
Als hätte er seine Arbeit nur kurz unterbrochen, um einem ankommenden Schiff entgegenzuschauen. So präsentiert sich seit 1910 der "Hafenarbeiter" auf dem südlichen Brückenkopf der Friedensbrücke in Frankfurt. Die lebensgroße Bronzefigur stammt vom belgischen Bildhauer Constantin Meunier (1831-1905), der sie 1893 schuf. Die Statue wurde 1906 vom Leiter der Casella-Werke, Leo Gans (1843-1935), gestfitet und vier Jahre später aufgestellt. Der Aufstellungsort wurde bewusst gewählt: Auf der nördlichen Seite der Brücke befand sich der Westhafen mit dem Kohlehafen, an deren Arbeiter - die so genannten Sackträger - das Denkmal erinnert.
Der Hafenarbeiter, Frankfurt am Main, © wikimedia commons/Eva KröcherDie Figur lehnt sich in ihrer Körperhaltung an die Formensprache griechisch-antiker Statuen an, trägt jedoch robuste Arbeitskleidung. Markant ist der wie eine Kapuze ausschauende Nackenschutz, der den Arbeiter vor Kohelstaub und dem Wundscheuern durch die Jutesäcke schützte. Die Darstellung arbeitender Menschen war zu dieser Zeit noch ungewöhnlich und etablierte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Kunst. Im Gegensatz zu den später üblichen, anonymisierten Massendarstellungen von Arbeiterfiguren erscheint Meuniers Hafenarbeiter als ein selbstbestimmtes Individuum.
Weitere Exemplare der Figur befinden sich unter anderem im Museum Folkwang in Essen, in Antwerpen, Stockholm, Dresden, Kopenhagen, im Museum of Fine Arts in Boston sowie in Lima.
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