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In der Rhein-Main-Region tagen heute regelmäßig hunderte, gewählte,
politische Gremien auf kommunaler Ebene. Ihre Mitglieder arbeiten zum größten
Teil ehrenamtlich. Lokale Politik findet dabei längst nicht nur im Rathaus statt.
Das Ausstellungsprojekt der KulturRegion FrankfurtRheinMain stellt beispielhaft
20 Orte vor, an denen Menschen beraten, diskutieren und demokratische
Entscheidungen vorbereiten und treffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie
diese Räume gestaltet sind und welche Bedeutung sie für politische Teilhabe
haben. Gezeigt werden Fotografien von Sitzungsorten, die der Öffentlichkeit
häufig wenig bekannt sind. Ergänzend vermitteln die Website der KulturRegion
sowie ein kostenfreies Begleitmagazin Hintergrundinformationen zur Geschichte
der Demokratie, zu den ausgewählten Orten und den dort tagenden Gremien,
vom Frauenbeirat über Kinder- und Jugendparlamente und Ortsbeiräte bis hin
zum Kreistag.

Demokratie braucht Menschen, die sich engagieren, und Orte, an denen Beteiligung möglich wird. Genau hier setzt die Ausstellung „Räume der Demokratie“ der KulturRegion FrankfurtRheinMain an. Sie macht sichtbar, wie wichtig Räume und ihre Gestaltung für unsere Demokratie sind. Sie zeigt politische Beteiligungsmöglichkeiten auf der kommunalen Ebene auf und würdigt das Engagement der vielen ehrenamtlich Aktiven vor Ort.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Fotografien von Sitzungsorten verschiedener Gremien, die regelmäßig in unserer Region zusammenkommen. Neben bekannten Räumen wie dem Plenarsaal im Römer gewährt die Ausstellung auch Einblicke in Räume, die wir weniger mit politischen Gremien verbinden. Zum Beispiel eine Mehrzweckhalle oder ein Kurhaus. Auf den Fotografien bleiben die Sitze in den Tagungsräumen leer. Sie stehen für die gewählten Mitglieder unserer Gremien. Die Funktionsträger*innen wechseln, aber die Orte bleiben bestehen. Eine Konstante sind auch die demokratischen Spielregeln, die den Ablauf der Sitzungen gestalten. Die Form garantiert das Funktionieren unserer Demokratie. Wir haben es alle in der Hand, diese Räume der Demokratie zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie auch weiterhin demokratisch genutzt werden.

Die KulturRegion mit ihrem interkommunalen und bundesländerübergreifenden Netzwerk verbindet kleinere wie größere Orte in unserer Region. Mit „Räume der Demokratie“ rückt sie die Gestaltung kommunalpolitischer Kultur zwischen Bingen und Michelstadt, Butzbach und Hanau in den Fokus. Mit seiner regionalen historischen Perspektive steht das Projekt beispielhaft für die deutsche Demokratiegeschichte. Darüber hinaus leistet es einen wichtigen Beitrag zur World Design Capital 2026 mit ihrem Motto „Design for Democracy“.

Für die Umsetzung von Ausstellung, Begleitpublikation und Programm danken wir dem Büro für Erinnerungskultur, dem Team der KulturRegion und allen Partnern vor Ort, die inhaltlich und organisatorisch mitwirken. Für die finanzielle Unterstützung geht unser Dank an die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und an die WDC 2026. Wir wünschen dem Projekt viel Aufmerksamkeit und Ihnen beim Lesen und Anschauen interessante Einsichten!

 
Thomas Will, Aufsichtsratsvorsitzender der KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH und Landrat des Kreises Groß-Gerau
Dr. Ina Hartwig, Aufsichtsratsvorsitzende der KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH und Kultur- und Wissenschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt am Main

Magdalena Zeller, Historikerin, Projektleiterin „Geist der Freiheit“ in der KulturRegion FrankfurtRheinMain

In den Städten des Spät- und Hochmittelalters herrschten wenige ausgewählte Männer, geregelt durch oligarchische Ratsverfassungen. Die Räte kamen auf dem Marktplatz, unter der Gerichtslaube oder im Rathaus zusammen. In der Demokratie herrscht das ganze Volk unter Freien und Gleichen. Das bringt mit sich, dass sich viele Menschen ständig darüber einig werden müssen, wie sie zusammenleben möchten und welche gemeinsamen Werte gelten. Dafür braucht die Demokratie nicht nur Räume, sondern auch Räume, die entsprechend gestaltet sind, so dass alle gleichberechtigt die Möglichkeit haben, zu partizipieren.

Wie der Politologe Jan-Werner Müller (Straße, Platz, Palast, 2026) schon aus der griechischen Antike, der Urform der Demokratie, herleitet, braucht jede funktionierende Demokratie nicht nur formale Orte wie Parlamente oder Gerichte, an denen Entscheidungen, die für alle gelten, getroffen werden. Demokratien brauchen immer auch informelle Räume, in denen sich Menschen begegnen, Meinungen austauschen und artikulieren können. Auch in der vordemokratischen Zeit oder in Diktaturen spielen informelle Räume eine wichtige Rolle für die Meinungsbildung. Frauen und Männer trafen sich im Vormärz in Salons oder Vereinen, um sich gemeinsam über Ideen und Strategien für mehr Mitsprache und Bürgerrechte zu verständigen.

Demokratie heute findet nicht nur im Sitzungssaal statt. Gerade auch, weil sie mehr ist als eine Herrschaftsform. Demokratie ist auch eine Lebensform und braucht Orte, an denen Menschen in ihrem Alltag Freiheit und Gleichheit praktizieren und erfahren können. Mit der Forderung nach „mehr Demokratie wagen“ unter der Kanzlerschaft von Willy Brandt erweiterten sich seit den 1970er Jahren politische Beteiligungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene. Öffentliche Sitzungen, Bürgerfragestunden, Ausschüsse und Beiräte gewannen an Bedeutung. Auch der demokratische Raum weitete sich aus. Regelmäßige, formalisierte Sitzungen von gewählten Gremien finden heute an unterschiedlichen Orten statt, etwa in Bürgerhäusern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen. Neben spezifischen Funktionsräumen wie dem fest eingerichteten Sitzungssaal der Stadtverordneten spielt die lokale Demokratie genauso in Alltagsräumen, die auch zu anderen Zwecken genutzt werden. Wo vormittags Schulsport stattfindet, tagt nachmittags der Ortsbeirat.

Beschleunigt durch die Erfahrungen der Corona-Pandemie treten zu den physischen Räumen der Demokratie immer mehr die digitalen Räume hinzu: Online- und Hybrid-Sitzungen und digitale Foren der Bürgerbeteiligung etablieren sich. Für virtuelle wie physische Orte gilt: Letztlich bleibt die Gestaltung und Nutzung dieser Räume − auf Grundlage demokratischer Prinzipien − ausschlaggebend. Kein Raum ist per se demokratisch, aber wir brauchen Räume, um Demokratie zu ermöglichen.

Besichtigung der Ausstellung:

Teile der Ausstellung sind dezentral an den teilnehmenden Orten in der Region zu sehen. Vom 1. bis 22. Oktober 2026 in Maintal, Mainhausen, Babenhausen, Roßdorf, Offenbach am Main, Bischofsheim und Butzbach und vom 10. November bis 3. Dezember 2026 Aschaffenburg, Bingen am Rhein, Geisenheim, Hanau, Kronberg im Taunus, Niederdorfelden, Friedberg, Schmitten und Michelstadt.

Gesamtausstellung:

27. Oktober bis 6. November 2026 in den Römerhallen in Frankfurt (Vernissage am 26. Oktober), täglich 11-18 Uhr

Eine öffentliche Führung durch die Ausstellung in den Römerhallen findet am 1. November um 11 Uhr mit Dr. Holger Köhn (Büro für Erinnerungskultur) und Fotografin Sonja Schwarz statt. Anmeldung unter gdf@krfrm.de.

12. bis 23. Dezember 2026 im Landratsamt Groß-Gerau

Begleitpublikation:

Zum Projekt liegt das Magazin „Räume der Demokratie" mit allen vorgestellten Orten und Hintergrundinformationen vor. Es ist an allen Ausstellungsorten kostenfrei erhältlich. Solange der Vorrat reicht.


Das Projekt findet in Kooperation mit 19 Kommunen im Rahmen von „Demokratie bauen!“ und WDC 2026 statt. Es wird gefördert von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und WDC 2026.

Vorgestellte Orte