Neustädter Markt Hanau

So fröhlich heute das Treiben auf dem Hanauer Marktplatz erscheint, so bewegend ist seine Geschichte. Der Markt war in den revolutionären Unruhen von 1848 ein wichtiger Schauplatz: Hier versammelten sich Hanauer Bürger während der Revolution von 1848, stellten Forderungen nach politischer Freiheit auf, gründeten eine „Volkskommission“ und verabschiedeten das Hanauer Ultimatum vom 9. März 1848, mit dem sie den Landesherrn in Kassel zum Nachgeben zwangen.

Wenn bereits früh morgens auf dem Marktplatz der Altstadt reges Treiben herrscht, dann ist es wieder soweit: Hanaus Wochenmarkt, direkt zu Füßen des Gebrüder-Grimm-Denkmals, öffnet für die zahlreichen Besucher. Jeden Mittwoch und Samstag locken regionales Obst und Gemüse, frischer Käse und herzhafte Wurst.

An anderen Tagen ist der Blick frei auf ein zentrales Stück Architektur der Stadt. In nördlicher Richtung, direkt hinter dem Gebrüder-Grimm-Denkmal, steht das Neustädter Rathaus. Es wurde zwischen 1725 und 1733 errichtet. War es zu Beginn noch in die barocke Bauzeile des Marktplatzes eingefügt, so steht es seit Kriegszerstörungen und späterem Wiederaufbau in den 1960er Jahren frei. Neben dem Rathaus hat lediglich ein weiteres Bauwerk aus der Gründungszeit der Neustadt die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg überstanden: die Hofapotheke.Auf der Ostseite fällt der Blick auf den mit grünem Glas verkleideten Kaufhof in typisch moderner Warenhausarchitektur, welcher im Jahre 1957 erbaut wurde.

Der Markt war in den revolutionären Unruhen von 1848 ein wichtiger Schauplatz. Hier versammelten sich Hanauer Bürger während der Revolution von 1848, stellten Forderungen nach politischer Freiheit auf, gründeten eine „Volkskommission“ und verabschiedeten das Hanauer Ultimatum vom 9. März 1848, mit dem sie den Landesherrn in Kassel zum Nachgeben zwangen. Bei ihrer Rückkehr wurden die Bürger auf dem Neustädter Markt begeistert empfangen. Vom Balkon des Rathauses verlas August Rühl die Proklamation des Kurfürsten, welcher den Forderungen nach Freiheit nachgegeben hatte. Presse- und Religionsfreit, Vereinigungs- und Versammlungsrecht war auf ihren Protest hin wiederhergestellt worden. Welch ein erinnerungswürdiger Tag!

Zum 170-jährigen Jubiläum des „Hanauer Ultimatums“ hat am 10.03.2018 die Theatergruppe der Büchner-Bühne auf dem Neustädter Markt berühmte Reden und Texte zum Thema Freiheit vorgetragen – sie setzte damit ihre Tour „Marktrufer“ mit Texten zur Meinungsfreiheit über die Wochenmärkte der Kulturregion Rhein Main fort. Einen sichtbaren Gedenkort hat das Hanauer Ultimatum aber nicht. Am Rathaus befinden sich Tafeln, die an Krieg und Zerstörung erinnern, nicht aber an diesen Erfolg im Kampf für die Freiheit.

Saskia Rupp

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