Hanauer Höhensonne, Detail des Lampenschirms, 1925-1935, © Museum Rotterdam, CC-BY-SA, https://n2t.net/ark:/38652/ROTT_2392333Licht aus der Steckdose: Die „Original Hanau“ Höhensonne revolutionierte ab 1911 die Medizintechnik und die Alltagskultur. Basierend auf der 1904 von Richard Küch (1860–1915) bei Heraeus entwickelten Quarzlampe, ermöglichte sie erstmals die Nutzung künstlicher UV-Strahlen in Sonnenqualität. Die entscheidende Innovation lag im Material: Während gewöhnliches Fensterglas UV-Strahlen filtert, ist das von Küch perfektionierte, hochreine Quarzglas durchlässig. Damit gelang es, die Heilkraft des Lichts technisch zu bändigen und unabhängig von Wetter oder Jahreszeit verfügbar zu machen.
In einer Zeit, in der die rasant wachsende Industrie die Städte in dichten Smog hüllte und Kinder in dunklen Hinterhöfen kaum Tageslicht sahen, wirkte die Höhensonne wie ein technisches Wunderwerk. Als hocheffektives Mittel gegen Vitamin-D-Mangel und die damals grassierende Rachitis („Englische Krankheit“) wurde das Hanauer High-Tech-Produkt zum weltweiten Exporterfolg. Es war der Einzug der Wissenschaft in das private Heim: Die Höhensonne versprach nicht nur Heilung, sondern wurde zum Inbegriff von Vitalität und jener modernen Bräune, die zum neuen Schönheitsideal einer gesundheitsbewussten Gesellschaft avancierte.
Die Bedeutung der Hanauer Höhensonne strahlt bis heute weit über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinaus. Als Ikone des Industriedesigns und Zeugnis des gesellschaftlichen Wandels findet sie sich weltweit in bedeutenden Sammlungen, etwa im Museum Rotterdam oder prominent in der Dauerausstellung des Hauses der Weimarer Republik in Weimar.
Ein strahlendes Zeugnis der Innovationskraft am Industriestandort Hanau, das heute noch im Museum Großauheim in seiner ganzen Tiefe bewundert werden kann. Dort wird die Geschichte des Unternehmens Heraeus und sein Beitrag zur modernen Lebenswelt lebendig gehalten.
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