Lokaler Routenführer Vorderer Taunus

Oberursel, Kronberg i. T., Königstein und Steinbach

Den Schatz an lebendigen Zeugnissen des produzierenden Gewerbes samt dazugehöriger Infrastruktur zu bergen, wieder ins Bewusstsein zu bringen und zugänglich zu machen, ist Ziel der Route der Industriekultur Rhein-Main. Sie führt zu wichtigen industriekulturellen Orten im gesamten Rhein-Main-Gebiet und befasst sich mit Themen wirtschaftlicher, sozialer, technischer, architektonischer und städtebaulicher Entwicklung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Texte: Beate Großmann-Hofmann, Susanna Kauffels, Gregor Maier, Renate Messer, Dr. Peter Schirmbeck / Redaktion: Hochtaunuskreis Fachbereich Kultur, Cornelia Kalinowski

Industriegeschichte Vorderer Taunus

Das hier vorgestellte Gebiet der Städte Königstein, Kronberg, Oberursel und Steinbach am Südrand des Taunusgebirges ist keine klassische Industrielandschaft in dem Sinne, dass sie durch große Fabrikationsanlagen und die sprichwörtlichen „rauchenden Schlote“ gekennzeichnet wäre. Dennoch weist sie eine reichhaltige und in ihren Zeugnissen eindrucksvolle Industriegeschichte auf, deren Wurzeln weit zurück reichen. In den drei alten städtischen Siedlungen Königstein, Kronberg und Oberursel herrschte schon in vorindustrieller Zeit ein reges gewerbliches Leben, das vielfach den Nährboden für die im 19. Jahrhundert entstehende Industrie darstellte. Hierbei spielten vor allem die aus dem Taunus nach Süden fließenden Gewässer als Energiequelle eine wichtige Rolle – nicht nur für Getreidemühlen, sondern auch für Walk-, Hammer- und Mahlwerke. Die Wasserkraft des Urselbaches war beispielsweise der entscheidende Standortfaktor für die Errichtung der Spinnerei und Weberei an der Hohen Mark, die im Herbst 1860 ihre Produktion aufnahm und mit mehreren hundert Beschäftigten rasch zu einem der größten Industriebetriebe im Herzogtum Nassau avancierte. Die Bereitstellung der Energie für die nördlich der Stadt gelegene Fabrik erfolgte durch eine spektakuläre, rund 700m lange Transmissionsanlage. Auch der zweite große Oberurseler Industriebetrieb, die Motorenfabrik, entwickelte sich aus einem Mühlenbetrieb. Neben der Wasserkraft als Energiequelle waren das Reservoir an verfügbaren Arbeitskräften und die Anbindung an den Umschlagplatz und Absatzmarkt Frankfurt entscheidende Faktoren für die Entwicklung der Industrie am südlichen Taunusrand. Die Arbeiterschaft rekrutierte sich vielfach aus der Dorfbevölkerung des Hohen Taunus, die auf einen Zuverdienst zur heimischen Landwirtschaft angewiesen war. Namen wie „Arbeiterweg“ erinnern bis heute an die Wege aus den Taunusdörfern in die Fabriken. Für die Anbindung nach Frankfurt ist auf den Eisenbahn-bau hinzuweisen. Bereits 1860 wurde Oberursel mit dem Bau der Linie Frankfurt – Homburg an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1874 nahm die Frankfurt-Kronberger Eisenbahn den Betrieb auf und 1902 folgte schließlich die – aufgrund der Höhenunterschiede technisch anspruchsvolle – Bahnstrecke zwischen Höchst und Königstein. Gerade die letztgenannte hatte auch den Zweck, die Industrie im Rhein-Main-Gebiet mit Arbeitskräften aus dem Taunus zu versorgen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der südliche Taunusrand zudem zu einer für Unternehmer aus den ganzen Rhein-Main Gebiet attraktiven Wohngegend. Der südliche Taunus bietet damit zwei Facetten der Industriekultur: Die ortsansässigen Fabrikationsbetriebe ebenso wie die Zeugnisse des anderswo industriell erwirtschafteten Wohlstandes.

Oberursel

Mühlenwanderweg am Urselbach

Der Urselbach fließt von der Hohen Mark aus quer durch Oberursel bis hin zur Nidda. Entlang seines Ufers verläuft auf knapp 11 km Länge der Mühlenwanderweg. Dieser bietet die einzigartige Möglichkeit, die historische Nutzung der Wasserkraft und die vielgestaltigen Lebensräume am Bach anhand von 24 abwechslungsreichen Informationstafeln zu erkunden. Die Wasserkraft des Baches und seiner Werkgräben wurde seit Jahrhunderten von Mühlen, Hammerwerken und Fabriken zur Energiegewinnung genutzt. Noch heute kann man das eindrucksvolle Gebäude der ehemaligen Herrenmühle an der Bleiche und die am idyllischen Bachpfädchen gelegene Schuckardtsmühle mit ihrem funktionsfähigen Mühlrad bewundern.

Foto: Stadt Oberursel

Bahnhof Oberursel (Taunus)

Als Ersatz für die seit 1850 teils über Oberursel verkehrende Pferdeomnibuslinie wurde nach mehreren gescheiterten Versuchen 1860 die Homburger Bahn eröffnet, die von Frankfurt nach Bad Homburg führte. An dieser Strecke erhielt Oberursel einen Bahnhof und damit eine wesentliche Voraussetzung zur Erschließung als Wohnort für Frankfurter Fabrikanten. Von den ursprünglichen Gebäuden sind heute nur noch zwei vorhanden: das frühere Weichenwärtergebäude und das Empfangsgebäude. Der neue Nutzungsmix macht den Alten Bahnhof Oberursel (Modernisierung und Sanierung des Bahnhofs von 2009 bis 2012) als öffentlich genutztes Gebäude für die Oberurseler Bevölkerung wieder erlebbar.

Foto: Michael von Aulock

Rolls-Royce Deutschland Ltd & Co KG

Die Gebäude der ehemaligen Motorenfabrik Oberursel, die heute zum Werk der Firma Rolls-Royce Deutschland gehören, zählen zu den eindrucksvollsten architektonischen Zeugnissen aus der industriellen Gründerzeit. Die Ursprünge der Motorenfabrik reichen bis Anfang der 1890er Jahre zurück. Willy Seck konstruierte hier seinen kompakten 4 PS starken „GNOM“ Petroleummotor. Später wurde in Frankreich aus dem „GNOM“ ein Umlaufmotor für Jagdflugzeuge entwickelt, den die Motorenfabrik ab 1913 auch in Oberursel mit großem Erfolg produzierte. 1916-18 entstand der Verwaltungsbau mit seiner beeindruckenden Fassade. Heute werden in dem Werk hochwertige Komponenten für Rolls-Royce-Turbostrahltriebwerke hergestellt. Die Geschichte des Industriestandortes dokumentiert der Geschichtskreis Motorenfabrik Oberursel.

Foto: Stadt Oberursel

Firma Neubronner

1905 gründete der Hofapotheker Dr. Julius Neubronner in Kronberg die heutige Neubronner GmbH & Co. KG, die schwarze Einfassstreifen für die Glasplatten der Diapositiv- Photographie produzierte. Während des 1. Weltkrieges nahm die Firma die Produktion von Verpackungsklebestreifen auf. 1934 verlegte der Sohn des Hofapothekers, Carl Neubronner, den Firmensitz nach Oberursel. Auf dem Areal befindet sich eine, Anfang des 20. Jhs., erbaute Villa. In den 1980er Jahren entstanden auf dem Gelände neue Büro- und Fabrikgebäude. Heute stellt die Firma Papiererzeugnisse und Maschinen für die Verpackungs- und Wellpappenindustrie her.

Foto: Stadt Oberursel

Villa Gans (Villa Kestenhöhe)

Im einstigen Kastanienhain an der Königsteiner Straße lag die ehemalige Villa Gans, die heute Bestandteil eines modernen Hotels ist. Sie wurde mit Bauschein von 1909 von Ludwig Wilhelm von Gans im englischen Landhausstil errichtet und luxuriös ausgestattet. Sein Schwiegervater, der Gartenarchitekten Karl Keller, gestaltete wohl den dazugehörigen Park. Ludwig Wilhelm Gans stammte aus einer jüdischen Fabrikantenfamilie, die 1912 in den Adelsstand erhoben wurde. Sein Vater Fritz von Gans war Mitbegründer der Cassella Farbwerke in Frankfurt. 1911 siedelte Ludwig Wilhelm mit seinem eigenen, 1897 gegründeten Chemieunternehmen („Pharmagans“) nach Oberursel über. Die Familie lebte bis 1928 in Oberursel. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde Ludwig Wilhelm in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und verstarb 1946 an den Spätfolgen der Inhaftierung.

Foto: Stadt Oberursel

Kraftwerk / ehemaliges Umspannwerk

Im Jahr 1910 errichtete die Frankfurter Lokalbahn- Aktiengesellschaft in Oberursel ein Gleichrichterhaus. In einem Nebengebäude, das heute nicht mehr existiert, befanden sich Transformatoren für die Bahn. Das Gleichrichterhaus war von herausragender Bedeutung für den Güter-und Personenverkehr von und nach Frankfurt a. M. bzw. in den Taunus. Bis 1997 gehörte das Gebäude den Main-Kraftwerken, bis 2004 der Stadt Oberursel. Heute befindet sich in dem denkmalgeschützten Gebäude, mit Jugendstilelementen und original erhaltener Laufkatze unter der Hallendecke, ein Restaurant.

Foto: Stadt Oberursel

Bahndepot Bommersheim

Im Jahr 1910 errichtete die Frankfurter Lokalbahn- Aktiengesellschaft (FLAG) in der Nähe der heutigen „Haltestelle Bommersheim“ der U3 ein Betriebsgebäude. Es diente zunächst als Depot für die Trieb- und Beiwagen der früheren Linie 24, die bis zur Hohemark fuhr. In den Nebenhallen wurden kleinere Wartungsarbeiten durchgeführt. Um Einrichtungswagen wenden zu können, erfolgte 1956 der Bau einer Wendeschleife um das Depot. 1970 wurde die Halle komplett modernisiert und verlängert, um auf jedem Hallengleis zwei U-Bahn-Wagen abstellen zu können.

Foto: Wikimedia

Alt Oberurseler Brauhaus

Das als Barock-Palais Pfeiff oder Pfeiffsches Haus bekannte Gebäude wurde in den Jahren 1723 bis 1728 erbaut. Besonders beeindruckend sind noch heute das großzügig angelegte Treppenhaus mit steinerner Treppenbrüstung sowie die Stuckdecke im Blumenzimmer. 1994 wurden die unteren Räume zur Gaststätte umgestaltet und eine eigene Hausbrauerei eingerichtet. So findet man heute, hinter dem Ausschank in der Gaststube, zwei beeindruckende Braukessel aus Kupfer. Außerdem ließ der neue Eigentümer die barocken Räumlichkeiten im Obergeschoss mit Unterstützung des Landes Hessen, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stadt Oberursel sanieren und restaurieren.

Foto: Stadt Oberursel

Elektrotechnische Fabrik Medidenta Schramm

1905 gründete Carl Schramm das Unternehmen in Frankfurt a. M. als Fabrikation für Zahn- und Papierwaren. Das Herstellungsprogramm wurde im Laufe der Zeit mehrfach erweitert, so z. B. um SIMPLEX-Ventilatoren. 1930 erfolgte der Umzug der Elektrogeräte-Produktionsstätten auf ein Gelände in Oberursel, das wohl schon im Mittelalter Standort einer Mühle war. Außerdem haben die Gebr. Heitefuß bereits um die Mitte des 19. Jhs. hier einen Kupferhammer betrieben. 1955, 1987 und 2004 erfolgt der Bau weiterer Produktionsgebäude. Ab 1970 kam der Produktionsbereich Fahrzeugtechnik und Oldtimerzubehör hinzu. Das Firmengelände beeindruckt durch seine gut erhaltene Industriearchitektur verschiedener Epochen.

Foto: Stadt Oberursel

Arbeiterhäuser und Direktorenvilla der Aktiengesellschaft für Spinnerei und Weberei zur Hohen Mark

Auf Betreiben des Oberurseler Kaufmanns Josef Schaller wurde 1857 die erste Aktiengesellschaft des Herzogtums Nassau in Oberursel gegründet. 1858 begann man Fabrikgebäude, Nebengebäude, Wohnhäuser für die Arbeiter, Verwaltungsgebäude und eine Direktorenvilla zu bauen. Bereits 1860 lief die Produktion an. Im Jahr 1865 errichtete die Spinnerei eine 700 Meter lange Drahtseil-Transmissionsanlage zur Nutzung der Wasserkraft, die damals größte ihrer Art in Europa. Außerdem erbrachte die Aktiengesellschaft für ihre Mitarbeiter bemerkenswerte soziale Leistungen. So stellte sie u. a. zwei Unterkunftshäuser für ledige Arbeiter und Ein- und Mehrfamilienhäuser mit verbilligter Miete für Verheiratete zur Verfügung. Noch heute sind die Villa Schaller und die Arbeiterhäuser an der Hohemarkstraße zu sehen.

Foto: Stadt Oberursel

May und Christe

1930 gründete Franz May das Unternehmen „Franz May-Transformatoren“ mit zwölf Beschäftigten in Frankfurt-Sossenheim. Die Fabrik stellte Transformatoren und Spulen für die Radioindustrie her. 1931 wurde Gustav Christe als Teilhaber aufgenommen. 1939/40 zog die Firma von Sossenheim nach Oberursel mit ca. 120 Beschäftigten. Seit etwa 1949 lag der Schwerpunkt der Produktion auf Vorschaltgeräten für Gas-Entladungslampen und Transformatoren. Ende der 1980er Jahre erwirtschaftete die Firma über 200 Mio. DM Umsatz mit ca. 1.500 Beschäftigten, davon etwa 700 in Oberursel. 1992 übernahm das US-amerikanische Unternehmen „MagneTec“ die Firma, die bereits wenige Jahre später geschlossen wurde. Auf dem Gelände sind heute vor allem Kleinbetriebe angesiedelt. Die alte Industriearchitektur der Gebäude ist noch immer gut zu erkennen.

Foto: Stadt Oberursel

Vortaunusmuseum Oberursel

1704 erwarben Johann Sebastian Straub, ein im Amt Königstein tätiger Rentmeister und Kammerrat und seine Ehefrau Maria Elisabetha, geb. Korn ein Grundstück, das am heutigen Marktplatz 1 lag und bauten dort ein neues Haus. Seit Juni 1987 befindet sich das Vortaunusmuseum in dem historischen Gebäude. Das Vortaunusmuseum, gegründet als modernes Stadtmuseum, zeigt neben Exponaten aus der frühesten Besiedlung der Region, u.a. Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs aus den Bereichen Handwerks- und Industriegeschichte. Im Hof des Museums steht der letzte Zain-Hammer der Sensenwerke Andreas Schilli & Co.

Kronberg i. T.

Foto: Stadt Kronberg

Braun Sammlung

Die Einführung klarer Formen und strukturierter Benutzerführung für die Produkte der Firma Braun ist noch heute Vorbild für gutes Industriedesign. Dieter Rams, einer der einflussreichsten Industrie-Designer der Moderne, war bis 1995 Leiter des Produktdesigns der Firma Braun, das unter ihm stilbildend wurde. In einer Dauerausstellung am Firmenstandort Kronberg zeigt die BraunSammlung die Entwicklung ihres wegweisenden Geräte-Designs, vom ersten Braun Radio über den weltberühmten Plattenspieler SK4 mit dem Spitznamen „Schneewittchensarg“ bis hin zu den aktuellen Produkten.

Foto: Stadt Kronberg

Siedlung Roter Hang

1958 hatte die Firma Braun das Vorkaufsrecht für das Areal erworben, um eine Siedlung für Mitarbeiter zu errichten. Mitte der 60er- Jahre wurde von der Stadt Kronberg selbst eine Lösung für das Grundstück gesucht. 1968/69 plante das Architekturbüro Kramer die Bebauung, unterstützt von Dieter Rams, dem Chefdesigner von Braun, der für seine funktionale, reduzierte Formsprache berühmt ist. Im Zentrum der Siedlung stehen in Gruppen zusammengefasste und terrassenförmig, kompakt und wirtschaftlich angeordnete Bungalows mit hoher Aufenthaltsqualität, am südlichen Rand finden sich zweigeschossige Reihenhäuser, im Norden Mehrfamilienhäuser im Geschosswohnungsbau. Besonders erwähnenswert sind auch die horizontalen und vertikalen Wegeverbindungen in der Bebauung.

Foto: Stadt Kronberg

Quellenpark Kronthal

Die wirtschaftliche Nutzung der Quellen im Sauerborntal begann 1831 mit dem Amtsarzt Dr. Ferdinand Küster, dem Pionier des Badekurbetriebs im seitdem so genannten Kronthal. 50 Jahre später war das Kurwesen untergegangen, das Kronthaler Wasser wurde nur mehr von verschiedenen aufeinanderfolgenden Brunnenbetrieben abgefüllt und überwiegend ins Ausland vertrieben. Die Kelterei Herberth, die die Abfüllung 2005 aus wirtschaftlichen Gründen einstellte, nutzt in den 1920er Jahren entstandene Gebäude. Im renaturierten ehemaligen Kurpark kann man heute an zwei Quellen Mineralwasser abfüllen.

Foto: Stadt Kronberg

Kronberger Lichtspiele

Drei Generationen der Familie Hirsch haben im 1926 gegründeten Kino „Kronberger Lichtspiele“ Filme vorgeführt, bis mit der Umrüstung auf digitale Abspieltechnik 2012 auch ein Betreiberwechsel einherging. Anfangs saß das Publikum im Saal der Gaststätte „Schützenhof“ auf 200 ebenerdigen Stühlen, die mit Stangen fixiert waren. Der Saal ist es geblieben, die Innenausstattung bietet heute mit ansteigenden Sitzen Komfort. Als Familienbetrieb sind die „Lichtspiele“ zum festen Bestandteil des Stadtlebens geworden, und es ist das selten gewordene persönliche Ambiente, das den Charme dieses Kinos ausmacht.

Foto: Stadt Kronberg

Villa Bonn / Rathaus

1901 ließ Wilhelm Bonn diesen Neubau auf dem langjährigen Landsitz der Bankiersfamilie aus Frankfurt errichten. Bonn war 1863 als Mitarbeiter der Frankfurter Bank Lazard-Speyer-Ellissen nach New York entsandt worden und stieg dort zum Geschäftsführer der Tochterbank Speyer & Co auf. Frankfurter Bankhäuser und die von ihm gegründete Firma Ruette & Bonn waren stark an der Finanzierung amerikanischer Eisenbahnlinien beteiligt. Mit dem hieraus entstandenen Vermögen stattete Bonn, 1885 als Teilhaber von Lazard-Speyer-Ellissen nach Frankfurt zurückgekehrt, großzügig Stiftungen in verschiedensten Bereichen aus.

Foto: Stadt Kronberg

Haus Kastanienhain / Villa Mumm

Fritz Mumm von Schwarzenstein, Mitinhaber des Frankfurter Bankhauses Wilhelm Mumm & Co, ließ 1911 auf dem ehemaligen Schießplatz der Cronberger Schützengesellschaft in den „Kastanienstücken“ das „Haus Kastanienhain“ errichten. Seine Frau Mila war eine Tochter der Guaitas, deren Landsitz in unmittelbarer Nachbarschaft lag. 1936 wurde das Anwesen verkauft und als Gauführerschule der NSDAP, dann als Reservelazarett genutzt. Seit 1947 diente das Haus unter anderem als Erholungsheim. Heute ist die restaurierte „Villa Mumm“, als „Kastanienhöhe“ Sitz eines Finanzdienstleisters.

Foto: Wikimedia

Villa Clara Gans

Das vom Architekten Peter Behrens bis in die Details der extravaganten Inneneinrichtung geplante Wohnhaus von Clara Gans wurde 1932 fertig gestellt. Sie war die Tochter von Adolf Gans (Villa Hainerberg), der Mitinhaber der Chemischen Werke Cassella in Frankfurt und nach deren Fusion mit der Höchst AG dort Aufsichtsrat war. Die Werke von Peter Behrens als Maler, Architekt, Grafik- und Industriedesigner waren wegweisend. Er gilt als Begründer der modernen sachlichen Industriearchitektur und des modernen Industrie-Designs. Das Haus wird seit einigen Jahren als Dreifamilienhaus genutzt.

Foto: Wikimedia

Villa Meister

Die Villa Meister wurde 1895 für Carl Friedrich von Meister, Mitbegründer und Vorstand der „Farbwerke Meister, Lucius und Brüning“, der späteren Farbwerke Höchst, erbaut. Später übernahm sie sein Schwiegersohn, Walther vom Rath. Er war ebenfalls Vorstand der Farbwerke Höchst und später der „IG Farben“, in der die Farbwerke aufgegangen waren. Zuletzt wurde das Anwesen von der Familie seines Schwiegersohnes Louis Leisler Kiep geführt, nach dessen Tod verkauft und 1968 abgebrochen. Das Pförtnerhaus und das zu Wohnzwecken umgebaute Stallgebäude mit Remise sind heute noch erhalten.

Foto: Stadt Kronberg

Villa Abs / Ter Meer

1935 kaufte Fritz ter Meer einen etwa 4,5 Hektar großen Teil des Parks des Anwesens der Frankfurter Bankiersfamilie von Guaita und ließ darauf einen großzügigen Landsitz erbauen, den er bis 1945 bewohnte. Ter Meer war von 1925 bis 1945 Vorstandsmitglied der IG Farben und als solches verantwortlich für den Aufbau der Kautschuk-Fabrikation in Auschwitz. Nach dem Ende der Beschlagnahmung des Anwesens durch die amerikanischen Streitkräfte erwarb es 1953 Hermann Josef Abs, der von 1937 bis 1945 als Bankvertreter im Aufsichtsrat der IG Farben, ab 1957 Vorstandssprecher, dann Aufsichtsrat der Deutschen Bank war. Er lebte in Kronberg bis zu seinem Tod 1994.

Foto: Stadt Kronberg

Streitkirche / Hofapotheke Julius Neubronner

Die „Streitkirche“ war seit 1891 Sitz der Apotheke und Wohnhaus der Familie Neubronner. Apotheker Julius Neubronner war begeisterter Fotograf und Erfinder. Sein Hobby führte zur Entwicklung der Brieftaubenfotografie: Er stattete Brieftauben mit Kameras aus, die während des Fluges automatisch auslösten und so Luftaufnahmen mitbrachten. Zur Fabrikation von schwarzen Klebestreifen für die Umrandung von Glas-Fotoplatten gründete Neubronner 1905 die „Fabrik trocken- und feuchtklebender Papiere Dr. J. Neubronner“. Die Neubronner GmbH und Co KG mit Sitz in Oberursel stellt heute noch Klebestreifen aller Art her.

Foto: Stadt Kronberg

Lokschuppen

Der heute als Bürogebäude genutzte Lokschuppen wurde 1935 erbaut. Im Zuge des Infrastrukturwandels mit dem Beginn des S-Bahn- Betriebes 1978 verlor er seinen eigentlichen Zweck, wurde als Lagerhalle genutzt und stand zuletzt leer. 2010/11 erfolgte seine Restaurierung, der typische Charakter eines Industriebaus in Backstein-Stahl-Konstruktion blieb erhalten: die kräftigen Mauerpfeiler, die raumübergreifend gespannten Stahlträger und die so genannte „Dachlaterne“.

Foto: Stadt Kronberg

Villa Germania / Erwin Kleyer

Seit 1920 war die ehemalige „Villa Germania“ Wohnsitz von Erwin Kleyer, einem der Direktoren der „Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer AG“, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einer der erfolgreichsten deutschen Automobilhersteller. Der Sohn des Firmengründers fuhr selber Autorennen und galt als kunstsinniger Mäzen. Er verpflichtete den Bauhaus- Architekten Walter Gropius als Berater, der zwei Karosserien für Adler Modelle gestaltete.

Königstein

Foto: Stadt Königstein

Königsteiner Bahnhof

Mit der Eröffnung der privaten Bahnlinie Frankfurt-Höchst – Königstein am 24. Februar 1902 erhielt die kleine Kurstadt endlich eine Bahnanbindung. Im Bahnhofshauptbau, einem Fachwerkbau, befand sich einst eine Wirtschaft. Südlich des Bahnhofs stand ein Pavillon für „hochgestellte“ Reisende. Um 1990 erfolgte der Abriss des Güterschuppens. Zum 100. Geburtstag 2002 wurde das Bahnhofsgelände neu gestaltet: Die Bahnsteige erhielten eine Überdachung, der Bahnhofsvorplatz wurde umgestaltet und ein Kiosk gebaut. Hinzu kamen neue Park- und Busabstellplätze.

Foto: Stadt Königstein

Kempinsky Grand Falkenstein – Wirtschaftsgebäude

Von 1907 bis 1909 wurde in Falkenstein südlich des Debuswegs mit Unterstützung Kaiser Wilhelms II. ein Erholungsheim für Offiziere errichtet. Nach 1945 war hier eine Klinik des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen untergebracht, heute befindet sich hier ein Luxushotel. Nördlich des Gebäudekomplexes, der aus insgesamt sieben Gebäuden besteht, entstanden weitläufige Wirtschaftsgebäude im gleichen Baustil, die sich um einen Hof gruppieren. Auffallend sind der markante Uhrturm sowie das sich an den Hauptbau anschließende Heizwerk mit dem weithin sichtbaren Schornstein.

Villa Gans / Heute Deutsche Rentenversicherung Hessen

Der Frankfurter Industrielle Adolf Gans (1840-1912) ließ 1910-1912 auf dem Hainerberg bei Königstein eine schlossähnliche Sommervilla mit Hauptbau und zwei Seitenflügeln erbauen. Architekt war Bruno Paul (1874-1968), der auch an der Gestaltung des Parks wesentlich mitwirkte. Zu dem Anwesen gehören auch die an der Straße gelegenen Wirtschaftsgebäude. Nach unterschiedlicher Nutzung der Villa – u.a. auch als Klinik – befindet sich hier seit 2005 die Verwaltung der Deutschen Rentenversicherung Hessen.

Foto: Stadt Königstein

Firma Seeger-Orbis

Willy Seeger gründete 1917 das Unternehmen, das durch den 1928 patentierten „Seeger-Ring“ zur Sicherung von Kolbenbolzen bekannt wurde. Die 1944 wegen Bombenschäden aus Frankfurt ausgelagerte Firma Seeger fand in Zweigbetrieben Unterkunft im Taunus, der größte war in Baracken im Johanniswald bei Schneidhain untergebracht. 1949 erwarb die Firma Gelände in Schneidhain zur Ansiedlung. Die Inbetriebnahme des Schneidhainer Werkes war am 5. August 1950. Seitdem erfolgten einige Erweiterungen. Seit 2002 gehört Seeger-Orbis zur amerikanischen Barnes Group Inc.

Steinbach

Foto: Wikimedia

Eisenbahnbrücke Steinbach

Die Eisenbahnbrücke bei Steinbach steht stellvertretend für eine Reihe ähnlicher Funktionsbauwerke im Zusammenhang mit der Verkehrserschließung des südlichen Taunus. Sie wurde 1860 für die Bahnstrecke Frankfurt–Homburg errichtet, eine vor allem auf Betreiben der Homburger Spielbankpächter zustande gekommene Privatbahn. Die Brücke ist trotz ihrer schlichten Funktionalität – sie überspannt den Steinbach und einen ihn begleitenden Weg – durchaus ansprechend ausgeführt. In den Zwickeln zwischen den drei Brückenbögen aus Sandstein sind dekorative Tondi im Backsteinmauerwerk angebracht. Heute ist die Steinbacher Eisenbahnbrücke über die Regionalpark- Rundroute für Spaziergänger bequem erreichbar.

Interaktive Karte der KulturRegion

Adressangaben und weitere Information zu den Orten

Interaktive Karte zum lokalen Routenführer vorderer Taunus

Bilder zu Lokaler Routenführer Vorderer Taunus