Michelstadt: Ratssaal im Historischen Rathaus

Das Historische Rathaus in Michelstadt, zwischen Marktplatz und Kirchplatz im Jahr 1484 errichtet, ist eines der bekanntesten Rathäuser in der Rhein-Main-Region sowie ein Wahrzeichen der Stadt mit jahrhundertealter Geschichte. Das freistehende Gebäude steht sinnbildlich für eine selbstbewusste, emanzipierte Bürgerschaft im Spätmittelalter und gilt zugleich als Meisterwerk des Fachwerkbaus. Bis 1920 war in dem Gebäude die Stadtverwaltung untergebracht.

Die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung fanden bis 1973 im Ratssaal statt, der sich im Obergeschoss direkt über der offenen Erdgeschosshalle befindet. Traditionell wurden die Sitzungen durch das Leuten der Rathausglocke eröffnet. Das dafür notwendige Seil prägt bis heute den Raum mit den beiden Erkern und dem stützenden Eichenpfosten in seiner Mitte. Viele weitere Details atmen den Geist der Geschichte, wie etwa die lederbezogenen Stühle mit dem Stadtwappen oder die ausgestellte Bürgermeisterkette.

Heute tagt im Ratssaal ab und an der Kultur, Tourismus- und Marktausschuss der Stadt Michelstadt, dessen Sitzungen an unterschiedlichen Orten stattfinden. Der Raum, der schon als Lazarett, Schulraum und Wahlsaal diente, wird heute häufig als Trausaal sowie für andere festliche Anlässe genutzt. Die Stadtverordnetenversammlung tagt im Stadthaus am Rande der Kernstadt, wo auch die Stadtverwaltung untergebracht ist. Nach den Eingemeindungen im Rahmen der Gebietsreform bot der Ratssaal dem gewachsenen kommunalen Gremium nicht mehr ausreichend Raum.