Anpacken! Ehrenamt in der Industriekultur: Leidenschaft für die gute Form

Instandsetzung und Aufbau der Blitzanlage F 1000 von 1966, Förderkreis BraunSammlung e.V. Kronberg

Wenn der „Schneewittchensarg“ SK 4 oder der Weltempfänger T 1000 ins Rampenlicht rücken, schlagen die Herzen vieler Designenthusiast*innen höher. Erst recht aber die der ehrenatmlich Engagierten des Förderkreis BraunSammlung e.V. in Kronberg. Mit Leidenschaft für die Stil-Ikonen, die ein modernes Lebensgefühl geprägt haben, sorgen sie für den Erhalt dieser Meilensteine des Industriedesigns 'made in Kronberg'. Seit 2005 widmet sich der Förderkreis mit Hingabe der Pflege dieses Welterbes. Ob bei der Archivarbeit, fundierten Führungen oder der Organisation von Events – die Mitglieder, darunter zahlreiche ehemalige Braun-Mitarbeiter*innen, verwahren und pflegen über 300 Exponate, die sie auf über 450 Quadratmeter Ausstellungsfläche zum Sprechen bringen.

In unserem Porträt werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und lassen die Engagierten erzählen, wie sie die Designgeschichte begreifbar machen. Denn gutes Design braucht nicht nur eine klare Form, sondern auch Menschen, die es mit Herzblut in die Zukunft tragen.

Unsere fünf Fragen zum Ehrenamt beantwortet Thomas Guttandin, Geschäftsführer des Förderkreises.

Wofür setzt sich Ihr Verein ein?

Die BraunSammlung setzt sich aus etwa 10.000 Geräten, Dokumentationen, Katalogen und Fotografien zusammen. Der Förderkreis pflegt und erschließt diesen Bestand, um ihn der Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar zu machen. Außerdem unterhält das Unternehmen Ausstellungsräume in Kronberg. Durch diese Sammlung organisieren wir Führungen und geben Einblick in die Historie des über 100 Jahre alten Unternehmens. Jedes Jahr organisieren wir mehrere Vorträge rund um das Thema Design. Außerdem unterstützen wir die von Sammlern organisierte Braun+Design Sammlerbörse. Zu dieser Veranstaltung kommen Besucher aus ganz Deutschland, umliegenden europäischen Ländern, den USA und Asien.

Was treibt Sie an?

Die Brüder Braun haben 1955 ein einzigartiges Experiment gestartet, das bis heute wirkt: funktional gestaltete Produkte im industriellen Maßstab herzustellen und zu vertreiben. Viele unsere Mitglieder sind ehemalige Mitarbeitende, die an dieser Aufgabe mitgearbeitet haben und sich mit den Zielen des Unternehmens und seinen Produkten identifizieren. Sie sind Teil dieses gelungenen Experiments und tragen ihr Wissen gerne weiter. Die stetige Nachfrage nach Geräten, Unterlagen und Fotografien für Ausstellungen und Publikationen zeigt das Interesse an den Produkten und der Firmenhistorie weltweit. Der unmittelbare Sinn der Arbeit rund um Sammlung und Archiv wird durch diese Nachfrage immer wieder bestätigt und motiviert zur Mitarbeit.

Wie kann ich mich bei Ihnen konkret engagieren?

Im Archiv müssen Unterlagen aus verschiedenen Abteilungen und Nachlässen gesichtet und eigepflegt werden. Dubletten sortieren wir aus und stellen sie Sammlern zu Verfügung. Spenden von Geräten werden in unsere Datenbank aufgenommen und im Archiv deponiert. Technisch Versierte reparieren historische Geräte, so dass wir manches Röhrenradio zu Gehör bringen können. In der Sammlung geben Mitglieder Führungen für Besuchergruppen. Auf der Braun+Design Sammlerbörse engagieren sich viele Mitglieder beim Auf- und Abbau und Durchführung der Veranstaltung. In der BraunSammlung nutzen wir eine Sonderfläche für Ausstellungen und Aktionen. So setzten Mitglieder eine Profi-Studioblitzanlage von Braun in Stand, damit sich Besucher mit ihrem Lieblingsgerät fotografieren lassen konnten. Eine weitere Sonderausstellung ließ Besucher in die Röhre schauen: Historische Fernsehgeräte von 1953 bis 1986 wurden ehrenamtlich repariert und mit historischen Filmclips bespielt. Die Arbeiten sind so vielfältig, dass für jeden eine passende Aufgabe vorhanden ist.

Gibt es gerade ein besonderes Projekt?

Für Publikationen werden häufig immer die gleichen Bilder nachgefragt. Sie sind in Büchern und Zeitschriften publiziert und bekannt geworden. Unser Archiv hat aber mehr zur Verfügung. Es beherbergt z.B. eine Sammlung von Foto-Negativen mit über 50.000 Nummern. Eine Nummer kann sich auf ein Großformat mit einer Fotografie beziehen, oder auf einen Rollfilm mit 12, 24 oder 36 Bildern. Wir schätzen den Bestand auf etwa 300.000 Bilder. Sie zeigen Produkte, Designentwürfe, Mitarbeiter im Unternehmen, Firmenevents, Arbeitsprozesse, Veranstaltungen und vieles mehr. Von diesen Negativen wurden Kontaktabzüge erstellt und in über 550 Fotoalben eingeklebt. Zu dieser Sammlung von Fotos aus den Jahren 1955 bis ca. 1995 existiert kein Katalog. Vor über fünf Jahren haben wir mit Mitgliedern ein Projekt zur Verschlagwortung dieses Bilderbestandes gestartet. Ziel ist die Erstellung eines digitalen Katalogs zur Bildersuche, um den Bestand besser nutzen zu können. Das Projekt ist auf der Zielgeraden. Aktuell werden die Negative digitalisiert, um sie dann in einer Software mit den Schlagworten zu verknüpfen. Hier arbeiten ehemalige Mitarbeiter und Designinteressierte seit Jahren zusammen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Vereins und die Braun Sammlung?

Weiterhin so großes und breites öffentliches Interesse an der Sammlung , dem Archiv und funktionaler Gestaltung. Und weiterhin so engagierte Förderkreismitglieder, die ihr Wissen und Know-how in die Sammlung und das Archiv einbringen und Design-Geschichte lebendig gestalten.

Mehr über den Verein und seine Engagierten auf der Website des Förderkreis BraunSamlung e.V.

Redaktion: Kay-Hermann Hörster u. Eva Stallbaum