Schütte aus der "Frankfurter Küche" im "Haus der Weimarer Republik, Weimar, Bild: KulturRegion/Kay-Herman HörsterFunktional und modern sollte er sein, der erste serienmäßig gefertigte und voll ausgestattete Prototyp der Einbauküche aus Frankfurt. Auf knapp sieben Quadratmeter passte die flurähnlichen Standardküche, die die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) im Jahr 1926 entwarf. Entstanden im Rahmen des sozialen Wohnbauprogramms „Das Neue Frankfurt", wurde der Stauraum erstmals bereits beim Bau der Wohnungen in die Wände integriert. Mehr als 10.000 dieser Einbauküchen entstanden zwischen 1926 und 1930 in Serienproduktion.
Beauftragt vom Stadtbaurat Ernst May (1886-1970) sollte das Design eine Optimierung der Arbeitsvorgänge widerspiegeln. Möglichst kurze Arbeitswege, alles in greifbarer Nähe – ganz nach dem Vorbild eines industriellen Arbeitsplatzes. Im gleichen Sinne sollte auch die massenhafte, serielle Produktion standardisierter Module und Einzelelemente, wie beschrifteter Aufbewahrungsschütten aus Aluminium, Kosten minimieren.
Zur bestmöglichen Nutzung des wenigen Platztes wurden außerdem die Schränke bis unter die Decke gebaut. Arbeitsflächen konnten ausgezogen und das Bügelbrett von der Wand heruntergeklappt werden. Kochtöpfe und ihre Deckel brachte man in einem durchlüfteten Schrank unter, damit sie gut trocknen konnten.
Neben der Effizienz spielte auch die Hygiene eine wichtige Rolle: Die Holzunterschränke wurden auf verkleideten Betonsockeln verbaut, damit sich unter ihnen kein Schmutz sammeln konnte und der Boden leicht zu reinigen war. Das Nadelholz der Möbel sollte Feuchtigkeit aufnehmen, und der klassische Blauton der Küchenoberflächen galt als fliegenabweisend.
Ganz im Sinner der Modernisierung wurde auch an der Elektrifizierung der Küche gearbeitet. Neben Warmwasser aus dem Boiler fanden hier auch die ersten Elektroherde ihren Platz, und kleinere Elektrogeräte wie Wasserkocher konnten angeschlossen werden.
Viele der entworfenen Ideen sind uns heute vertraut, etwa die zwei Spülbecken oder die Abtropffläche mit Längsrillen, geneigt zum Becken. Trotz aller damaligen Fortschrittlichkeit entspricht die Küche heute jedoch nur noch begrenzt den Ansprüchen ihrer heutigen Bewohner*innen. Es gibt weder Platz für eine Spülmaschine, noch für einen Kühlschrank.
Frankfurter Küche in der AUsstellung des Germanischen Nationalmuseums, © wikimedia commons/Daderot CC0 1.0
Zum Wahrzeichen der Küche wurde ausgerechnet ein Element aus Hanau: die markante Aluminumschütte war bereits 1925 vom Ehepaar Anni und Otto Harrer erfunden. Die kluge Kombination aus Schublade und Gießkanne wurde durch die Firma Harrer in Hanau serienmäßig hergestellt.
Heute sind nur noch wenige der Originalküchen erhalten, die als Repräsentant der Frankfurter Moderne weltweit gelten. In vielen bedeutenden nationalen und internationalen Museen bis hin zum Museum of Modern Art in New York, dem Victoria & Albert Museum London oder dem Pariser Centre Pompidou werden sie ausgestellt und vermitteln ein Stück revolutionäre Designgeschichte.
Ein Original der Frankfurter Küche kann im Historischen Museum Frankfurt und im Musterhaus der Ernst-May-Gesellschaft besichtigt werden. Die Ernst-May-Gesellschaft restauriert außerdem eine umfangreiche Sammlung der Möbel in einem großen Lager an der Hanauer Landstraße.
Redaktion: Eva Stallbaum
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