EIN BROT BITTE!

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In der westlichen Altstadt, unweit des Kinderlokals, befindet sich eine riesige Fass-Halle. Das alte, sehr heruntergekommene Gebäude ist das letzte sichtbare Zeugnis der ehemaligen Friedberger Bier-Brauerei Windecker, die Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet wurde und 1933 in der Binding AG aufging. Die 1870 errichtete Fass-Halle wird heute als Lager und Garage genutzt. Dabei ist sie nur der sichtbare Endpunkt eines unterirdischen, teilweise mehrere Geschosse umfassenden Labyrinths von Kellern, die bis zu 18 m in die Tiefe reichen und seinerzeit der Lagerung des Bieres als auch von Eis dienten.

Inspiriert von dieser Fass-Halle und der ehemaligen Bierbrauerei widmet sich das geplante Workshop-Projekt einer Kulturtechnik, die es seit menschlichen Urzeiten gibt: der Fermentierung. Landwirtschaftlich gewonnene und hergestellte Produkte werden hierbei durch chemische Prozesse in sowohl haltbare als auch gehaltvolle Lebensmittel umgewandelt. Ob Joghurt oder Brot, Brause oder Kaffee, Oliven oder Bier – erst die Fermentierung macht sie zu genussreichen Lebensmitteln.

Früher war die Fermentierung eine wichtige Alltagspraxis, um Lebensmittel haltbar zu machen. Heute geraten durch eine alles überformende Konsum-Praxis (Stichwort: Supermarkt) die Kenntnisse in Vergessenheit, das Handwerk wird kaum mehr überliefert. Der Workshop widmet sich dieser Kulturtechnik und versucht, sie den Kindern über handwerkliche Erfahrung, das Kennenlernen von Lebensmittel-Produzenten und kulinarische Entdeckungsreisen zu vermitteln.

Die 3 Workshoptage fokussieren sich dabei auf einen Schwerpunkt: Wir backen unser eigenes Brot mit Sauerteig. Der Tatsache Rechnung tragend, dass die Dinge Zeit brauchen (Stichwort: Sauerteig-Kultur), wird der Prozess des Brotbackens über 3 Tage begleitet: Am 1. Tag wird die Hefe-Kultur angesetzt und es werden Dinge vorbereitet, die es für das spätere Backen braucht (Getreide mahlen etc.). Am 2. Tag wird mit der angesetzten Kultur und den vorbereiteten Zutaten der eigentliche Teig angesetzt und es wird ein Ausflug gemacht in eine handwerklich organisierte Bäckerei (Maack in Butzbach). Am 3. Tag wird das Brot gebacken und ein abschließendes Essen veranstaltet, zu dem Freunde und Eltern eingeladen sind: mit der Bitte, zum Brot passende Dinge (wie Aufstriche, Butter etc.) mitzubringen.

Die 3 Tage werden begleitet von einem Experten, der seine Expertise mitbringt und vermittelt.

Neben dem Handwerklichen sollen auch künstlerisch-kreative Prozesse angeregt und ausprobiert werden: Brot & Getreide sollen hier als Inspiration genommen werden für mögliche Darstellungs- und Ausdrucksformen, die mit den Kindern zusammen entwickelt werden (Brot-Massage, Teig-Performance, Fragebögen zu Brot-Ess-Verhalten etc.)


Zum Hintergrund:

Essen bestimmt das Leben in vielerlei Hinsicht, viele Kinder sind jedoch mit der Herstellung und den Verarbeitungsprozessen von Lebensmitteln nicht (mehr) vertraut. Das Projekt soll das Bewusstsein hinsichtlich dreier Aspekte schärfen: dem handwerklichen, dem nachhaltigen und dem sozialen. Bezüglich des handwerklichen Aspektes gilt es, bei den Kindern die Wahrnehmung für die manchmal einfachen, manchmal vielschichtigen und meisten zeitintensiven Prozesse bei der Herstellung von Essen zu fördern. Außerdem sollen dafür notwendige Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln werden. Ein Fokus liegt auf dem Aspekt der Nachhaltigkeit, da die Fermentierung gerade darauf abzielt, Lebensmittel haltbar zu machen. Daneben brauchen die meisten Lebensmittel richtige Konservierungsformen (Stichwort: Lagerung). Ein Bewusstsein hinsichtlich der Wertschätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen zu schärfen, ist wesentlicher Aspekt des Workshops. Da junge Menschen in der Regel nicht mehr im Kreislauf der Natur aufwachsen, was die Nahrung betrifft, sondern die permanente Verfügbarkeit von Lebensmitteln suggeriert wird, wird ein Perspektivwechsel – vom Konsumenten zum Produzenten – angeregt. Dies wird vor allem durch die handwerkliche Erfahrung und den Kontakt zu professionellen Nahrungsmittel-Produzenten ermöglicht. Dem sozialen Aspekt – Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme – soll ebenfalls ein großer Stellenwert beigemessen werden. Das geht schon beim Zubereiten los und reicht bis zum gemeinsamen Essen und allen Kulturtechniken, die daran gekoppelt sind. Dieser Aspekt kommt sowohl beim täglichen gemeinsamen Essen, dem schrittweisen Zubereiten als auch beim gemeinsamen Abschluss-Essen zum Tragen.


Das Angebot ist Teil des Projekts Route der Industriekultur Junior der gemeinnützigen KulturRegion FrankfurtRheinMain. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur im Bereich Kulturelle Bildung.

05.10.2026 — 17.10.2026 in Friedberg

Veranstaltungstyp: Workshop

Veranstaltungsformat: Angebot nur für Kinder

Altersgruppe: 7+

Kostenlos

Anmeldung ist erforderlich. Anmeldung bitte via Email an: mail@stadt-theater.de sowie in Cc an: rdik-junior@krfrm.de

Teilnehmerbegrenzung: 15 Teilnehmer

Kinderlokal - Stadttheater Friedberg e. V.

Neuhausgasse 3

61169 Friedberg

Haltestelle: Friedberg (Hessen) Burg

Kinderlokal - Stadttheater Friedberg e. V.
Ansprechpartner: Klaus Gehre
Telefon: 0179 6643823
E-Mail: mail@stadt-theater.de
Website: https://www.stadt-theater.de/