Mit der Skulpturen-Triennale wird Bingen am Rhein seit 2008 alle drei Jahre zum offenen Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst unter freiem Himmel. Initiiert durch die von Kuno Pieroth gegründete Stiftung hat sich das Format über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft in der Region entwickelt. Vom 16. Mai bis 4. Oktober 2026 steht die 7. Ausgabe unter dem Titel „Verbindung und Zusammenhalt“. Sie vereint rund 20 künstlerische Positionen entlang des Rheinufers sowie in der Innenstadt – kostenfrei zugänglich und eingebettet in die eindrucksvolle Landschaft am Eingang des Oberen Mittelrheintals.
Bei der 47. Station unserer Reise zu besonderen Orten und Persönlichkeiten in der KulturRegion nehmen uns Oberbürgermeister Thomas Feser und Maria Gleichmann-Pieroth vom Stiftungsvorstand an einem sonnigen Frühlingstag mit durch den Skulpturenpark. Im Gespräch geht es um die Anfänge der Triennale und die inhaltlichen Schwerpunkte der aktuellen Ausgabe. Dabei wird auch deutlich, welche Rolle die Kunst im öffentlichen Raum für die Stadt spielt und wie die Triennale bis heute den Dialog zwischen Landschaft, Stadt und Publikum lebendig hält.
Mehr Informationen zur Triennale gibt es unter https://skulpturen-bingen.de/.
© KulturRegion; Redaktion: Clara Weissmann; veröffentlicht im April 2026
©KulturRegion/Alexander Paul EnglertLiebe Frau Gleichmann-Pieroth, was ist das Besondere an der Skulpturen-Triennale?
Die Skulpturen-Triennale in Bingen am Rhein ist aus einer Idee entstanden, die meine Eltern hatten. Sie wollten Kunst in den öffentlichen Raum holen, um das Rheinufer in Bingen aufzuwerten. Die Triennale fand 2008 zum ersten Mal im Rahmen der Landesgartenschau statt und hat sich von einer regionalen Ausstellung zu einer überregional sichtbaren Skulpturen-Schau professionalisiert, weil das Besondere geschätzt wird. Daraus ist ein frei zugänglicher Skulpturenpark entstanden, der sich durch Stadt und Rheinpromenade zieht. Das Besondere ist, dass die Ausstellung deshalb auch keine Zugangsbarrieren hat. Kunst wird raus aus den Museen und hinein in den Alltag der Menschen geholt genau dorthin, wo sich die Bürger*innen aufhalten. So wird die Triennale ein ganz selbstverständlicher Teil des täglichen Erlebens.
Was aus einer Unternehmeridee entstand, hat sich zu einer unverzichtbaren Freude der Besucher*innen entwickelt. Kunst wächst zusammen mit den Betrachter*innen, getragen von einer engagierten Stadt, ihrer Verwaltung, und ihren Unternehmen und privaten Unterstützern.
Ein weiteres Element ist die fünfmonatige Dauer der Ausstellung, in der sich die Werke durch Wetter, Licht, Oxidation und den Umgang der Menschen im Stadtraum verändern. Dadurch wirken sie je nach Tageszeit und Bedingungen unterschiedlich, und auch die Besucher*innen beeinflussen, wie die Kunst wahrgenommen wird. Wer hierhin kommt, erlebt den Besuch immer wieder anders.
Ein wichtiger Teil ist auch das Förderprogramm: Drei junge Künstler*innen arbeiten seit sechs Monaten an Skulpturen für die Triennale. Dabei wird die Skulpturen-Erstellung für alle erfahrbar, da wir die Künstler*innen in den letzten Monaten der Fertigstellung über Instagram-Folgen nah begleitet haben.
©KulturRegion/Alexander Paul EnglertWas kann ich hier erleben?
In der Skulpturen-Triennale erleben unsere Besucher*innen zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum. Die Werke zeigen internationale und regionale Positionen ebenso wie Arbeiten von Nachwuchskünstler*innen. Das Thema „Verbindung und Zusammenhalt“ möchte Besucher*innen dazu anregen, sich mit Demokratie und einem solidarischen Miteinander auseinanderzusetzen. Das kann sehr unterschiedlich sein: Manche machen Fotos oder Selfies, andere setzen sich auf die Skulpturen oder kommen miteinander ins Gespräch und diskutieren über die Kunst.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, jungen Kunstvermittler*innen, die an den Wochenenden vor Ort sind und die Besucher*innen ansprechen, sowie Veranstaltungen wie Sommer- und Kinderkunstfeste. Die Triennale lädt also nicht nur zum Anschauen ein, sondern auch zum Mitmachen, Diskutieren und Wiederkommen.
Lieber Oberbürgermeister Feser, was bedeutet für Bingen die Mitgliedschaft in der KulturRegion?
2008 war die Entscheidung zum Beitritt ganz bewusst getroffen worden. Bereits zuvor bestanden Kooperationen im Rhein-Main-Gebiet, unter anderem in wirtschaftlichen Fragen. Die positive kulturelle Entwicklung Bingens mit ihrem breiten Angebot und markanten Orten wie dem Alten Kran als Industriedenkmal zeigt deutlich, wie eng die Stadt mit der Region verbunden ist.
Die Grundidee dahinter ist einfach: Gemeinsam sind wir stärker und können uns besser nach außen präsentieren. Daher war der Beitritt zur KulturRegion ein logischer Schritt und eine klare Entscheidung für mehr Zusammenarbeit und Sichtbarkeit.
©KulturRegion/Alexander Paul EnglertWelche Bedeutung hat die Skulpturen-Triennale für die Stadt Bingen?
Für Bingen ist die Triennale viel mehr als eine Skulpturenschau. Sie ist eine Möglichkeit, die Stadt zu präsentieren und ihre Entwicklung sichtbar zu machen. Gerade das Kulturufer hat sich seit der Landesgartenschau 2008 enorm verändert und ist heute einer der schönsten Orte der Stadt.
Über die Skulpturen im Freien können wir alle Menschen Kunst und Kultur erleben lassen, zugleich bieten sie eine wunderbare Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dazu trägt auch bei, dass die Triennale viele unterschiedliche Akteure einbindet: die Volkshochschule, Schulen, Kunstwerkstätten sowie die Kunsthochschule in Mainz, mit der eine enge Zusammenarbeit besteht.
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