Lebendige Vereinskultur in Erlensee

© KulturRegion, Alexander Paul Englert


Die 41. Station unserer Reise zu besonderen Orten und Persönlichkeiten in der KulturRegion führt uns nach Erlensee in den Stadtteil Rückingen. Seit 1970 bilden Rückingen und Langendiebach gemeinsam die Stadt Erlensee, deren Identität bis heute von einer lebendigen Geschichte und einem starken Vereinsleben geprägt ist. In der historischen Wasserburg, die seit den 1980er Jahren das Heimatmuseum beherbergt und Zentrum des Geschichtsvereins ist, haben wir uns mit Bürgermeister Stefan Erb, der Vereinsvorsitzenden Waltraud Borngräber und Christian Scholz, dem Stadtverordnetenvorsteher sowie Vorsitzenden des Mittelaltervereins „Rückinger Volk (und Herren) e.V.“, getroffen. Gemeinsam sprechen wir über die bewegte Geschichte der Burg und darüber, was eine lebendige Vereinsgemeinschaft ausmacht.

Das Heimatmuseum ist am 14. September zum Tag des offenen Denkmals geöffnet.

© Fotos: KulturRegion, Alexander Paul Englert; Redaktion: Kristina Maurer; veröffentlicht im August 2025

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Waltraud Borngräber und Christian Scholz in der „Küche“ im Heimatmuseum

Die Wasserburg ist das Herzstück von Rückingen und ein echtes Stück Geschichte. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1248, doch Ausgrabungen zeigen, dass ihre Wurzeln bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen. 1405 zerstörte König Rupprecht von der Pfalz die Burg, weil sich hier Raubritter verschanzt hatten. Nur ein kleiner Teil wurde wiederaufgebaut. Später diente die Burg der Landwirtschaft, bis die ehemaligen Besitzer sie dem Dorf Rückingen überschrieben. Bedingung war, ein Museum einzurichten. Seit 1983 ist hier unser Heimatmuseum untergebracht. Das Museum besteht aus verschiedenen thematisch gestalteten Räumen zu Handwerk, wie Bäckerei und Schusterei, zu Schule, Technik und Medien, zu Wohnkultur wie Küche, Wohn- und Kinderzimmer, sowie zur Kelten- und Römerzeit. Dieser Ort lebt davon, dass so vieles hier direkt aus der Stadt kommt. Das macht das Museum besonders lebendig.

Die Burg ist aber nicht nur Museum, sondern auch Veranstaltungsort. Schottische Abende mit Whiskey-Tasting, französische Chanson-Abende oder größere Konzerte mit bis zu 500 Gästen finden regelmäßig im besonderen Ambiente der Wasserburg statt.
Darüber hinaus ist die Römerzeit prägend für die Geschichte Erlensees. Mit dem Limes als UNESCO-Weltkulturerbe, einem Römerbad und Kastellen finden wir hier viele historische Spuren. Das greifen wir auch in der Stadtgestaltung auf, etwa mit einem Römerspielplatz oder dem Limes-Park.

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Christian Scholz in mittelalterlicher Gewandung im Garten der Wasserburg

Das Heimatmuseum öffnet jeden zweiten Sonntag im Monat (außer im August). Die Ausstellungen wechseln alle ein bis zwei Jahre, sodass sich ein Wiederkommen lohnt.
Ein besonderes Highlight ist der Tag des offenen Denkmals am 14. September. In diesem Jahr findet zeitgleich auch das Wasserbüffelfest der Stadt Erlensee in der Wasserburg statt. Es ist also nicht nur die Burg zum Tag des offenen Denkmals geöffnet, sondern es erwartet die Gäste auch Festbetrieb quasi in direkter Nachbarschaft mit Kaffee und Kuchen. Für Kinder gibt es Planwagenfahrten zu den Wasserbüffeln.

Das ist für mich ganz klar die Gemeinschaft. Unser Geschichtsverein zählt 225 Mitglieder, von denen sich viele aktiv einbringen. Einmal im Jahr feiern wir ein Grillfest im Garten der Wasserburg. Dieses Jahr waren rund 90 Mitglieder dabei. Jeder bringt etwas mit und wir verbringen einen richtig schönen Tag zusammen.

Die Vereinsarbeit geht jedoch weit über Geselligkeit hinaus. Als Ehrenamtliche sichten wir Dokumente und geben Publikationen heraus, darunter elf Hefte zu speziellen Themen der Stadtgeschichte und die Chronik „50 Jahre Erlensee“ von 1970 bis 2020. Besonders stolz bin ich auf eines unserer ältesten Mitglieder Lilli Held. Sie ist 100 Jahre alt und hat sich mit 86 noch einen Laptop gekauft, um unsere Stadtgeschichte festzuhalten.

© KulturRegion, Alexander Paul Englert
Bürgermeister Stefan Erb im Schulzimmer des Heimatmuseums

Wir sind einer von knapp 90 Vereinen in Erlensee und haben derzeit rund zehn aktive Mitglieder. Wir besuchen gemeinsam Mittelaltermärkte in der Region, z. B. das Mittelalterfest in Münzenberg. Da gibt es kein Handy, kein Fernsehen. In meist selbstgenähter Gewandung schlafen wir in Zelten, kochen über offenem Feuer und sind eine große Gemeinschaft. Wir zeigen altes Handwerk, wie man Schuhe fertigt, Löffel schnitzt oder Kerzen zieht.

Erlensee lebt von einer großen Vereinsvielfalt. Als Stadtverordnetenvorsteher ist mir die Vereinsförderung besonders wichtig und ich setze mich auch dafür ein, dass unsere Stadt die Vereine weiterhin unterstützt.

Die KulturRegion FrankfurtRheinMain stärkt mit ihren vielfältigen Projekten das kulturelle Profil unserer gesamten Region und macht gemeinsame Geschichte, Kunst und Identität erlebbar. Für Städte wie Erlensee bedeutet die Mitgliedschaft die Chance auf Austausch, Vernetzung und sichtbare Teilhabe an einem starken regionalen Kulturraum.