KlangKunst in Industriekultur

KLANGKUNST IN INDUSTRIEKULTUR
21. BIS 29. AUGUST 2021

Das Rhein-Main-Gebiet verfügt über eine Fülle von imposanten und geschichtsträchtigen Orten der Industriekultur mit besonderer Vergangenheit. Viele unterschiedliche Industriezweige treffen hier aufeinander, manche Bauten werden noch genutzt, andere sind seit Jahren stillgelegt, wieder andere wurden umgewidmet und dienen nun neuen Zwecken. Die Orte der Industriekultur sind in der Region unter dem Label „Route der Industriekultur Rhein-Main“ als ein Schwerpunkt-Projekt der KulturRegion FrankfurtRheinMain zusammengefasst und alljährlich im Sommer Schauplatz der „Tage der Industriekultur“. Anders als etwa im Ruhrgebiet gibt es bisher jedoch keine regelmäßigen Kunstprojekte in den Objekten. Dies bot den Ansatz für den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Künstler*innen mit Schwerpunkt Sound, Licht und Video mit ortsbezogenen Arbeiten zu ausgewählten Industriebauten zu beauftragen. An zehn Orten der Region wurde jeweils ein*e Künstler*in oder ein Künstlerduo gebeten, sich mit der Geschichte und der akustischen und visuellen Aura der Orte auseinanderzusetzen. Die industrielle Vergangenheit der Produktionsstätte sollte dabei im Mittelpunkt der Arbeiten stehen. Eine solche Kooperation von Kulturfonds und KulturRegion findet 2021 zum zweiten Mal statt. Wir laden Sie ein, im Rhein-Main-Gebiet auf eine multimediale Entdeckungsreise zu gehen!

Darmstadt | Bahnwelt

Bahnwelt
Klanginstallation von Makiko Nishkaze und Nikolaus Heyduck

So 22.8., Mi 25.8., Fr 27.8. und So 29.8., 10 – 16 Uhr
Adresse: Eisenbahnmuseum Bahnwelt, Steinstraße 7, 64291 Darmstadt
Kontakt: 06151 377600 | info@bahnwelt.de
Haltestelle: Darmstadt Kranichstein

Die Lokomotivhalle des Bahnwelt-Eisenbahnmuseums in Darmstadt-Kranichstein ist mit ihren historischen Dampflokomotiven ein eindrucksvoller Raum, der vielfältige Assoziationen weckt: an Bahnhöfe, an weite Reisen, an Geräusche und Gerüche. Dieser Innenraum träumt gewissermaßen vom Außen der Welt und von der Möglichkeit, viele Orte zu erreichen durch die Vernetzung in vielfältigen Schienensystemen. Die elektroakustische Komposition von Makiko Nishikaze basiert auf Tonaufnahmen, die sie bei verschiedenen Reisen aufgenommen hat: auf Bahnsteigen in Tokyo und Berlin, in der U-Bahn in Paris und im Schnellzug in Japan. In der Montage zu einer räumlichen Komposition für sechs Kanäle entsteht eine Klanglandschaft, bei der sich die verschiedenen Materialien an einem Knotenpunkt vernetzen, mechanische Geräusche, das Gewirr menschlicher Stimmen, das Klangchaos einer Bahnhofshalle. Die technische Installation von Nikolaus Heyduck sorgt dafür, dass diese Klangwelt hörbar wird.

Künstler

Makiko Nishikaze hat in Japan, Kalifornien und Berlin Komposition studiert und inzwischen ein umfangreiches Werk geschaffen, das Kompositionen für alle Instrumente und für Orchester umfasst. Seit einiger Zeit beschäftigt sie sich mit „räumlicher Musik“. Ein Raum ist für sie ein Klangkörper, der die akustische und visuelle Wahrnehmung zu einem ganzheitlichen Ereignis werden lässt. Oft erweitert sie ihre kompositorischen Konzepte durch performative Aktionen mit Klangobjekten, mit denen sie die räumlichen Dimensionen sichtbar und hörbar auslotet. Technische Mittel nutzt sie mit Bedacht. Immer sollen ihre Kompositionen als eine Art Kompass dienen auf dem Weg zu einem neuen Level der Fähigkeit zu hören. Ihr Credo ist dabei, dass bewusstes Hören auch die Wahrnehmung der anderen Sinne schärfen kann.
www.makiko-nishikaze.de

Nikolaus Heyduck, der zunächst an der Städelschule in Frankfurt am Main im Hauptfach Film studiert hat, versteht sich seither als Grenzgänger, dessen Interesse an Tönen und Klängen ebenso ausgeprägt ist wie seine visuellen Interessen. Bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt war er mehrere Male Mitglied im Technikteam, ehe er ergänzend ein Kompositionsstudium an der Akademie für Tonkunst aufnahm. Heute besteht sein Arbeitsschwerpunkt aus Klanginstallationen, radio-phonen Hörstücken und elektroakustischen Kompositionen für Tanz, Theater und Film.
www.nikolaus-heyduck.de

Ort: Bahnwelt

Seit 1970 betreiben ehrenamtliche Mitarbeiter das Eisenbahn-museum Darmstadt-Kranichstein. Über 200 originale Eisen-bahnfahrzeuge aus allen Epochen der Eisenbahngeschichte, darunter 40 Triebfahrzeuge, zählen zum Bestand des Museums. Hinzu kommt eine Vielzahl von Sammlungen und Ausstellungen von Gegenständen aus dem gesamten Eisenbahnwesen. Das Museum befindet sich im Bahnbetriebswerk des ehemaligen Rangierbahnhofs Darmstadt-Kranichstein. Die Lokomotivausstellung ist im Original-Ringlokschuppen untergebracht, in dem darüber hinaus die Betriebslokomotiven für Sonderfahrten gewartet werden. Die Wagensammlung wird in der ehemaligen „Güterwagenschnellausbesserung“ präsentiert, welche auch heute noch ihren Zweck als Wagenwerkstätte für unseren Betriebswagenpark erfüllt.
www.bahnwelt.de

Darmstadt | Druckmuseum

Feurio! Elektroakustische Klangskulptur von Denise Ritter

Di 24.8. und Fr 27.8., 10 – 12 Uhr, Do 26.8., 15 – 17 Uhr
Adresse: Kirschenallee 88, 64293 Darmstadt
Kontakt: 06151 1657111
Haltestelle: Darmstadt Hbf

„Feurio!“ ist eine Klangskulptur aus Aufnahmen, die in der Abteilung Schrift-guss, Satz und Druckverfahren des Hessischen Landesmuseums Darmstadt gemacht wurden. Sie nimmt nicht nur Bezug auf das Druckhandwerk an sich, sondern auch auf die Bedeutung von gedruckten Inhalten und des Lesens im Laufe der Jahrhunderte bis heute. Bücherverbrennungen gab es zu allen Zeiten, so ist die Arbeit u. a. eine Anspielung auf den Roman „Fahrenheit 451”, in dem Bücher als Ursache für nicht-systemkonformes Denken und Handeln angesehen und daher verbrannt werden. Die Klangskulptur entstand im Rahmen der Reihe „Klangkunst und Industriekultur“ 2014/15.

Künstler

Denise Ritter realisiert Klanginstallationen und Klangskulpturen mit elektroakustischen Kompositionen in der Tradition der Konkreten Musik. Dabei geht sie häufig von geographischen und historischen Gegebenheiten aus und bringt akustische Ereignisse jeglicher Art in Einklang mit plastischen Rauminterventionen. Denise Ritter studierte Audiovisuelle Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken und war Meisterschülerin bei Christina Kubisch. Sie ist Preisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises 2010 und erhielt in den letzten Jahren zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen. Sie ist auf Ausstellungen und Festivals im In- und Ausland vertreten und realisiert auch Klanginstallationen im öffentlichen Raum. Denise Ritter lebt in Dortmund.

www.gegenort.com

Ort: Druckmuseum Darmstadt

Die Abteilung Schriftguss, Satz und Druckverfahren des Hessischen Landesmuse-ums Darmstadt ist in einem 1906 errichteten Industriegebäude, das ursprünglich der Möbelfabrikation diente, untergebracht. Hier wurde ein Druckmuseum eingerichtet, in dem Besucher historische und künstlerische Druckverfahren kennenlernen können. Ehrenamtliche Fachkräfte führen Arbeitsschritte des mechanisierten und industriellen Buchdrucks an Maschinen des 19. und 20. Jahrhunderts vor und demonstrieren das manuelle Setzen mit einzelnen Bleilettern. Diese Technik war seit ihrer Erfindung durch Johannes Gutenberg (Mitte des 15. Jh.) bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Mit Ottmar Mergenthalers Entwicklung der Linotype 1886 in den USA ließen sich ganze Zeilen setzen und gießen. Im Museum sind zahlreiche Modelle, die im 20. Jahrhundert in Deutschland im Einsatz waren, in Funktion zu sehen. Gusseiserne Buchdruckpressen und Druckmaschinen veranschaulichen die Entwicklung der Drucktechnik seit 1800.

www.hlmd.de

Eltville am Rhein | Kunstkeller des Weinguts Georg Müller Stiftung

Imperfect Partners Klanginstallation von Marc Behrens

Sa – So 21.8. – 29.8., 11 – 18 Uhr, So 22.8., 16 Uhr Vernissage, Mo geschlossen
Adresse: Weingutshof Eberbacher Straße 7 – 9, 65347 Eltville am Rhein
Kontakt: Elvira Mann-Winter, 0171 2882840, elvira.mann.winter@gmail.com
Haltestelle: Hattenheim Bahnhof

Die mehr als 250 Jahre alten Kellergewölbe des Weinguts Georg Müller Stiftung sind als Kunstkeller eingerichtet, dessen Wände mit dem Kellerpilz Zasmidium cellare besiedelt sind. Menschen und sogenannte imperfekte Pilze haben eine lange gemeinsame Geschichte. Erst dank der Geschäftsbeziehung mit Hefepilzen zum Beispiel ist der Mensch fähig, Alkohol zu verdauen. Und Zasmidium cellare, ein spezialisierter Schlauchpilz, ernährt sich hauptsächlich vom Luftalkoholgehalt im Mikroklima der Weinkeller. Pflanzen wiederum erhalten durch die Pilzfasern Mineralien und erledigen dafür im Outsourcing die Fotosynthese für die Pilze. Textfragmente zu Pilzforschung und Ökonomie bringen Glasgefäße und Fässer zum Klingen. Klänge aus dem Gärungsprozess, Videopassagen von Pilzgeflecht und die Raumakustik des Kellers bilden ein mehrschichtige s Kunstwerk.

Künstler

Marc Behrens arbeitet mit elektronischer und konkreter Musik, Installation, Performance, Fotografie, Text und Video. Er hat in vielen Ländern Europas, in Südafrika, Chile, USA, Japan, China, Taiwan, Malaysia, Australien, Israel und Palästina ausgestellt oder performt. Seit 1989 brachte er über 30 Musikalben heraus. Neben field recording-basierten Hörstücken wie „Bushdesertrainfo -rest“ (2009) für WDR 3 oder hr2-kultur, schrieb Behrens 2013 das deutschspra-chige Hörspiel „Progress“ für Deutschlandradio Kultur, in dem mit Hilfe von Ritualen die Familiengeschichte des Künstlers in Bezug zu technischen und politischen Entwicklungen gesetzt wird. 2014 veröffentlichten Atom™ und Marc Behrens das Album „Bauteile“ auf Editions Mego, ein Mindfuck-Mix verschiedenster Musikstile.

www.mbehrens.com

Ort: Kunstkeller des Weinguts Georg Müller Stiftung

Die weiträumigen Kellergewölbe des Weinguts Georg Müller Stiftung in Hattenheim/Rheingau sind über 250 Jahre alt. Die intensivste Nutzung erfuhren die Gewölbe ab 1872, als die Weinhandelsfirma von August Wilhelmj in das Gutshaus einzog und die Kellerräume für den Ausbau und die Lagerung von Rheingauer Weinen, die an das Bürgertum und die Adelshäuser Europas verkauft wurden, nutzte. Im Jahr 1938 begann eine neue Ära, als das Weingut Georg Müller Stiftung als Schenkung von Georg Müller an seine Gemeinde Eltville-Hattenheim, in die Räumlichkeiten einzog. Das Weingut war 1910 Gründungsmitglied des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. Seit 2003 befindet es sich im Privatbesitz von Peter Winter. 400 qm werden für die Lagerung des Weins genutzt. Auf 1.000 qm werden heute Positionen zeitgenössischer Kunst, insbesondere Licht-Kunst, gezeigt. Parallel zur Installation von Marc Behrens ist im Veranstaltungs-raum eine Ausstellung des Malers Andreas Amrhein zu sehen.

www.georg-mueller-stiftung.de

Frankfurt am Main | Alte Seilerei

TIME|MACHINES
Eine Installation des Kollektivs Untere Reklamationsbehörde

Sa – So 21.8. – 29.8., 17 – 21 Uhr
Adresse: Alte Seilerei, Offenbacher Landstraße 190, 60599 Frankfurt
Info: Die Installation ist zu den Öffnungszeiten (17-21 Uhr) zugänglich, es kann zu kurzen Wartezeiten kommen.
Haltestelle: Tram bis Lettigkautweg

Die Licht- und Klanginstallation wurde für einen Teilabschnitt der seit 1984 stillgelegten Seilerbahn des Frankfurter Familienunternehmens Reutlinger entwickelt. Sie versucht, mit und durch die historischen Industriemaschinen die in ihm eingeschriebene Geschichte des Ortes selbst zum Klingen zu bringen. Alte Loren, Zahnräder, Spulen und Schlagmaschinen werden über kleine Motoren in Schwingung und Bewegung versetzt und kratzen an den Staubschichten vieler Jahrzehnte Industriegeschichte. An diesem scheinbar zeitlosen, stillstehenden Raum entstehen so interaktive Licht-Klang-Maschinen-Landschaften, die das Publikum dazu einladen, nicht nur den Ort zu erkunden, sondern auch die übrig gebliebenen staubigen Fragmente seiner Geschichte neu zu imaginieren.

Künstler

Untere Reklamationsbehörde (Frankfurt / Berlin) Seit Anfang 2019 forschen Maria Huber und Julia Mihály zusammen an der Idee eines „Empirischen Musiktheaters“. Im Fokus steht die tatsächliche Feldforschung: Räumliche Strukturen und soziale Architekturen bestimmter Orte werden durch eine klangliche Lupe untersucht – Atmosphären, Beziehungen zwischen Menschen untereinander und zum Ort selbst, Bewegungsrichtungen, Materialitäten uvm. werden direkt vor Ort erforscht und künstlerisch eingebunden. In den Ort eingeschriebene Narrative werden akustisch-empirisch freigelegt, um sie anschließend in performativ-musikalischen Aktionen zu verstärken, aber auch zu verfremden, zu unterbrechen oder zu stören. Die alltägliche Wahrnehmung des Ortes soll letztlich mit einer alternativen akustischen Perspektive unterlaufen werden, während performative Handlungen das Alltägliche zum Theatralen werden lassen.

www.untere-reklamationsbehoerde.de

Ort: Ehemalige Seilerei Reutlinger

Das Gebäude ist ein Denkmal vergangener Handwerkskunst. Wilhelm Benjamin Reutlinger, der aus einer bereits im 17. Jahrhundert in Frankfurt bekannten Seilerfamilie stammte, eröffnete 1873 eine kleine Fabrik für Seilerwaren in der alten Mehlwaage. Die Firma stellte Taue und Stricke mit Hilfe einer Seilerbahn her. Aus ihr entstand 1898 die Draht- und Hanfseilfabrik Wilhelm Reutlinger. In der durch eine Schlosserei und Fetterei komplettierten Fabrik konnten Seile bis zu 300 m Länge in der bis an den Goldbergweg reichenden Seilerbahn hergestellt werden. Die zu fertigenden Seile wurden an einem Wagen befestigt, der auf Gleisen fuhr und mit einer Oberleitung betrieben wurde. Heute sollen auf dem Gelände mit der großen Produktionshalle der früheren Seilerei Handwerk, Kunst und Wohnen gleichzeitig möglich sein.

www.alteseilerei.net

Hanau | Herrnmühle

Camille
Installation von Neo* Hülcker

Sa – So 21.8. – 29.8., 17.30 Uhr – 21.30 Uhr
Adresse: Herrnmühle Hanau, Nordstraße 86, Sandeldamm 30, 63450 Hanau
Info: Die Installation befindet sich im Freien auf dem Gelände der Herrnmühle, eine Anmeldung ist nicht erforderlich!
Öffnungszeiten des Cafés: Di bis Fr und So 9.30 - 17.30 Uhr
Haltestelle: Bus bis Hanau Nordstraße

„Meine Geschichten sind im besten Fall anregende Fadenspiele; sie sehnen sich nach einem dichteren Gewebe, das die Muster offenhält, mit sich verzweigenden Anknüpfungspunkten für noch kommende Erzähler*innen.“ (Donna Haraway: Unruhig bleiben) Das Gelände der Herrnmühle in Hanau wird zum Ort, an dem die Geschichten von Donna Haraway fortgesponnen werden. Zukünftige Tier-, Mensch- und Cyborg-Welten schälen sich aus den Geräuschen der Wasserläufe heraus, feiern Utopien und Verwandtschaften und verbinden sich zu Szenarien, die hinein-klingen in unsere Realität. Die beiden Hörstationen befinden sich vor dem alten Mühlen-Gemäuer neben dem Eingang des Cafés der Herrnmühle und auf dem Spazierweg, der durch die Kinzigaue am Mühlengelände entlang führt.

Objekte: Lisa Fütterer / Stimme: Valerie Renay / Tontechnik: Carola Caggiano

Künstler

Neo* Hülcker ist ein Komponist*–Performer*, dessen* Fokus auf Musik als anthropologischer Untersuchung in alltäglichen Lebensumgebungen liegt. Sei-ne* Arbeiten nehmen meist in Form von Situationen, Performances, Installationen, Videos, Aktionen und Interventionen Gestalt an und beschäftigen sich mit digitalen Praxen (wie zum Beispiel ASMR), Kindheit, Tier-Mensch-Beziehungen, queeren Handlungsweisen und kulturellem Hacking. Neo* Hülcker arbeitete zusammen mit: Ensemble Ascolta, mam. Manufaktur für aktuelle Musik, Ensemble Garage, MOCREP, Bastard Assignments, Maulwerker, decoder ensemble, The Agency, Antonia Baehr aka Henry Wilde, Tomomi Adachi, Stellan Veloce, Lucie Vitkova, Andy Ingamells, Elisabeth R. Hager, Matthias Kaul, Astrid Schmeling, Eva Zöllner, Bill Dietz, Jennifer Torrence, Johannes Müller & Philine Rinnert, NAF u.a.

www.neohuelcker.de

Ort: Herrnmühle

Die landgräfliche Herrnmühle im Nordosten Hanaus zählt zu den ältesten und herrschaftlichsten Orten der Industriekultur RheinMain. Die ehemals größte Mühlenanlage der Stadt liegt am Kinzigbogen hinter der Maschinenfabrik Weinig und ist in die Stadt-befestigung integriert. Die schon im Jahr 1402 bekannte Getreidemühle wurde im 16. und 17. Jahrhundert um eine Öl-, Holz-, Walk- und Gewürzmühle erweitert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Mühlengelände von der Maschinenfabrik Weinig übernommen und fünf Mühlräder wurden durch Turbinen zur Elektrizitätserzeugung ersetzt. 1930 wurde der Mahlbetrieb eingestellt. Im historischen Mühlengelände haben sich bis heute zahlreiche bauliche Hinweise auf die einstige Mühlennutzung mit Mühlenbecken, Wehr und Brücke über dem Mühlgraben erhalten. Das eiserne Wasserrad mit hölzernen Schaufeln ist vom Hofgelände der Maschinenfabrik aus gut zu erkennen. 2016 wurde das Café überm Fluss in der Herrnmühle eröffnet – einer der imposantesten bewirteten Orte der Industriekultur.

www.menschen-in-hanau.de

Hanau | Museum Hanau-Großauheim

Interaktive Installation von Erwin Stache

Sa/So 21./22.8. und Sa/So 28./29.8., 11 – 17 Uhr
Adresse: Museum Hanau-Großauheim, Pfortenwingert 4, 63457 Hanau
Kontakt: 06181 2951799, museen@hanau.de
Haltestelle: Hanau-Großauheim

Ein Schaltpult mit alten Drehreglern dient dem Publikum dazu Geschwindigkeit und Dauer, Mischung und Richtung von Klängen einzustellen. Die Art der Komposition gibt der Künstler vor – das Publikum kann aber ihre Parameter verändern. Die im Museum befindlichen Maschinen sind die Basis für die Arbeit, ihre Geräusche werden durch acht Lautsprecher sequenziert. Die regelmäßige maschinelle Rhythmik wird durch kleine Stolpersteine durchbrochen. Das Publikum ist gewissermaßen die Schaltzentrale und stellt sich seine Komposition individuell zusammen. Der Sound bewegt sich pulsartig durch den Raum - die Maschinen beginnen zu tanzen und zu hüpfen. Wer mag, kann aber auch einfach auf den Knopf DEMO drücken, dann gibt es eine vorgefertigte Fassung. Die Interaktive Installation entstand im Rahmen der Reihe „Klangkunst und Industriekultur“ 2014/15.

Künstler

Erwin Stache wurde 1960 in Schlema bei Aue im Erzgebirge geboren und lebt in der Nähe von Leipzig. Dort studierte er von 1977 bis 1980 Physik und Mathematik, daneben erhielt er Klavier- und Orgelunterricht. Seit 1983 ist er freiberuflich als Musiker, Komponist und Klangobjektebauer tätig. Er entwickelt elektroakustische und mechanische Instrumente, die er auch herstellt. Seit 1995 arbeitet Erwin Stache auch als Programmierer für Computer und Mikrocontroller. Mit seinen mehrfach preisgekrönten, insgesamt über 200 Klanginstallationen und Performances gastierte er bei zahlreichen internationalen Festivals der neuen Musik, er realisierte Ausstellungen und dauerhafte Museumskonzepte. Gemeinsam mit Henry Schneider realisierte Erwin Stache von 1993 bis 2003 mit Einwohnern des Dorfes Stelzen jährlich eine „Landmaschinensinfonie“, dabei kamen „Instrumente“ wie Mähbinder, Heuwender, Traktoren, Kartoffelkombine, Gülleorgel und anderes mehr zum Einsatz.

www.erwin-stache.de

Ort: Museum Hanau-Großauheim

Das Museum Hanau-Großauheim hat seit 1983 sein Domizil im ehemaligen Elektrizitätswerk aus dem Jahr 1906 und erfuhr in den letzten Jahren eine grundlegende Überarbeitung und inhaltliche Neuausrichtung als Museum für Kunst und Industrie-geschichte. 2010 wurde die neue Kunstabteilung mit Werken des aus Großauheim stammenden Bildhauers August Gaul und des Hanauer Malers August Peukert eröffnet, seit 2011 ist die ebenfalls neu gestaltete Abteilung zur Industriegeschichte im Museum Großauheim für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Die Arbeit in Landwirtschaft und Industrie steht im Mittelpunkt des Museums. Die Mechanisierung der Landwirtschaft ist am Beispiel der an Arbeitskraft und Zeit intensivsten Arbeiten Pflügen, Heu -machen, Getreideernte und Dreschen dargestellt.

www.hanau.de

Hochheim am Main | Wasserturm

local transformation
Installation von Frauke Eckhardt

Wasserturm, Hummelpark an der Villa Burgeff, Daubhäuschen
Sa – So 21. – 29.8., 10 – 20 Uhr, Fr und Sa 10 – 22 Uhr
So 22.8. und So 29.8., jeweils 17 Uhr Führungen zur Geschichte von Sekt- und Weinbaukultur
Info: Die Installation befindet sich im Freien an den genannten Objekten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich!
Anmeldung zur Führung (erforderlich): tourismus@hochheim.de, 06146 900 333
Treffpunkt Führung am 22.08.: Hochheimer Weinbaumuseum, Wiesbadener Straße 1
Treffpunkt Führung am 29.08.: Tourist-Info Stadt Hochheim am Main, Burgeffstraße 30/Le-Pontet-Platz
Haltestellen: Antoniushaus / Wiesbadener Straße / Berliner Platz

Transformation ist für die Stadt Hochheim am Main ein wesentlicher Faktor ihrer Entwicklung. Das gilt für den Weinbau ebenso wie für bauliche Maßnahmen, die Industrialisierung und die gegenläufige Entwicklung in den Soundscapes der Natur. An drei Orten, am Wasserturm, im Park der Villa Burgeff und am Daubhäuschen, fokussieren Klanginstallationen diese Transformation. Allen künstlerischen Interventionen ist der enge Bezug zum direkten Umfeld und seinen prägenden Parametern gemein. Am Wasserturm wird die Transformation der physikalischen Eigenschaften von Wasser assoziativ erlebbar, im Park die Entwicklung einer Soundscape aus ornithologischem Blickwinkel auf die immigrierte Kolonie grüner Papageien untersucht. Am Daubhäuschen betreiben zwei KlangWellen die ästhetische Transformation der vorhandenen Sound- scape, die vom Kontrast des traditionellen Weinbaus und der aktuellen Mobilität im Rheintal geprägt ist.

Künstler

Frauke Eckhardt ist Bildhauerin und Klangkünstlerin. Seit den 1990er Jahren entwickelt sie klangbasierte künstlerische Interventionen, die, als Rahmen offener Erkenntnisprozesse angelegt, vom Besucher eigenzeitlich erschlossen werden müssen. In der Verbindung von performativem Handeln und materialbasierter Raumerkundung entwickeln Eckhardts Raum-Klang-Instrumente aktive Präsenz im und für den Öffentlichen Raum. Ihre raumbezogenen Inszenierungen und interaktiven Klanginstallationen reflektieren auf der Grundlage von architektonischer Struktur, gesellschaftlicher Funktion und geschichtlicher Spuren der spezifischen Orte aktuelle gesellschaftliche Diskurse und globale Entwicklungen. Eckhardts Arbeiten wurden auf internationalen Festivals und Ausstellungen präsentiert, vom Rundfunk beauftragt sowie mehrfach mit Stipendien gefördert und mit Preisen ausgezeichnet. Sie ist Gastprofessorin für Sound an der Kunsthochschule für Medien Köln sowie Kuratorin für Klangkunst und Vorstandsmitglied des Saarländischen Künstlerhauses.

www.fraukeeckhardt.de

Orte:

Wasserturm im Antoniushaus

Die Burgenromantik des Mittelrheins beeinflusste den Baustil des für die Sektkellerei Burgeff & Co. AG 1890 erbauten Wasserturms. Der bereits 1920 stillgelegte Backsteinwasserturm mit Sandsteingliedern besteht aus einem kubischen, zweigeschossigen Sockelbau mit Außentreppe sowie einem Teil mit rundem Grundriss und Innentreppe. An das Erdgeschoss wurde ca. 1995 ein gläserner Ausstellungsraum nach Plänen des Architekten Kurt Jäger angebaut.

Villa Burgeff

Die klassizistische Villa Burgeff wurde 1841 als Residenz des ersten Hochheimer Sektfabrikanten Burgeff erbaut, der – gemeinsam mit Ignaz Schweickhardt – gleichzeitig auch der erste rheinische Sektfabrikant überhaupt war. Ende des 19. Jahrhunderts fiel sie einem Brand zum Opfer und wurde im Jahr 1904 als kopierender Nachbau wiedererrichtet. Im Souterrain ist seit 2002 die Hochheimer Kunstsammlung beheimatet, die Werke moderner und zeitgenössischer Kunst der ehemaligen Privatsammlung Rosteck zeigt.

Hummelpark

Die ca. 150 Jahre alte Parkanlage am Rand der Altstadt befand sich wie die angrenzende Burgeffvilla früher im Besitz der Sektkellerei Burgeff. Seit 1982 gehören Hummelpark und Villa der Stadt Hochheim am Main, beide unterliegen dem Denkmalschutz. Der Park, mit teils sehr altem Baumbestand, ist nach Diether Hummel (1908–1989) benannt, der 1927 in die Sektkellerei Burgeff & Co eintrat und 1936 Vorstandsmitglied wurde.

Daubhäuschen

Das einst als „Bollers Bellevue“ bekannte Daubhäuschen wurde 1892 von dem Sektfabrikanten Peter Boller für seine Frau Margarete außerhalb der Stadt erbaut. 2015 belebte der Freundeskreis Daubhäuschen Hochheim e.V. das denkmalgeschützte Kleinod neu. Mit einem Glas Hochheimer Winzersekt lässt sich heute die Aussicht vom Balkon über das Maintal bis zum Odenwald und der Bergstraße, Rheintal, nach Mainz und Rheinhessen genießen.

Idstein | Kulturbahnhof

Spuren
Installation von Hyunju Oh

Do/Fr 19./20.08., 16 – 19 Uhr, Sa/So 21./22.08., 11 – 16 Uhr
Adresse: Am Güterbahnhof 2, 65510 Idstein
Kontakt: kulturbahnhof@idstein.de, 06126 78 625
Haltestelle: Idstein Bahnhof

Die denkmalgeschützte ehemalige Güterhalle in Idstein wird seit 2014 als Ort für Kulturveranstaltungen genutzt. Hyunju Ohs Arbeit basiert auf einem 15-mi-nütigen Hörspiel, in dem ein Sprecher an die Geschichte des Kulturbahnhofs erinnert. Sie wird kombiniert mit installativen Objekten in der Halle des Kultur-bahnhofs, der einstmals als Lagerplatz für verschiedene Frachten diente. Durch die Positionierung der Objekte im Raum und leise Klänge, die unter anderem das Surren von automatisierten Transportfahrzeugen assoziieren lassen, werden die verschiedenen Zeitschichten im Raum nebeneinander erfahrbar.

Künstler

Hyunju Oh (*1988 in Daegu, Südkorea) erforscht die Beziehungen zwischen performativen Klängen und Bildender Kunst und experimentiert mit verschiedenen Möglichkeiten ihrer Präsentation. In ihren Arbeiten fokussiert sie sich darauf, die Emotionen der Erinnerung konzeptionell zu erfassen und diese als poetische und/oder theatralische, audio-visuelle Momente – teils in zeitlicher Straffung, teils in zeitlicher Dehnung – zu kondensieren. Derzeit arbeitet sie da-ran, diverse Raumsituationen in Klanginstallationen zu transformieren, indem fragmentarische Bestandteile – Objekte, Videos, Medien und Gedanken – als Szene eingesetzt werden und die Installation als eine Art performatives Hör-spiel erfahrbar wird. Durch das Zusammenspiel von Objekt mit allegorischer Be-deutung und zeitbasiertem Klang experimentiert sie mit der Transformation in Raum und Wahrnehmung. Hyunju Oh hat mehrfach in Deutschland ausgestellt (u.a. DYSTOPIE Sound Art Festival 2020 Berlin, Morat Institut Freiburg etc.). Sie erhielt Stipendien und war Teilnehmerin in Förderprogrammen. Hyunju Oh lebt derzeit in Mainz und arbeitet in einem Studio von basis Frankfurt e.V.

www.ohyunju.com

Orte: Kulturbahnhof Idstein

Nach Eisenbahnanschluss und eigenem Bahnhof erhielt Idstein 1877/78 seine erste Gü-terhalle, die im Laufe der Zeit stetig steigende Tonnen an Gütern verfrachtete. Bis 1983 wurde die Güterhalle von der Deutschen Bundesbahn genutzt und bis 1992 wickelte ein einziges Idsteiner Unternehmen als Mieter die Stückgutfracht über die Güterhalle ab, bis 1997 der Güterverkehrspunkt Idstein endgültig geschlossen wurde. Die Stadt Idstein erwarb 2012 das Gebäude, das im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Stadtum-bau in Hessen“ im Jahr 2014 umgebaut und saniert wurde. Der Erhalt des Ursprungs der Güterhalle war entscheidend, um den Charme und Charakter zu bewahren. So wurden die alten Tore wieder eingebaut und die Fenster hergerichtet. Insbesondere im Innen-raum machen sich die Holz-Ständer-Bauweise und der offene Dachstuhl bemerkbar, die zum besonderen Ambiente beitragen. Nach fast 20 Jahren Stilllegung wurde die ehemalige Güterhalle am 8. November 2014 als „Kulturbahnhof Idstein“ mit einem au-ßergewöhnlichen Konzept aus Bildung, sozialen Aktivitäten, Veranstaltungen und Ver-mietungen der Räumlichkeiten wieder zum Leben erweckt. Der Kulturbahnhof wird von der Stadt Idstein, der Hochschule Fresenius und von engagierten Bürgern gemanagt.

www.kulturbahnhof-idstein.de

Kelkheim | Zauberberg

Liegekur
Installation von Lea Letzel

Sa – So 21. – 29.8., 14 – 17 Uhr
Mi 25.8. und Fr 27.8., 15 – 16.30 Uhr Führungen zur Geschichte des Objekts mit Marianne Bopp, Museumspädagogin, Museum Kelkheim
Adresse: Robert-Koch-Straße 116, 65779 Kelkheim
Treffpunkt für die Führungen: Zauberberg, Kelkheim-Ruppertshain, Robert-Koch-Str. 116, Parkplatz
Info und Anmeldung: Dorothee Sommer, 06174 9685492, fuehrungen.museumkelkheim@web.de
Haltestelle: Kelkheim-Ruppertshain Zauberberg

Lea Letzel setzt sich in ihrer skulpturalen Klanginstallation mit den Heilungspraktiken der Lungenheilanstalt in der ehemaligen Volksheilstätte Ruppertshain auseinander. Während die vollständige Isolation das einzige Mittel zur Seuchenbekämpfung war, stand zur Heilung der Patienten und Patientinnen im Rahmen einer hygienisch-diätischen Therapie die sogenannte „Liegekur“ (u.a. nach dem Falkensteiner Arzt Peter Dettweiler) im Vordergrund. Damals ebenso wie heute müssen wir uns mit der Heilung neuartiger Krankheiten beschäftigen. Die Künstlerin zeichnet dies in zwei skulpturalen Objekten nach. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die Objekte interaktiv zum Klingen zu bringen und für einen Moment Geschichte und Gegenwart der Anlage mit Blick auf die Frankfurter Skyline zu erleben.

Künstler

Lea Letzel lebt und arbeitet als Künstlerin, Regisseurin und Pyrotechnikerin in Köln. In ihrer künstlerischen Praxis entwickelt sie interdisziplinäre szenische und performative Arbeiten an der Schnittstelle von Klang und Musik, Medienkunst, Tanz und Raum. Sie studierte am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit 2015 ist sie auch als Pyrotechnikerin und seit 2020 als Großfeuerwerkerin ausgebildet. Sie hat an internationalen Ausstellungen sowie an Performances im Witte de With, Rotterdam; Maschinenhaus Essen; Theater Duisburg; Philharmonie Duisburg; Bundeskunsthalle Bonn; Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn; FrankfurtLAB, Frankfurt am Main; Acht Brücken Festival, Köln; Edit-Russ-Haus für Medienkunst, Oldenburg; PACT Zollverein, Essen teilgenommen. 2019 war sie Stipendiatin des Goethe–Instituts der Villa Kamogawa in Kyoto, Japan. 2020 Stipendiatin des Max–Planck–Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt.

www.lealetzel.de

Orte: Der Zauberberg

1895 wurde die erste Volks-Lungenheilstätte Deutschlands in Kelkheim-Ruppertshain eröffnet und auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 international als Musterheilstätte für Arbeiterinnen und Arbeiter vorgestellt. 1983 wurde das Sanatorium aufgrund verbesserter Heilungsmethoden geschlossen. Stattdessen wurde das Klinikgebäude als Übergangswohnheim für Aussiedler aus Osteuropa und ausgereiste DDR-Bewohner genutzt. Heute ist das denkmalgeschützte Bauwerk im Rhein-Main Gebiet als „Zauber-berg“ in Anspielung auf den Roman von Thomas Mann bekannt und zu einem Zentrum für Kunst und Kultur avanciert. „Wohnen – Arbeiten – Freizeit“ sind hier am Südhang des Taunus ebenso vernetzt wie ein pulsierendes kulturelles Leben aus Musik, Literatur, Malerei und Bildhauerei. Zu erleben ist eine außergewöhnliche Installation in einer imposanten Anlage.

www.kelkheim.de

Offenbach am Main | Ehemaliges Torhaus der Firma MATO

Entfernte Rhythmen
Dreiteilige Klanginstallation von Roswitha von den Driesch und Jens-Uwe Dyffort

Sa – So 21. – 29.8., Sa jeweils 15 – 21 Uhr, So jeweils 12 – 18 Uhr, Di – Fr jeweils 17.30 – 20.30 Uhr Sa und So jeweils 16 Uhr Führungen zur Geschichte des Objekts, Anmeldung nicht erforderlich, am 29.8. mit Künstlergespräch
Adresse: Bieberer Straße 215, 63071 Offenbach
Kontakt: info@altes-torhaus-offenbach.de
Haltestelle: Offenbach Ostbahnhof

Das Künstlerduo setzt sich seit 25 Jahren mit konkreten Orten, mit Städten und Industriegebäuden auseinander und entwickelt dafür Klanginstallationen. Die Prägung eines Ortes, seine Umgebungsgeräusche, seine Geschichte und städtische Einbindung bilden dabei den Ausgangspunkt. Ihre aktuelle künstlerische Arbeit setzt sich mit dem ehemaligen Torhaus der Firma Mato in Offenbach auseinander. Ausgehend von einer intensiven Recherche entwickeln sie eigens für den Ort eine mehrkanalige Klang- und Videoinstallation, die über mehrere Stockwerke und im Eingangsbereich eine besondere Perspektive auf das Gebäude, seine Geschichte und das umliegende neu gebaute Stadtquartier eröffnet.

Künstler

Roswitha von den Driesch studierte Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und machte ihren Meisterschülerabschluss bei Prof. Inge Mahn. Darüber hinaus nahm sie an Seminaren bei Prof. Robin Minard im Elektroakustischen Studio der Technischen Universität Berlin teil. Jens-Uwe Dyffort studierte Komposition bei Prof. Franz Martin Olbrisch und machte seinen Meisterschülerabschluss bei Prof. Walter Zimmermann an der Universität der Künste Berlin. Seit 2003 arbeitet er bei der Musikfirma Native Instruments. Beide leben in Berlin und arbeiten seit 1996 zusammen. Ausgehend von der Prägung eines Ortes, den Umgebungsgeräuschen, seiner spezifischen Akustik, Geschichte und städtischen Einbindung entwickeln sie ein klangliches System, das sie visuell und hörbar in einen Ort einfügen. Dyffort und Driesch sprechen bei ihren Klanginstallationen auch von „Akustischen Markierungen“ die einen spezifischen Ort klanglich erweitern, Verborgenes freilegen, um eine Empfindung für den umgebenden Raum zu verstärken.

www.dyffort-driesch.de

Orte: Ehemaliges Torhaus der Firma MATO

Das Torhaus der ehemaligen MATO-Fabrik an der Bieberer Straße ist eine Preziose Offenbacher Industriearchitektur, insbesondere durch den hervorragenden Erhaltungszustand. Die repräsentative Anlage, die der Architekt Philipp Hufnagel für die Schmetzer AG entworfen hatte, wurde 1923 von der Bieberer Straße aus begonnen. Während andere herausragende Merkmale wie ein neunstöckiges Hochhaus nicht ausgeführt wurden, ist das Torhaus noch heute ein insbesondere von der gegenüberliegenden Daimlerstraße aus stadtbildprägendes Gebäude. Sämtliche weiteren Gebäude, die 1930 von der Firma Curt Matthaei/MATO erworben und 1990 von dieser aufgegeben wurden, bestehen heute nicht mehr. Das im Art déco mit leicht expressionistischen Zügen entworfene Gebäude enthält unter anderem das in der Innengestaltung weitestgehend original erhaltene Musterzimmer. Das Gebäude wird von den neuen Eigentümern nach und nach denkmalkonform restauriert und soll ein Ort der Begegnung mit Kunst, Kultur und Kulinarik werden.

www.offenbach.de/kultur

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