Das Geisenheimer Rathaus von 1855/57 zeichnet sich durch seine palastartige Architektur aus. Auch der Sitzungssaal ist prächtig gestaltet. Nach einem Brand im Dezember 2022 war der Raum zwischenzeitlich nicht mehr nutzbar gewesen. Umfangreiche Sanierungsarbeiten waren nötig. In deren Zuge wurden auch energetische Maßnahmen umgesetzt. Als besonders aufwändig erwies sich die Aufarbeitung der Decke, wofür sogar einzelne Rosetten neu gegossen werden mussten. Bei der Restaurierung der Tür kam zur Überraschung aller der überstrichene Schriftzug „Sitzungssaal“ zum Vorschein.
Seit Juni 2024 steht der „neue“ Sitzungssaal wieder politischen Gremien zur Verfügung. In der Regel wöchentlich tagt hier der Magistrat der Hochschulstadt Geisenheim, der elf Personen umfasst (inklusive Bürgermeister). Außerdem kommen hier die drei städtischen Ausschüsse zusammen: der Haupt- und Finanzausschuss, der Ausschuss für Jugend, Sport und Soziales sowie der Ausschuss für Kommunalentwicklung, Bauen und Umwelt. Auch der Ortsbeirat Talstadt (als einer von vier Ortsbeiräten) ist beheimatet im Sitzungssaal. Er wird darüber hinaus von der Betriebskommission der Stadtwerke genutzt, dient als Besprechungsraum für Amtsleiter und Fraktionen sowie für repräsentative Empfänge, etwa im Rahmen von Schüleraustauschen.
Für die Stadtverordnetenversammlung mit ihren 37 Mitgliedern ist der Sitzungsraum im Rathaus zu klein. Ihre sechs bis sieben öffentlichen Sitzungen pro Jahr finden in der Regel im Germania-Saal des Rheingau Atriums statt.
„Bei jeder Sitzung hier im Sitzungssaal im Geisenheimer Rathaus muss ich an unsere Vorgänger nach 1945 denken. Sie tagten noch in dunklem Anzug mit silberner Krawatte, aber hatten die Verantwortung für ein ‚neues‘ Geisenheim, für das Wohlergehen ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger in herausfordernden Zeiten. Für den Aufbau einer wiedererstarkenden Demokratie.“
Lutz Geschke, Erster Stadtrat und Mitglied des Magistrats der Hochschulstadt Geisenheim
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