Inmitten idyllischer Wiesen und Bäche liegt die Ölmühle Niederdorfelden – ein besonderer Ort gelebter Industriekultur, dessen Geschichte bis ins Jahr 1266 zurückreicht. Nach ihrer Stilllegung im Jahr 1956 drohte die Anlage zu verfallen, bis sie im Jahr 1999 von Mühlenfreunden wieder entdeckt wurde. Mit der Gründung des Fördervereins Ölmühle Niederdorfelden 2001 wurde das Gebäude gesichert und stabilisiert. Das Dach wurde neu eingedeckt, die Fachwerkgefache mit Lehmsteinen ausgemauert und verputzt, die Fachwerkbalken gestrichen. Die Mühlentechnik im Innern wurde im Originalzustand belassen, lediglich der Getreidemahlgang wurde restauriert und mit einem Elektromotor zur Demonstration in Betrieb genommen.
Bei der 48. Station unserer Reise zu besonderen Orten und Persönlichkeiten in der KulturRegion nehmen uns Bürgermeister Klaus Büttner und der Erste Beigeordnete Karl Markloff mit auf eine Entdeckungstour zur Ölmühle sowie zur Burgruine der Wasserburg Niederdorfelden.
Heute ist die Ölmühle ein beeindruckendes Technikdenkmal, das an einzelnen Terminen im Jahr besichtigt werden kann. Das nächste Mal ist die Mühle am Deutschen Mühlentag (25. Mai, Pfingstmontag) geöffnet. Dann erwartet die Besucher*innen von 11 bis 17 Uhr ein buntes Programm mit Führungen, Musik, Mühlen-Quiz und selbstgebackenem Brot.
Mehr Informationen zur Ölmühle gibt es unter https://www.oelmuehle-niederdorfelden.de/.
© KulturRegion; Redaktion: Clara Weissmann; veröffentlicht im Mai 2026
©KulturRegion/Alexander Paul EnglertLieber Herr Markloff, was ist das Besondere an der Ölmühle?
Das Besondere an der Ölmühle ist vor allem der Originalzustand der Mühlentechnik und ihre lange Geschichte. Sie wurde bereits 1266 erstmals erwähnt. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1799 und ist gemeinsam mit der Wasserburg und dem Junkernhof Teil eines historischen Ensembles in den Nidderauen.
Ein seltenes Merkmal ist die Kombination aus Getreide- und Ölmühle an einem Standort. Außerdem ist die historische Technik – vom Mahlgang über den Kollergang bis hin zum Presswerk – noch weitgehend erhalten, wenn auch nicht mehr funktionsfähig. Die Mühle wurde mit einem großen Wasserrad angetrieben, das die Kraft dann auf ein Königsrad und mehrere Zahnräder und Wellen aus Holz im Inneren übertragen hat, die gleichzeitig das Mahlwerk für Getreide und Öl angetrieben haben. In der Mühle gibt es auch ein Funktionsmodell, das zeigt, wie die Anlage früher in Betrieb war.
Da die Ölproduktion sehr mühsam war, wurde sie schon um 1860 wieder eingestellt. Getreide wurde bis 1956 gemahlen. Heute erzeugt das Wasserrad der Mühle noch Strom für einen Privathaushalt.
©KulturRegion/Alexander Paul EnglertWas kann ich am Mühlentag hier erleben?
Geöffnet ist die Mühle vor allem zu besonderen Anlässen und Aktionstagen – etwa am Deutschen Mühlentag (Pfingstmontag), am Tag des Offenen Denkmals (zweiter Sonntag im September). An diesen Tagen können Besucher*innen einen Einblick in das historische Handwerk der Getreide und Ölproduktion gewinnen. Bei Führungen werden die Mahltechnik sowie die historische Anlage anschaulich erklärt. Ergänzend hilft das bewegliche Modell der Mühle dabei, die Abläufe und Funktionsweise verständlich nachzuvollziehen.
Darüber hinaus gibt es am Mühlentag ein vielfältiges Angebot rund um den Besuch: Es wird frisches Brot gebacken, es gibt ein Grill- und Kuchenbuffet, musikalische Darbietungen und ein Mühlen-Quiz.
Der Förderverein Ölmühle Niederdorfelden feiert dieses Jahr sein 25. Jubiläum. Was ist sein Ziel?
Das Ziel unseres Fördervereins ist es, die historische Ölmühle langfristig zu erhalten und mit Leben zu füllen. Als wir den Verein 2001 gegründet haben, ging es zunächst darum, die Anlage vor dem Verfall zu retten. Durch viele Jahre ehrenamtlicher Arbeit und mit Unterstützung von Förderern ist es uns gelungen, die Mühle zu restaurieren und wieder zugänglich zu machen. An den Aktionstagen trägt der Verein dazu bei, historisches Handwerk und regionale Geschichte lebendig zu halten und an kommende Generationen weiterzugeben. Bei regelmäßigen Stammtischen kommt der Verein zusammen, tauscht sich aus und ist auch offen für neue Gesichter.
©KulturRegion/Alexander Paul EnglertLieber Bürgermeister Büttner, was bedeutet für Niederdorfelden die Mitgliedschaft in der KulturRegion?
Für Niederdorfelden bedeutet die Mitgliedschaft in der KulturRegion vor allem, dass wir als Teil der kulturellen Landschaft des Rhein-Main-Gebietes besser sichtbar werden. Als kleinerer Ort mit besonderen historischen Orten wie der Ölmühle oder der Wasserburg möchten wir zeigen, dass auch hier Kultur und Geschichte eine große Rolle spielen.
Für uns ist das wichtig, weil Kultur eben nicht an Gemeindegrenzen endet. Sie verbindet die Region, stärkt das Miteinander und macht deutlich, welche Vielfalt es hier vor Ort gibt. So freuen wir uns auch in Zukunft auf die Zusammenarbeit mit der KulturRegion.
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