Mitglied. Für jede weitere Unterstützung freuen wir uns über Förderpartner.

Gibt es gerade ein besonderes Projekt?

Unser Spendenprojekt „Ehrendenkmal für Cramer-Klett“. Wir möchten ein Ehrendenkmal auf dem Cramer-Klett-Platz errichten, das an den Industriepionier und Namensgeber der ehemaligen Arbeitersiedlung, Theodor Freiherr von Cramer-Klett (1817–1884), erinnern soll.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Vereins und die Cramer-Klett-Siedlung?

Zunächst wünschen wir uns, wie jeder andere Kulturverein auch, mehr tatkräftige Mitglieder. Interessierte und Begeisterte, die aktiv teilnehmen und sich einbringen möchten. Wir leben in und mit einem großartigen Industriekulturgut in Gustavsburg. Ihr Erhalt ist uns wichtig und deshalb wünschen wir uns auch mehr Möglichkeiten der Teilhabe bei der zukünftigen Gestaltung.

Text: Kay-Hermann Hörster