Lokaler Routenführer Frankfurt am Main

Frankfurt West, Frankfurt Mitte, Frankfurt Ost, Frankfurt Süd

Den Schatz an lebendigen Zeugnissen des produzierenden Gewerbes samt dazugehöriger Infrastruktur zu bergen, wieder ins Bewusstsein zu bringen und zugänglich zu machen, ist Ziel der Route der Industriekultur Rhein-Main. Sie führt zu wichtigen industriekulturellen Orten im gesamten Rhein-Main-Gebiet und befasst sich mit Themen wirtschaftlicher, sozialer, technischer, architektonischer und städtebaulicher Entwicklung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Texte: Prof. DW Dreysse, Dr. Volker Rödel; Stand: 2015

Industriegeschichte in Frankfurt Am Main - West

Die Orte in Frankfurts Westen waren ähnlich wie Bockenheim lange vor ihrer Eingemeindung wirtschaftlich mit der Stadt verbunden. Der verwaltungsmäßige Zusammen-schluss erfolgte erst viel später: Rödelheim 1910 und die Kreisstadt Höchst am Main mit den dazugehörenden Gemeinden 1928. Die meisten der großen, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründeten Unternehmen hatten ihren Ursprung in Frankfurt am Main oder wurden mit Geld aus Frankfurt gegründet. Das galt für die chemische Industrie, die Werkzeugmaschinen- und Armaturenproduktion sowie die Lederindustrie. Selbst auf die Tabakmanufaktur der Gebrüder Bolongaro, den 1772-1780 gebauten Bolongaropalast, traf das zu. Rödelheim, dem schon seit dem 18. Jahrhundert Gewerbefleiß nachgesagt wurde, profitierte von der Abwanderung expandierender Firmen aus dem Bockenheimer Industriegebiet zwischen Solms-und Voltastraße oder von der Mainzer Landstraße. In Griesheim und Höchst bot das in ausreichender Größe in Flussnähe preisgünstig angebotene Gelände Anreiz für die Ansiedlung chemischer Fabriken, die wie Meister, Lucius & Brüning, nachmals Hoechst AG, Weltgeltung erlangen sollten. Besonders der Technische Verwaltungs-bau der Hoechst AG – erbaut nach Plänen von Peter Behrens 1920-1924 – legt davon ein sichtbares Zeugnis ab. Neben den chemischen Fabriken gewann um 1900 die Möbelindustrie in Höchst, die reichsweit wegen ihres Komplettangebotes von Schlafzimmern beliebt war, immer mehr an Bedeutung. Sie verschwand jedoch nach dem 1. Weltkrieg, ohne in der Stadt bemerkbare Spuren hinter-lassen zu haben. Auch die einst in sich geschlossenen Unternehmen der chemischen Industrie haben ihre Struktur verändert. Sie präsentieren sich heute als kleinteilige Industrieparks. Von den großen Veränderungen der industriellen Welt unbeeinfl usst zeigt sich einzig die 1746 gegründete Höchster Porzellan-Manufaktur, deren Qualitätsprodukte in einem historischen Fabrikgebäude weiterhin nach traditionellen Verfahren entstehen.

Foto: Stadt Frankfurt

Klärwerk Sindlingen

Ab 1976 begann der schrittweise Neubau der ARA (Abwasser-Reinigungs-Anlage) als Ersatz für das seit 1966 betriebene Klärwerk, der 1985 vorläufi g endete. Anschließend wurde die Anlage weiter dem Stand der Technik angepasst. Auf ihrem Weg durch die ARA durchfl ießen die Abwässer nach dem Rohwasserpumpwerk nacheinander die Rechenanlage, den Sandfang, die Vorklärung, eine 1. Biologische Stufe, die Zwischenklärung, eine 2. Biologische Stufe, die Nachklärung und schließlich die Filtration, bevor sie sauber in den Main geleitet werden. Das dazugehörige Betriebsgebäude wurde 1989 nach Planung von Rolf Schmidt fertiggestellt. Die bei der Abwasserreinigung anfallenden Schlammmengen, die in der Frühzeit der Klärwerke als Dünger in der Landwirtschaft dienten, werden heute umweltschonend und kostengünstig verbrannt. Nach gut zweijähriger Bauzeit ging die Schlamm-Entwässerungs- und Verbrennungs- Anlage (SEVA) 1981 mit drei Verbrennungslinien in Betrieb, die bis 1997 um eine vierte erweitert wurden. Die bei der Verbrennung des Schlamms entstehenden Rauchgase werden zur Stromerzeugung genutzt, die zu etwa 45 % den Eigenbedarf der Sindlinger Anlage deckt.

Foto: Stadt Frankfurt

Villa Meister, Park und Orangerie

Zu den Gründern der 1862 konzessionierten „Anilin und Anilinfarbenfabrik bei Höchst“ gehörte auch der Kaufmann C. F. Wilhelm Meister. Für ihn entwarf Franz von Hoven eine schlossartige Villa in einem vom Jugendstil beeinflussten gediegenen Neobarock. Sie entstand 1903-1904 innerhalb eines mauerumfriedeten Parks an der Hochuferkante des Mains, an der Stelle, an der bis 1799 eine Villa der Familie Brentano-Allesina stand, mit Blick über die Flusslandschaft. Das Anwesen mit seinen herrschaftlichen Ansprüchen vervollständigen ein Stallgebäude mit Kutscherhaus, ein kleines Gärtnerhaus und eine Orangerie (heute Café). Letztere erinnert mit ihrem zwischen zwei Pavillons eingespannten, gläsernen Gewächshaus an Bauten gleicher Bestimmung des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Heute beherbergt die Villa eine Therapieeinrichtung des Deutschen Ordens.

Foto: Stadt Frankfurt

Colonie Zeilsheim

Durch die Gründung der Farbwerke Höchst verwandelte sich das 794 erstmals erwähnte Bauerndorf Zeilsheim ab 1900 in mehreren Bauphasen zu einer Arbeitervorstadt. Als Bauherrin betätigte sich eine 1899 von den Farbwerken gegründete Wohnungsbaugesellschaft, die nach Entwurf des Werksarchitekten Heinrich Kutt von 1900-1916 in der sog. „Alten Colonie“ zwischen Pfaffenwiese und Klosterhofstraße 456 Wohneinheiten in zumeist Zweifamilienhäusern in Backsteinbauweise bauen ließ. 1925 begannen die Bauarbeiten für die „Neue Colonie“ mit 154 Wohnungen am Coburger und Braunschweiger Weg. Als Versorgungseinrichtungen entstanden ein von den Farbwerken betriebenes Kaufhaus (1904), die Schule (1901, erweitert 1912) und die evangelische Kirche (1912). Unterschiede im Äußeren der Wohnhäuser lassen deren Entstehungszeit erkennen.

Foto: Stadt Frankfurt

Jahrhunderthalle

Aus Anlass des 100-jährigen Firmenjubiläums von den Farbwerken Hoechst ihren Mitarbeitern gewidmetes Veranstaltungsgebäude. Es wurde 1961-1963 nach Entwurf von F. W. Kraemer und nach der Konstruktionsplanung durch H. Beck unter Verwendung neu entwickelter Materialien und Baumethoden als technische Pionierleistung der Nachkriegsmoderne ausgeführt. Über einem fl achen Sockelgeschoss überspannt freitragend eine Kuppelschale (86 m Durchmesser, Scheitelhöhe 25 m, Schalendicke 13 cm) den von Nebenräumen umgebenen Festsaal. Im Zusammenklang mit dem seitlichen Pylon besitzt die Festhalle Wahrzeichencharakter.

ICE-Waschanlage

Das Herzstück der im Jahr 2000 errichteten Waschanlage ist die „Außenreinigungsanlage“, bestehend aus einer 8 m breiten und 125 m langen Industriehalle, eine Stahlkonstruktion im ICE-Design. Sie ist als weitgehend automatisierte Durchfahranlage konzipiert, durch die die Züge mittels zweier Radsatzwagen per Seilzugrangiertechnik gezogen werden. Je nach Betriebsprogramm werden täglich 7 bis 14 Züge unterschiedlicher Bauart gewaschen.

Foto: Kultur Region

Musterhaus "Heimchen"

Als einzig erhaltenes Gebäude der 1892-1897 in drei Bauabschnitten errichteten Siedlung „Heimchen“ belegt das kleine Wohnhaus den frühen Arbeiterwohnungsbau der Farbwerke. Der ursprünglich im Dachgeschoß fachwerksichtige Backsteinbau wurde als Musterhaus auf der Pariser Weltausstellung 1900 mit einer Goldmedaille (Grand Prix) ausgezeichnet.

Foto: Wikipedia

Bahnhof Frankfurt-Höchst

Die ursprüngliche Bahnhofsanlage der Taunusbahn von 1839 wurde ab 1910 erneuert und vergrößert. Stilistisch dem Südbahnhof ähnlich, entstand das neue Empfangsgebäude nach einem von den Bahnarchitekten Wegner und Kleinschmidt 1912 ausgearbeiteten Entwurf bis 1920 in sparsamen neoklassizistischen Formen. Heute ist der barrierefrei umgebaute Bahnhof Höchst der zweitgrößte Bahnhof Frankfurts. Östlich des Empfangsgebäudes erstreckt sich bis zur Königsteiner Straße die expressionistisch gestaltete Bruno- Asch-Anlage. Die sie prägenden Elemente, wie Rasenparterre, Baumallee, Brunnen und Kunstwerke wurden in den Jahren 2005 bis 2013 restauriert. Auch die aus drei unterschiedlichen Epochen stammenden Eisenbahnbrücken über die Königsteiner Straße wurden denkmalgerecht restauriert sowie lichtgestalterisch in Szene gesetzt.

Fotos: Stadt Frankfurt
Verwaltungsgebäude
Versuchsfärberei
Kasinogebäude
Mosaik am Laborgebäude
Werksbrücke West

Industriepark Höchst

Die Geschichte des heute 4,6 qkm großen Industrieparks Höchst begann mit der Gründung der „Anilin und Anilinfarbenfabrik bei Höchst“ im Jahre 1862. Sie stellte ab 1863 aus Arsensäure den synthetischen, sehr begehrten Farbstoff Fuchsin nach vorindustriellen Verfahren her. 1867 in „Meister, Lucius & Brüning“ umbenannt, entwickelte sich der Betrieb in den nächsten beiden Jahrzehnten zu einem fl orierenden Unternehmen, das ab 1880 als Aktiengesellschaft „Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning“ fi rmierte. Einen entscheidenden Anteil am weiteren Wachstum der Farbwerke besaß die Entwicklung pharmazeutischer Präparate. Mit der Ausweitung der Produktion wuchsen auch die Fabrikanlagen, die fünfzig Jahre nach der Firmengründung mit einer bebauten Fläche von 39 Hektar, eine dem historischen Höchst fast ebenbürtige eigene Stadt bildeten. Nach dem 1. Weltkrieg nutzten die Farbwerke die bei der Produktion von künstlichem Salpeter gemachten Erfahrungen zur Herstellung billiger und wirksamer Düngemittel, die ab Mitte der 1920er Jahre gegenüber den Farbstoffbetrieben des Unternehmens zunehmend an Bedeutung gewann. Die nachkriegsbedingte Beschränkung auf den Inlandsmarkt führte 1925 zum Zusammenschluss der chemischen Großunternehmen Deutschlands in der „I. G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft“, deren Name später durch die enge Zusammenarbeit mit dem Naziregime dauerhaft in Verruf geriet. Die Jahre nach dem 2. Weltkrieg waren gekennzeichnet durch den Wiederaufbau, nun als Hoechst AG (ab 1969), und die Umstellung der Produktion auf Erdöl als Rohstoff für chemische Produkte. Am Standort des ehemaligen Großunternehmens entwickelte sich ab 1996 ein international bedeutender Industriepark für Pharmazie, Chemie und Biotechnologie mit ca. 80 großen und kleineren Unternehmen. Der Industriepark wird von der Betreibergesellschaft Infraserv verwaltet, der das Gelände und die Infrastruktur gehört.

Verwaltungsgebäude

Gegenüber dem Haupt-Comptoir von 1893, aufgestockt 1907 und 1954, entstand 1920-1924 nach den Plänen von Peter Behrens das „Technische Verwaltungsgebäude”, mit Büroräumen, einer Repräsentations- und Ausstellungshalle sowie einem großen Vortragssaal, das zu den herausragenden Beispielen der Architektur der 1920er Jahre in Deutschland gehört. Den monumentalen, außen mit Klinkern in zwei verschiedenen Farbtönen aufgemauerten Backsteinbau gliederte Behrens, um eine monotone Frontentwicklung (168 m) zu vermeiden, in drei Kuben. Zwei folgen mit ihren Längsseiten dem Straßenknick, während der kleinere Kubus sich quer dazwischen schiebt. In seiner Wirkung wird er durch einen wuchtigen Turm, von dem die Verbindungsbrücke zum Altbau ihren Anfang nimmt, besonders hervorgehoben. Diese Brücke war jahrzehntelang das Wahrzeichen der Farbwerke. Im Zentrum des Gebäudes liegt das Treppenhaus von imponierender Größe, dem Behrens durch die Stalaktitenform der acht vom Boden bis unter die Decke mit ihren drei vieleckig gebrochenen Oberlichtern reichenden, farbig gefassten Pfeilern eine fast sakrale Feierlichkeit verlieh. Die auf den Backsteinen aufgetragenen Primärfarben und die Lichtführung wurden immer wieder als Sinnbild der Farbwerke gesehen und als „Umbautes Licht“ bezeichnet.

Versuchsfärberei

Um die Vielzahl der Ende der 1880er Jahre neu entdeckten Farbstoffe schon im Werk auf ihre Eignung für die praktische Verwendung prüfen zu können, errichteten die Farbwerke 1898 eine neue Versuchs- und Musterfärberei. Im Winkel angeordnete dreigeschossige Büro- und Labortrakte umfassen die ebenerdige Färbereihalle, deren Dach von hölzernen Sprengwerksbindern, unterstützt von eisernen Säulen, getragen wird. Die Vorbilder für die Gestaltung des zweifarbigen Backsteingebäudes entstammen der Formenwelt der italienischen Renaissancearchitektur.

Kasinogebäude

Ein vielgestaltiger Gebäudekomplex, der, begonnen 1873 und immer wieder erweitert, sehr unterschiedlichen Nutzungen diente. Die jetzige Gesamtform entstand 1896 durch den östlichen Anbau einer Menage und Festhalle nach Entwurf von Werksbaumeister Heinrich Kutt in zeitgemäßen Formen der Renaissance, kenntlich an den zweifarbigen Backsteinfassaden. Den Höhepunkt des heutigen Kasinos bildet die im originalen Interieur erhaltene Eingangshalle mit aufwendigem Treppenhaus, deren farbige Glasfenster ein Blickfang sind.

Mosaik an Laborgebäude

Den östlichen Treppenturm des 1962 nach Entwurf von Hans Köhler errichteten Gebäudes für die Pharmakonfektionierung schmückt ein wandfüllendes, abstraktes Mosaikbild nach einem Entwurf des Münchener Maler Blasius Spreng. Die Fassaden des Gebäudes wurden versuchsweise mit neu entwickelten Kunststoffmaterialien verkleidet.

Trimodalhafen

Im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der Hoechst AG in den 1990er Jahren wurde ein bestehen-der Beckenhafen bis 2004 zu einem Logistikzentrum ausgebaut. Es verknüpft mittels eines Verladekrans von 65 m Spannweite und mit Hubhöhen von über 20 m den Transport auf dem Wasser mit der Beförderung auf Schiene und Straße. Ihm zugeordnet ist ein Gefahrstofflager mit Gefahrgutplätzen und Containerlager. Ein Portalkran übernimmt das Verladen zwischen Schiene und Straße. Seit Anfang 2005 besteht eine regelmäßige Bahnverbindung nach Busto Arsizio (Italien).

Werksbrücke West

Eine 1970-1972 über den Fluss geschlagene Spannbeton- Schrägseil-Brücke zwischen dem Werksgelände und Sindlingen. Mit einer lichten Weite von 148 m bei einer Breite von 31 m ist sie ausgelegt für Eisenbahn-, Straßen- und Fußgängerverkehr sowie als Rohrtrasse. Geplant von Karl Kreher, dem Leiter der Bauabteilung der Farbwerke Hoechst, übernahm Dyckerhoff & Widmann die Ausführung dieser ersten Schrägseilbrücke der Welt in Spannbetonbauweise sowie der ersten Schrägseilbrücke für Eisenbahnverkehr.

Verladekran

Der markante Wippdrehkran ist das letzte Relikt des 1911 errichteten, 2004 abgebrochenen Elektrizitätswerkes der Mainkraftwerke AG. Der 1954 von MAN gebaute Kran (Tragkraft 3 t) diente fast ein halbes Jahrhundert lang zum Entladen der Kohleschiffe und wurde 2006 als Zeuge für die industrielle Vergangenheit in die neu gestaltete Grünanlage am Mainufer eingebunden.

Alter Hafenkran

Im Bereich des historischen Höchster Flusshafens auf vermutlich barockem Sandsteinsockel gelagerter Dreh- und Schwenkkran des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der mittels Zahnradgetriebe von Hand bewegt werden konnte.

Foto: Stadt Frankfurt

Fußgängersteg über die Nidda

Dynamisch spannt sich als letzte der Niddabrücken der im Volksmund „Seufzerbrücke“ genannte Fußgängersteg. Die Firma Buchheim & Meister betonierte 1913 die 42 m lange Eisenbetonkonstruktion als Bogenbrücke (23 m Stützweite) mit aufgeständerter Fußwegplatte und vertikal gegliedertem Betongeländer.

Foto: Stadt Frankfurt

Bolongaropalast mit Gartenanlage

Emmerich Josef von Breidenbach-Bürresheim, Kurfürst zu Mainz, unterzeichnete 1768 die Gründungsurkunde für eine vor den Toren von Höchst nach barockem Ideal geplante Neustadt, mit der er die Gewerbetätigkeit in der Stadt fördern wollte. Zu den ersten Ansiedlern gehörten die Gebrüder Bolongaro, Tabakfabrikanten und -händler aus Stresa, die sich 1772 den schönsten, auf der Uferböschung des Mains gelegenen Bauplatz sicherten. Vermutlich nach Planung des Mainzer Baudirektors Jakob Josef Schneider entstand bis 1774 die spätbarocke, schlossartige, zum Main hin offene Dreiflügelanlage. Das dem Komplex zugeordnete Lagerhaus an der Kranengasse wurde erst nach dem Tod der Bolongaros (1779 und 1780) fertiggestellt. Heute beherbergt das Gebäude verschiedene städtische Verwaltungen , ein Bürgerbüro und kulturelle Einrichtungen und soll umfassend restauriert werden.

Foto: Stadt Frankfurt

Höchster Porzellan-Manufaktur Breuer

Von den seit 1879 sich ausdehnenden Produktionsgebäuden der „Maschinenund Armaturenfabrik vorm. H. Breuer & Co.“ hat nur der 1907 für die Motorenfabrikation erbaute Geschossbau die Fährnisse der Zeit überlebt. Das Gebäude vertritt mit der konsequenten Darstellung der inneren Konstruktion auch in der Fassade ein für den Industriebau der Neuzeit typisches architektonisches Konzept - auch wenn die Details ihre Herkunft aus der Backsteingotik Norddeutschlands nicht verleugnen. Nach Jahren des Leerstandes und einer umfassenden Sanierung zu Beginn der 1990er Jahre wird das Gebäude heute von der Höchster Porzellan-Manufaktur als Produktionsstätte genutzt.

Foto: Stadt Frankfurt

Eisenbahnbrücke über die Nidda

Zu den ersten errichteten Kunstbauten innerhalb der Strecke der 1838-1840 gebauten Taunusbahn gehörte die Brücke über die Nidda. Sie ist eine der wenigen fast original erhaltenen Flussbrücken aus der Frühzeit der Eisenbahn in Deutschland und die älteste, über die noch Züge rollen. In sauberer Werksteinausführung aus rotem Sandstein spannt sie sich mit drei Flachbögen von je 10 m lichter Weite, unterstützt von Pfeilern mit halbkreisförmigen Vorköpfen, zwischen den ca. 6 m hohen Bahndämmen über den Fluss.

Foto: Stadt Frankfurt

Eisenbahnersiedlung

Um den dringend benötigten Wohnraum für die Arbeiter der 1918 eröffneten Königlich-Preußischen Lokomotivhauptwerkstätte zu schaffen, begann der „Frankfurter Sparund Bauverein von Eisenbahnbediensteten GmbH“ (der spätere Eisenbahner- Siedlungsverein Frankfurt a. M.) im gleichen Jahr mit der Anlage einer Siedlung nördlich des Werkgeländes nach Plänen des Architekturbüros Schelling & Zweifel in Anlehnung an die Ideen der Gartenstadtbewegung. Die Bautätigkeit fand ihren vorläufigen Abschluss 1933 mit der Eröffnung von Schule, Betsaal und Notkirche. In die im Grundriss hufeisenförmige, durch eine miteinander verbundene Bebauung aus Reihenhäusern und Nebengebäuden, nach außen sehr geschlossen wirkende Anlage führt seit 1921 ein vierbogiges Torhaus, hinter dem sich der Neumarkt weitet.

Fotos: Stadt Frankfurt
Laborgebäude
Fabrikgebäude

Industriepark Griesheim

1856 genehmigte die Stadt Frankfurt die Gründung einer „Aktiengesellschaft für landwirtschaftlich-chemische Produkte“ in der Stadt. Ihr kam dadurch die Gewerbesteuer zugute. Außerdem genehmigte sie den Fabrikationsbetrieb auf Griesheimer Gemarkung, in dem ab 1857 Schwefel- und Salpetersäure sowie Kunstdünger hergestellt wurden. Hauptabnehmer der als Rohstoff für die Teerfarbenherstellung benötigten Säuren waren ab 1868 „Meister Lucius & Brüning“ im benachbarten Höchst. Nach 1882 begann die „Chemische Fabrik Griesheim am Main“ mit der Herstellung von Vorprodukten für die Farbstoffsynthese. Für die Verwertung des Chlor-Alkali-Elektrolyse-Verfahrens, das 1890 in Griesheim erstmals weltweit im industriellen Produktionsmaßstab eingesetzt wurde, entstand schließlich 1898 die „Chemische Fabrik Griesheim-Elektron“. Zwischen 1900 und 1904 entwickelte der Griesheimer Betriebsingenieur Ernst Wiss das autogene Schweißen und Schneiden, wofür das 1916 gegründete Werk „Griesheim-Autogen“ die Geräte und Maschinen herstellte. Die Übernahme in die I. G. Farbenindustrie AG 1925 brachte den Verlust der Selbstständigkeit. Nach einem kurzen Zwischenspiel unter amerikanischer Verwaltung wurde das Werk Griesheim 1952 in die Farbwerke Hoechst AG eingegliedert. Nach den Umstrukturierungsmaßnahmen in den 1990er Jahren wurde der Standort an die Clariant AG verkauft. Nach mehreren weiteren Eigentümerwechseln betreibt heute „Infrasite Griesheim“, ein Unternehmen von Infraserv Höchst, den Industriepark mit rund 30 verschiedenen Unternehmen der Chemiebranche auf einem Gelände von 74 Hektar mit etwa 100 Gebäuden.

Laborgebäude

Das Laboratorium 2 wurde 1898 nach Entwurf des Werksarchitekten Philipp Belschner an der Mainfront erbaut. Als wohl einziges unter den ansonsten nach rein funktionalen Kriterien errichteten, höchstens aus statischer Notwendigkeit durch Lisenen (Wandvorlagen) gelgliederten Fabrikgebäuden, erhielt es eine repräsentative Schaufassade. Die Backsteinfassaden in renaissancistischen Formen des eingeschossigen Gebäudes gliedern gleichmäßig Lisenen und Rundbogenfenster unter einer verbindenden Attika. Allein die siebenachsige Straßenfassade wird axial betont durch einen den Attikaabschluss überragenden Mittelrisalit mit dreibahnigem Thermenfenster, hinter dem sich das Hauptlabor befand.

Fabrikgebäude

Das mehrgeschossige Fabrikgebäude dient der Herstellung des Pflanzenschutzmittels Thiodan. Die Anlage wird von Bayer CropScience betrieben. Das Gebäude wurde 1975 nach den Plänen von Wilhelm Demmer, einem Werksarchitekten der Hoechst AG, errichtet. Seine architektonische Besonderheit besteht darin, dass im Fall eines Brandes oder einer Explosion die Leichtbaufassade abfallen kann, wodurch die Druckwellen aus dem Gebäude entweichen können. Auf diese Weise bleibt die Gebäudestruktur, ohne großen Schaden anzurichten, erhalten.

Deponie

Nach einem Streit mit dem Landkreis und der Gemeinde Griesheim wegen Ernteschäden durch Salzsäureeinwirkung entschied die chemische Fabrik 1873, die anfallenden Sodaschlämme auf einem inzwischen zum Werksgelände gehörenden Grundstück abzulagern. Hier wurden sie im Laufe von ca. 60 Jahren bis zu 40 m aufgetürmt und bilden bis heute als “Griesheimer Alpen” ein Wahrzeichen der Fabrik. Um immer wieder aufgetretene Geruchsbelästigung auszuschließen, musste die Halde mit Eisenoxyd abgedeckt (daher die rote Farbe) und Umweltkontrollgeräte angebracht werden. An eine öffentliche Zugänglichkeit ist nicht zu denken.

Carbonwerk

In 12 hintereinander aufgereihten mächtigen Ringöfen werden im Werk Griesheim große Kohlenstoff-Elektroden produziert, die zur Herstellung von Aluminium, Edelstahl u.a. Metallen Verwendung finden. Mit der Einführung der Chlor-Alkali-Elektrolyse 1892 hatte die chemische Fabrik Griesheim technisches Neuland betreten und sich im Laufe der Zeit insbesondere in der Herstellung von Elektroden eine Weltmarktstellung erworben. Die heutige, technisch immer wieder weiterentwickelte Produktion ist Teil des multi-nationalen Konzerns der SGL Carbon GmbH (seit 1991), Marktführer für Kohlenstoffprodukte aller Art.

Arbeitersiedlung Griesheim

Fünf Jahre nach ihrer Gründung 1856 begann die Chemische Fabrik Griesheim mit dem Bau von Familienunterkünften in Doppelhäusern mit je 4 Wohneinheiten. Von dem bis 1914 auf 259 Werkswohnungen angewachsenen Bestand haben sich in der Elektronstraße vier 1898 bezogene Doppelhäuser erhalten. Die einfachen, von Segmentbogenfenstern durchbrochenen Backsteinfassaden werden, wie im ländlichen Bauen üblich, horizontal durch schmale, die Geschosse trennende Gesimse betont. Verandaähnliche Vorbauten an beiden Giebelseiten markieren die Hauseingänge.

Recycling Zentrum

Auf dem ehemals zum Chemiewerk Griesheim gehörenden Gelände wurde 2003 von der „Werkstatt Frankfurt GmbH“ eine erhaltene Produktionshalle in Stahlbauweise zu einem Entsorgungs- und Umwandlungsbetrieb für Haushalts- Elektro-Geräte umgewandelt. In den beiden neu errichteten Kopfbauten sind Sozialräume für die Mitarbeiter bzw. die An- und Abfahrtsrampen untergebracht. Bemerkenswert ist die architektonische Gestaltung. So erscheinen die Kopfbauten als einfache Kuben mit Stanzungen und Rücksprüngen, die die Assoziation mit den technischen Geräten, die hier zerlegt oder repariert werden, erzeugen sollen.

Foto: Stadt Frankfurt

Frankfurter Feldbahnmuseum

1985 konnte der 1975 gegründete Verein endlich ein Museum am Rebstockgelände beziehen. Hier wurden 2 Hallen mit über 1.000 qm errichtet, die der Wartung und dem Unterstellen der zahlreichen Fahrzeuge dienen und darüber hinaus Schreinerei, Schlosserei und einen Ausstellungstrakt beherbergen. Im Museum befindet sich eine lebendige und umfassende Darstellung des Transportsystems „Feldbahn” mit Originalfahrzeugen für diverse Wirtschaftszweige sowie ein kompletter Feldbahnzug aus den Kriegszeiten. 14 Dampfloks, 17 Dieseltriebfahrzeuge sowie Güterwagen, Schienenfahrräder und Draisinen gehören zum Fundus des Museums. An den angebotenen Fahrtagen kann man quer durch den Rebstockpark einen Einblick in eine fast vergessene Arbeitswelt erleben.

Ehemalige Deutsche Vereinigte Schuhmaschinenfabrik

Die als Tochtergesellschaft der amerikanischen United Shoe Machinery Corporation 1900 in Frankfurt gegründete DVSG begann 1903 mit der Produktion von Schuhmaschinen in dem in einer Mischbauweise aus innerer Eisenkonstruktion und äußerem Backsteinmauerwerk errichteten Fabrikgebäude. Die Fassadengestaltung ist noch der Tradition des ausgehenden 19. Jahrhunderts verhaftet. Der drei Jahre jüngere viergeschossige Neubau vertritt dagegen den sachlichen Stil des modernen Bauens. Nach Stilllegung in den 1980er Jahren zogen rund 30 kleinere Unternehmen in das geschickt umgewandelte Gebäude.

Wasserturm Rödelheim

Der 1895, fünfzehn Jahre vor der Eingemeindung, in Betrieb gegangene schlanke Wasserturm mit seinem prägnanten Kopf wirkt auch heute noch als Landmarke im Nordwesten der Stadt. Aus einem auf den ersten 10 m mit Werkstein verkleideten Kegelstumpf wächst der nun nur noch leicht konische Schaft bis zu einer Höhe von etwa 27 m, wo er unter wulstig auskragenden, zwölfeckigen Ringen endet, auf denen dreigeschossig die den Behälter (380 cbm) mit ihrer Schieferverkleidung schützende Fassade aufsitzt. Der Turm ist heute außer Betrieb.

Kelterei Possmann

In den Sandstein-Kellern des Frankfurter Familienbetriebes lagern bis zu 20 Mio. Liter Apfelwein in riesigen Stahltanks. Drei dieser Behälter haben eine ungewöhnliche Herkunft: Es handelt sich um Druckbehälter von U-Booten aus dem 2. Weltkrieg. Sie wurden 1948 in eine alte Ziegelei in Rödelheim transportiert, die seitdem Sitz der Kelterei Possmann ist. Erst nachdem die Behälter tief im Boden montiert waren, konnte das Gebäude darüber errichtet werden. Bereits seit 1875 ist die Kelterei in Frankfurt ansässig, erst in der Fahrgasse, später in Alt-Rödelheim.

Foto: Stadt Frankfurt

Stadtbahn - Zentralwerkstatt

Heerstraße 305 Stadtbahn-Zentralwerkstatt 1978 wurde die Stadtbahn- Zentralwerkstatt als Neubau, auf einem rund 80.000 qm großen Gelände am nordwestlichen Stadtrand Frankfurts, in Betrieb genommen. Die Anlage dient zur Instandhaltung der in Frankfurt eingesetzten Straßenbahn- und U-Bahnwagen. Das Gebäude umfasst eine Grundfläche von rund 22.000 qm und besteht aus einer großen Fahrzeughalle mit Schiebebühne und mehreren separat abgeteilten Einzelwerkstätten. Eine umfangreiche Werkstattausrüstung ermöglicht außer den gängigen Instandhaltungsarbeiten auch: Unfall-Instandsetzung von Schienenfahrzeugen, Instandsetzung von Schienenfahrzeugkomponenten, Anfertigung von Einzelteilen, Fahrzeugumbau, Teileund Fahrzeuglackierung. Um das Werkstattgebäude führt ein ca. 1.000 m langes Umfahrungsgleis für Probefahrten.

Brotfabrik Hausen

Die um 1870 von Louis Lautz und Louis Hofmann aus Darmstadt gegründete Fabrik erhielt 1909 ihr heutiges Aussehen durch einen Neubau in Verblendmauerwerk, dessen Front Eckrisalite flankieren. Nach dem 2. Weltkrieg ging die Firma zusammen mit der Mehl- und Brotfabrik Hausen in den Vereinigten Hausener Brotfabriken Erich L. Fuchs auf. Nach Aufgabe der Produktion wird das Gebäude seit den 1970er Jahren als beliebtes Kulturzentrum genutzt.

Industriegeschichte in Frankfurt Am Main - Mitte

Das seit dem Mittelalter auf den Warenhandel, seit dem späten 18. Jahrhundert zusätzlich verstärkt auf den Geldhandel fixierte Frankfurt bot nie das Bild einer von rauchenden Schloten geprägten Industriestadt. Ohne eigene Rohstoffquellen zu besitzen, bemühte sich die 1866 zur preußischen Provinzstadt degradierte Freie Reichs-stadt, mit preußischem Geld eine moderne Infrastruktur aufzubauen – so die zentrale Wasserversorgung, Kanalisation und Kläranlage, die Kanalisierung des Mains, die Anlage des Westhafens und die Modernisierung des Eisenbahnknotens. Dadurch konnte Frankfurt in den 1880er Jahren erneut zum Wirtschaftszentrum Südwest-deutschlands aufsteigen. Doch eine „Industriestadt im eigentlichen Sinne des Wortes“, also eine Stadt der Schwerindustrie, wie die Industrie- und Handelskammer noch 1892 bemerkte, wollte und konnte Frankfurt nie werden. Dennoch ist es die bei weitem bedeutendste Industriestadt des Rhein-Main-Gebietes geworden. Und dies vor allem, weil sich das Gewerbe seit der Einführung der Gewerbefreiheit 1864 in einer Vielzahl von Branchen auf eine lohnintensive Fertigung konzentriert hatte. Mit Beginn der zweiten industriellen Revolution, als die Elektrizität die Dampfmaschine als Antriebskraft im Produktionsprozess abzulösen begann – in Frankfurt eingeläutet mit der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung von 1891 – hat sich das Wirtschaftsgefüge der Stadt schlag-artig geändert. Maschinenbaufabriken und Unternehmen der Elektrotechnik besaßen nun die gleiche Bedeutung wie der Geld- und Warenhandel, ohne dass sie das Stadt-bild dominierten. Denn ihre Fabrikbauten unterschieden sich im Typus nur unwesentlich von den Verwaltungsgebäuden der Handels- und Bankhäuser. Eine geschickte Politik hatte es zudem geschafft, jegliche störende Industrie in die damaligen Vororte, so nach Bockenheim und Griesheim, zu verbannen, dafür aber deren Geschäftssitz, der Gewerbesteuer wegen, nach Frankfurt zu ziehen. So konnte Frankfurt „in jeder Hinsicht eine schöne Stadt“ bleiben. Dies änderte sich mit der Eröffnung des Haupt-bahnhofes 1888, als an dessen Nordflanke im Gallus ein neues Industriegebiet entstand mit Unternehmen von weltweitem Bekanntheitsgrad, unter denen die Adlerwerke für fast ein Jahrhundert dominierten.

Foto: Stadt Frankfurt

Flusshafen Gutleuthof

Im Unterschied zu den übrigen sogenannten Beckenhäfen wurde der Gutleuthafen als Flusshafen gebaut (1960-65). Hier legen die Güterschiffe unmittelbar im Fließwasser an. Die Kaimauern bestehen aus stählernen Spundwänden. Die Lager-, Industrie- und Umschlagsplätze sind bis heute voll genutzt, nur der leer stehende östliche Teil soll zu einem Wohnviertel umgebaut werden. Als beachtenswert gelten die unterschiedlichen Verladeeinrichtungen und Kräne. Wie alle Häfen in Frankfurt ist der Gutleuthafen trimodal über Wasserweg, Schiene und Straße erreichbar. Das macht ihn zu einem attraktiven Versorgungspunkt für die Region. Inmitten dieses Hafengebiets liegt das Betonwerk von Sehring Beton GmbH & Co KG, eines der modernsten Werke zur Herstellung von Lieferbeton.

Briefzentrum

Die Einrichtung von 83 Briefzentren in Deutschland revolutionierte die Briefbeförderung grundlegend. In Frankfurt werden seit 1997 täglich bis zu 4,5 Millionen Sendungen bearbeitet und nur noch per LKW befördert. Die Sortierung und Stempelung geschieht automatisch über ein ausgeklügeltes System von Transportbändern innerhalb der riesigen, 60 x 300 m messenden Halle.

Foto: Stadt Frankfurt

Prüfamt E-Werk

Von den Städtischen Elektrizitätswerken 1928-1929 nach Entwurf des Hochbauamtsarchitekten Adolf Meyer errichteter Betriebskomplex mit Magazinen, Werkstätten, Transformatoren- und Schaltstationen, Laboratorien, Kabellagern, Räumen für die Eichung elektrischer Messgeräte sowie Arbeitsplätzen für die zuständige Bauabteilung. Unter den sämtlich aus Eisenbeton ausgeführten Bauteilen erregte bereits zur Bauzeit die auf acht Säulen ruhende, flach gekrümmte Zeiß- Dywidag-Kuppel (Ø 26 m, Schalendicke 4 cm) über dem Montagehof besondere Aufmerksamkeit. Sie galt als eine der gewagtesten Betonkonstruktionen der 1920er Jahre.

Druckwasserwerk Westhafen

Mit dem durch 2 Dampfmaschinen erzeugten Druckwasser wurden ab 1886 fast alle mechanischen Anlagen östlich der Main-Neckar- Eisenbahnbrücke betrieben. So wurden die Krananlagen zum Löschen und Laden der Schiffe, die Spille zur Fortbewegung der Schiffe und Eisenbahnwaggons, Schiebebühnen, Aufzüge im Lagerhaus und ein fahrbarer Getreideelevator hydraulisch angetrieben. Die maschinelle Anlage des Druckwasserwerks, konzipiert von dem Ingenieur W. H. Lindley, wurde um 1960 verschrottet. Vom ehemaligen Druckwasserwerk ist im Wesentlichen die neoromanische Backsteinhülle mit 2 flankierenden Türmen nach aufwendiger Renovierung erhalten. Heute ist es Teil der neuen Westhafenbebaung und wurde 2008 zu einem attraktiven Café- Restaurant umgestaltet.

Foto: Stadt Frankfurt

Heizkraftwerk West

Am Standort des ersten Frankfurter Elektrizitätswerkes, erbaut 1893-1894 nach architektonischem Entwurf von Franz von Hoven, mehrfach in den folgenden Jahrzehnten erweitert, entstand nach Planung des Frankfurter Architekturbüros Jourdan & Müller ab 1985 ein nach den neuesten Erkenntnissen einer umweltverträglichen Energieerzeugung arbeitendes Heizkraftwerk. Neben der Stromerzeugung beliefert das Heizkraftwerk die gesamte Frankfurter Innenstadt und große Teile Sachsenhausens mit Fernwärme.

Foto: Stadt Frankfurt

Entladeanlage und Verwaltungsgebäude

Die für das Heizkraftwerk notwendige fein gemahlene Kohle wird mittels eines neuartigen Krans aus den Kohlenschiffen befördert: in seinem „Rüssel“ dreht sich eine Archimedische Schraube, über die die Kohle auf ein Förderband gelangt, das durch die beachtenswerte Bürobebauung (2002, Architekten Schneider+Schumacher) in das Heizkraftwerk führt.

Foto: Stadt Frankfurt
Foto: Stadt Frankfurt
Foto: Stadt Frankfurt

Frankfurt (Main) Hauptbahnhof

Seit dem Bau der Taunusbahn (1838-1840) begann sich Frankfurt am Main rasch zum wichtigsten Eisenbahnknoten des südwestdeutschen Wirtschaftsraumes zu entwickeln. In den drei Bahnhöfen westlich vor den Wallanlagen fuhren in den 1860er Jahren acht Linien ein. In jenem Jahrzehnt wurden bereits die Kapazitätsgrenzen der Bahnanlagen erreicht. Diese Schwächen zeigten sich im deutsch-französischen Krieg 1870-1871 noch deutlicher. Deshalb beschäftigten sich die preußischen Staatseisenbahnen gemeinsam mit der Hessischen Ludwigsbahn ab 1872 mit den Vorarbeiten zu einem Bahnhofsneubau. Nach Abschluss der eisenbahntechnischen Planung genehmigte das preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten Ende 1879 den Neubau eines „Central-Personen-Bahnhofs“ und den zweier Güterbahnhöfe. Während mit dem Bau der Gleisanlagen sofort begonnen wurde, entschied ein 1880 ausgelobter Architektenwettbewerb über die Ausführung des Empfangsgebäudes.

Empfangsgebäude

1883-1888 entstand nach den Plänen Hermann Eggerts das dreiseitig die Perronhallen umschließende Empfangsgebäude aus gelbem Sandstein als ein neues monumentales „Stadttor“ in noblen Formen der Neurenaissance. Die 206 m lange Stadtfassade schmückt ein Skulpturenprogramm, entworfen von den bekanntesten Bildhauern der Zeit, mit Allegorien zu Handel, Landwirtschaft, Verkehr und Industrie, konzentriert auf den Risalit des Haupteingangs, den eine überlebensgroße Atlantengruppe krönt. Der Frankfurter Hauptbahnhof war lange Zeit die größte Eisenbahnstation des europäischen Kontinents. Er musste 1912-1924 von 18 auf 24 Gleise erweitert werden, bei einem gleichzeitigen Ersatz der Außenschiffe in neoklassizistischen Formen. 1970-1976 folgte eine unterirdische Erweiterung um 4 S-Bahngleise. Heute passieren täglich etwa 400.000 Reisende den Bahnhof.

Bahnsteighallen

Die im Abstand von 9,30 m das Dach tragenden Fachwerkbinder der drei ursprünglichen, 186,40 m langen Gleishallen konstruierte Johann Wilhelm Schwedler, der wohl bedeutendste Ingenieur seiner Zeit auf dem Gebiet der Eisenkonstruktionen. Er entwarf sie als Dreigelenkbogen mit Spannweiten von je 56 m (Scheitelhöhe 28,60 m). Bei der Erweiterung von 1912-1924 wurde das historische Konstruktionsprinzip beibehalten, jedoch die Spannweiten entsprechend der geringeren Anzahl der Gleise fast halbiert. Entsprechend verringerte sich die Scheitelhöhe auf ca. 23 m. Die Oberlichter folgten nicht mehr der Krümmung des Daches, sondern bildeten eine abgestufte Laterne in Längsrichtung. Bei der 2002-2005 durchgeführten Grundinstandsetzung der Hallen wurde der historische Zustand rekonstruiert.

Zentralstellwerk

Zu Beginn der 1950er Jahre stießen die 7 bis dahin vorhandenen Stellwerke an ihre Leistungsgrenzen, ebenso wenig genügte ihre Technik für die mit der Elektrifi-zierung verbundene schnellere Betriebsabwicklung. In der Glaskanzel des 1957 zwischen den Gleisen 9 und 10 errichteten „Kommandoturms“ installierte die Firma Siemens ein Drucktastenstellwerk als Pionierprojekt. 2005 durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt, wird für das leere Gebäude eine neue Nutzung gesucht.

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Villa Kleyer

Für Heinrich Kleyer, den Gründer der weltbekannten Adlerwerke, entwarf der Frankfurter Architekt Heinrich Theodor Schmidt das 1891-1892 erbaute Wohnhaus in repräsentativen Formen des Neobarock. Hinter den durch figürliche Bauplastik belebten Fassaden aus rotem Sandstein verbergen sich ein großzügiges Treppenhaus und Reste des ursprünglichen Interieurs.

DGB - Haus

Der Deutsche Gewerkschaftsbund beauftragte den Berliner Architekten Max Taut mit der Planung für ein Volkshaus mit Saalbau und Hotel am Main. Realisiert wurde bis 1931 nur das Verwaltungsgebäude auf T-förmigem Grundriss. Der quer zur Straße stehende, neungeschossige Bürotrakt wurde ebenso wie das dreigeschossige, straßenparallele Gebäude als mit Schwemmsteinen ausgefachter Stahlbeton-Skelettbau ausgeführt. Er war eines der ersten Hochhäuser in Frankfurt. Nach Aufl ösung der Gewerkschaft 1933 wurde es in „Haus der deutschen Arbeitsfront“ umbenannt. 1949 Erweiterung durch ein 5-geschossiges Bürogebäude entlang des Mains nach Planung von Max Taut mit Übernahme der Formen von 1931.

Herkuleskran

Der 1887 im „Nizza“ aufgestellte Drehkran stand ursprünglich weiter östlich bei St. Leonhard. Er bildet eine Reminiszenz an die früheren Hafenanlagen von Frankfurt.

Alte Börse

Als Ersatz eines Börsengebäudes am Paulsplatz von 1874-1879 entwarfen Heinrich Burnitz und Oskar Sommer den in noblen Formen der Neurenaissance errichteten monumentalen Kuppelbau als eine dem Börsengeschäft zugemessene Repräsentationsarchitektur. Die durch Eckrisalite und Vorhalle mit paariger Säulenstellung raumgreifend gegliederte Hauptfassade aus gelbem Sandstein wird in ihrer Wirkung verstärkt durch ein Programm allegorischer Bauplastik. Sie versinnbildlicht in Reliefs in den Zwickeln der Fensterbögen oder als Skulpturen auf den Gesimsen alle mit der Börse zusammenhängenden Tätigkeiten. Der von Otto Apel 1957-1960 ersetzte östliche Seitenfl ügel wurde ebenso wie der von Robert Wollmann 1930 angebaute Westfl ügel seit 2002 durch den Architekten Mariano Rincon in den Fassaden umgestaltet.

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Parkhaus Hauptwache

Es ist das erste öffentliche Parkhaus in Frankfurt und gleichsam der Prototyp von 10 weiteren innerstädtischen Parkhäusern, mit denen die steigende Nachfrage nach Stellplätzen befriedigt werden sollte. Die Bauart in Stahlbeton, 1955 von den Architekten M. Meid und H. Romeick konzipiert, ist sehr einfach und effektiv: Zwei Spindelrampen erschließen die vier Obergeschosse. Die Stellplätze sind belichtet und belüftet. Bei der jüngsten Komplettsanierung wurden die Ansprüche der Denkmalpflege berücksichtigt.

Philipp Reis Denkmal

Eschenheimer Anlage Eschenheimer Tor Johann Philipp Reis (1834- 1874) stellte seine Erfindung des Telefons zum ersten Mal am 26.10.1861 im Physikalischen Verein Frankfurts vor. Das 50 Jahre später im Jugendstil errichtete Denkmal zeigt zwei nackte, telefonierende Jünglinge. Dazwischen ragt eine Säule mit der Büste von Johann Philipp Reis auf.

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Otto Hahn Denkmal

Die von dem Bildhauer Knud Knudsen geschaffene Büste des Entdeckers der Kernspaltung, des Nobelpreisträgers und Ehrenbürgers der Stadt Frankfurt, Professor Dr. Otto Hahn, wurde an dessen 10. Todestag, am 28.7.1978, enthüllt. Sie steht an der Stelle seines im Krieg zerstörten Geburtshauses.

Ehemalige Brauerei Henrich

Als letztes Relikt der bis 1864 in der Innenstadt zahlreich ansässigen Bierbrauereien dient der um 1870 für die Brauerei Johann Gerhard Henrich gegrabene Keller auch heute noch Lagerzwecken. Der durch gemauerte Tonnengewölbe abgeschlossene Kellerraum wird durch mächtige Säulen aus Sandstein und Gusseisen mit romanischen Würfelkapitellen strukturiert.

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Hellerhof Siedlung 1 und 2

Die 1902 von der Stadt Frankfurt und dem Bauunternehmen Philipp Holzmann gegründete Hellerhof AG errichtete bis 1904 73 freistehende Doppelhäuser mit jeweils 12 Kleinwohnungen für Industriearbeiter aus dem Gallus. Die zweigeschossigen Häuser mit spitzen Giebeln sind mit zwei- bis dreifarbigem Blendsteinmauerwerk verkleidet, dessen Ornamentik von Haus zu Haus leicht variiert. Von 1929-1931 wurden in einem 2. Bauabschnitt entlang der Frankenallee rund 800 weitere Kleinwohnungen errichtet. Diesmal waren sie in zwei- bis viergeschossigen Zeilenbauten untergebracht, die von dem holländischen Architekten Mart Stam im Rahmen des von Ernst May getragenen Programms des Neuen Frankfurts konzipiert worden sind. Sie stellen ein hervorragendes Beispiel moderner Architektur für den sozialen Wohnungsbau dar.

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Technische Sammlung Hochhut

Die Technische Sammlung Hochhut zeigt in den Ausstellungsräumen einen Querschnitt durch die Entwicklungsgeschichte der Antriebstechnik. Neben Motoren und Dampfmaschinen sind auch frühe Automobile und Motorräder sowie weitere technische Exponate ausgestellt.

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Adlerwerke / Gedenkstätte KZ Katzbach

Mit der seit 1886 bestehenden Fahrradfabrik bezog Heinrich Kleyer 1889 auf dem von der Hessischen Ludwigsbahn entwickelten Industriegelände eine neu erbaute Fabrik. Abhängig von der Ausweitung der Produktion durch Schreibmaschinen, Autos und Motorräder wuchs auch die Baumasse der Fabrikanlage. Sie erreichte mit den Erweiterungen von 1906/07 und 1910/12 ihre größte Ausdehnung. Mit ihrer Beton- und Eisenskelettkonstruktion befanden sich die Fabrikbauten auf der bautechnischen Höhe der Zeit. Anachronistisch dagegen wirkt das Äußere durch die massiv in Backstein ausgeführten historisierenden Fassaden, die mit zinnenbewehrten Treppentürmen eher an lombardische Backsteinburgen der Spätgotik erinnern. Im August 1944 wurde im Frankfurter Stadtteil Gallus auf dem Gelände der Adlerwerke ein Konzentrationslager mit dem Decknamen „Katzbach“ in Betrieb genommen. Etwa 1.600 Zwangsarbeiter erlitten hier unbeschreibliche Qualen. Nur wenige von ihnen überlebten. Die 1992 stillgelegten Fabrikgebäude wurden bis 1997 durch einen neuen Eigentümer nach Planung von Jourdan & Müller mit neuer Nutzung (Verwaltung der DB Station & Service AG) reaktiviert. Im Erdgeschoss des östlichen Gebäudeflügels zog das freie Gallus-Theater ein. Im 2. Hof wurde 2001 ein Kompressor aus dem Bestand der ehemaligen Cassella AG als Denkmal installiert.

Eisenbahndenkmal

Vor der DB-Zentrale wurde 2002 der Mitropa-Speisewagen Typ 1189 P von 1939 aufgestellt sowie die E-Lok 104 020, eine leichte Schnellzuglokomotive von 1934. Beide Denkmalfahrzeuge wurden aufwendig in ihren Ursprungszustand rückversetzt und in einer spektakulären Aktion am 3.11.2002 auf ihr Gleis gesetzt.

Wasserturm der DB

Ein 1910 errichteter Wasserturm. Über einem konischen Schaft tragen Konsolen die mit schmalen Stützen verstärkte Rabitzschale des Außenwandzylinders, hinter dem sich, geschützt durch ein Mansardkegeldach, ein Wasserbehälter Intzescher Bauart befindet.

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Messe Frankfurt

In Frankfurt werden seit 1240 Messen abgehalten. Bis ins 19. Jahrhundert fanden sie in den engen Gassen, Plätzen und Handelshöfen der Altstadt statt sowie gelegentlich am Mainufer. 1907 wurde die Messegesellschaft neu gegründet, und seitdem werden die Messen und Sonderausstellungen (z.B. 1909 Internationale Luftschifffahrt-Ausstellung) außerhalb der Stadt auf dem neuen Messegelände abgehalten. Neben der 1909 eröffneten Festhalle entstehen bis heute immer wieder neue, größere und auch architektonisch beachtenswerte Messehallen für die unterschiedlichsten Veranstaltungen, die weltweite Bedeutung erlangt haben. Heute umfasst das Messegelände insgesamt 10 Messehallen mit einer Ausstellungsfläche von über 360.000 qm sowie ein Freigelände von ca. 95.000 qm.

Festhalle

Im Vorgriff auf den 3. Wettstreit Deutscher Männer-Gesangs-Vereine 1909, für den in Frankfurt ein geeigneter Veranstaltungsort fehlte, veranlasste die Stadt 1906 einen Architektenwettbewerb. Aus ihm ging nach einer zweiten Überarbeitungsstufe Friedrich von Thiersch als Sieger hervor. Nach seinem Entwurf entstand bis 1909 eine der größten Hallenkonstruktionen Europas, aus deren rechteckiger Grundfläche (111 x 48 m) elliptisch gekrümmte Binder als durchbrochene Stahl-Vollwandträger zum Kuppelring der Scheitellaterne in 30,5 m Höhe aufsteigen. Das ursprünglich geplante Gesamtensemble bleibt bis heute unvollendet, ist aber in der Gestalt von 1908 bis zur Jahrhundertfeier rekonstruiert worden. Die Halle wird außerhalb der Messen für politische und kulturelle Großveranstaltungen genutzt.

Halle 3

Die neue Messehalle 3, errichtet auf dem Gelände des ehem. Hauptgüterbahnhofs, weist gigantische Ausmaße auf: 140 mal 220 m im Grundriss, Höhe 43 m und 38.000 qm Ausstellungsfläche auf zwei Ebenen. Das Dach besteht aus fünf doppelt gekrümmten stählernen Stabtragbögen mit einer Spannweite von 165 m. Die obere, völlig stützenfreie Ebene wird für den Messeauf- und Abbau durch 8 Aufzüge für Lastwagen (bis zu 15 t) erschlossen. Die 2000/01 in nur 17 Monaten errichtete, von Nicholas Grimshaw entworfene Halle zählt zu den modernsten und beeindruckendsten Messehallen Europas.

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Hammering Man

Stahlskulptur von Jonathan Borofsky, 1991 am Fuße des Messeturms errichtet. In seiner archetypischen Bildhaftigkeit erinnert der „Hammering Man” an einen Scherenschnitt. Mit seiner monotonen Armbewegung – im Atemrhythmus von zweimal Ein- und zweimal Ausatmen – ist er ein Sinnbild des arbeitenden Menschen. Als Symbol steht er für das unaufhaltsame Fortschreiten der Zeit. Durch seine beachtliche Größe von 21 m ist der „Hammering Man” zu einem Wahrzeichen von Frankfurt geworden.

Bauersche Schriftgießerei

Die 1833 gegründete Schriftgießerei entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Unternehmen dieser Branche in Deutschland. 1904 übersiedelte die Fabrik in das neu errichtete Gebäude an der damaligen Moltkeallee. Die Fassaden zeigen das typische Bild eines Jugendstil-Industriegebäudes. Heute befinden sich hier Büroräume und das Programmkino „Orfeo‘s Erben“ mit Gastronomiebetrieb.

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E-Werk Bockenheim

Das Ensemble wurde 1892 von der „Elektrizitäts-Aktien- Gesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co.“ erbaut. Ein straßenseitiges Giebelpaar, an das sich zweiachsige Seitenflügel mit ebenfalls neoromanischen Backsteinfassaden anschließen, verbirgt die im Obergurt parabelförmig gekrümmte eiserne Dachkonstruktion des zweischiffigen Maschinenund Kesselhauses. An der Nordseite endet das Gebäude in gestaltprägenden Türmen, zu denen im Süden der auf hohem Ziersockel erbaute Schornstein ein Gegengewicht bildet. Das Gebäude befindet sich in Privateigentum und wird im Wesentlichen als Remise genutzt.

Wasserturm I. C. G. A.

Für den Neubau der Gasanstalt der Imperial Continental Gas Association 1869 errichteter zylindrischer Wasserturm in Eisenfachwerk mit zweifarbiger Ziegelausfachung. Wegen gravierender Bauschäden musste die Ziegelhülle entfernt werden. Die eigentliche Konstruktion – vier gusseiserne Säulen samt den Flachbodenbehältern – fand einen neuen Platz als Denkmal innerhalb der Neubauten der Mainova-Zentrale.

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Bockenheimer Depot

Route der Industriekultur Rhein-Main

Am Platz eines seit 1882 bestehenden Betriebshofes der Frankfurter Trambahn AG wurde im Auftrag der Stadt 1898-1899 eine neue Wagenhalle für die städtische (elektrifizierte) Straßenbahn errichtet. Die Außenwände in Backsteinrohbau umschlossen ursprünglich einen dreischiffigen basilikalen Raum, dessen 14,2 m breites Mittelschiff die von Ph. Holzmann & Co. seriell gefertigten hölzernen Bogenbinder überspannen, einer Sparkonstruktion, die auf eine Entwicklung von Ph. de l’Orme im 16. Jh. zurückgeht. Nach langem Leerstand wurde das Depot 1988 durch Heinrici & Geiger sensibel zu einer Theaterspielstätte umgebaut. Sie ist Teil des geplanten Kulturcampus Bockenheim.

Foto: Stadt Frankfurt

Ehemalige Druckerei Dondorf

In unmittelbarer Nähe der Betriebsgebäude der Frankfurter Trambahngesellschaft bezog die mit dem Druck von Banknoten, Wertpapieren und Spielkarten groß gewordene und auf Chromolithographie spezialisierte Druckerei 1890 einen Neubau. Einseitig durch einen vorspringenden Kopfbau gefasst, sind die Backsteinfassaden durch Segmentbogenfenster und vertikale Lisenen gegliedert. Beachtenswert ist auch der gut erhaltene Schlot. Seit den 1970er Jahren wird das Gebäude durch die Universität genutzt.

Foto: Wikipedia

IG Farben Haus

Der für die Hauptverwaltung der IG Farben 1928-30 nach den Plänen von Hans Poelzig errichtete Bürobau besteht aus einem siebengeschossigen, kammartigen und leicht gebogenen Gebäude. Es erhebt sich schlossartig, von einem Park (Gestaltung Max Bromme) umgeben, hoch über die Stadt. Die streng symmetrische Anlage wurde in Stahlskelettbauweise mit einer Travertinverkleidung errichtet, genauso auch das weiter nördlich gelegene Casinogebäude. Von hier aus waren die IG Farben zwischen 1940 und 44 planerisch und wirtschaftlich an der Judenvernichtung beteiligt. Nach dem Krieg residierte in diesem Gebäude der amerikanische Hochkommissar und hier wurde die hessische Verfassung proklamiert sowie die Währungsreform erarbeitet. Nach 50 Jahren der Nutzung durch die US-Army wurde die Gesamtanlage zum neuen Sitz der Johann Wolfgang Goethe-Universität bestimmt (Campus Westend).

Foto: Kultur Region

Umspannwerk Nord

Das 1930 von Max Cetto konzipierte Umspannwerk ist ein hervorragendes Beispiel von Industriearchitektur des Neuen Bauens. Der ornamentlose weiße Kubus wird durch Fenster und Lüftungsbänder gegliedert, die die Maschinerie im Innern berücksichtigt.

Foto: Stadt Frankfurt

Hessischer Rundfunk

Route der Industriekultur Rhein-Main

Der Hessische Rundfunk hat seit 1949 seinen Hauptsitz im „Funkhaus am Dornbusch“. Es beherbergt einen Großteil der Redaktionsräume und Produktionsstätten für Hörfunk und Fernsehen. Seit 1996 sichert das Hörfunkgebäude mit modernster Technik den Anschluss des „hr“ an das digitale Zeitalter. Der hinter dem Haupteingang liegende historische Rundbau von G. Weber war ursprünglich als Plenarsaal des Bundestages (1949) gedacht und ist insofern eng mit der Gründungsgeschichte der BRD verknüpft. Die „Goldhalle“ im denkmalgeschützten Rundbau bietet Platz für Ausstellungen und öffentliche Veranstaltungen. Zum hr-Gelände gehört seit 1966 auch die benachbarte historische Gutsanlage Bertramshof, die 1993 in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz nach Planung von Heinrici & Geiger renoviert und umgebaut wurde.

Foto: Stadt Frankfurt

Europaturm

Der Europaturm (inoffiziell „Ginnheimer Spargel“) ist mit 337 m Höhe eines der höchsten Bauwerke Europas. Die mit 227 m besonders hochgelegene Kanzel hat einen Durchmesser von fast 60 m und beherbergte bis 1999 ein Restaurant und eine Diskothek. Sie bietet einen einzigartigen Blick über die Rhein-Main- Region. Der zwischen 1974 und 1978 erbaute, von Erwin Heinle konzipierte Turm dient vor allem der Telekommunikation. Er wird als Empfangsstation für Satellitensignale genutzt und kann diese terrestrisch oder via Kabelnetz über Südhessen verteilen. Nach einer Antennenmodernisierung 2004 kann er bis zu 24 Fernsehprogramme ausstrahlen. Sein runder tragender Betonschacht wurde mit einer nach oben wandernden sogenannten Gleitschalung errichtet, in die der hochwertige Beton in ununterbrochener Folge gepumpt wurde - eine technische Leistung, die bis heute weltweit noch nicht übertroffen wurde.

Abfallverbrennungsanlage Nordweststadt (AVA)

1965 entstand mit dem neuen Stadtteil Nordweststadt die heutige Abfallverbrennungsanlage. Sie besteht aus einem Abfallbunker, einem Kesselhaus mit vier Verbrennungslinien, einem Mitte der 90er Jahre nachgerüsteten Rauchgasreinigungssystem und einem 110 m hohen Schlot. Je Verbrennungslinie werden pro Stunde 15 bis 17 t Abfall verbrannt. Der bei der Verbrennung entstehende Hochdruckdampf (ca. 50 t/h) wird an das benachbarte Heizkraftwerk zur Erzeugung von Strom und Wärme abgegeben. Der Großteil der elektrischen Energie wird in das öffentliche Netz eingespeist. Mit der Wärme werden ca. 10 000 Haushalte, 140 Gewerbebetriebe und 20 Großfirmen der Nordweststadt beheizt. Die Anlage wurde 2008 bis 2011 im laufenden Betrieb saniert und auf den neuesten ökologischen Standard ertüchtigt. Heddernheimer Landstraße

Industriegeschichte in Frankfurt Am Main - Ost

Der Osten der Stadt besitzt keine einheitliche historische Entwicklung. Er entstand erst durch die Eingemeindungen von Bornheim 1877 und Fechenheim 1928. Dadurch erweiterte sich die Kernstadt nicht nur flächenmäßig, auch die Einwohnerzahl erhöhte sich deutlich. Besonders wichtig war, dass mit der in diesen Gemeinden angesiedelten Industrie die Gewerbesteuereinnahmen der Stadtkasse ansteigen konnten. Bornheim hatte sich seit den 1870er Jahren zu einem der Hauptplätze der Nähmaschinenproduktion in Deutschland entwickelt. Auf dem damals noch freien Feld in Verlängerung des Sandweges ließen sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit Mouson und der Naxos-Union Firmen nieder, die später die Industrielandschaft der Stadt maßgeblich prägten. Mit der Eingemeindung Fechenheims gehörte nun auch die von Frankfurt aus gegründete Farbenfabrik der Cassella Aktiengesellschaft endgültig zum Stadtgebiet. Aber mehr noch wurde die Entwicklung des Ostens durch das Osthafenprojekt 1908-1912 vorangetrieben. Die Planung einer „Industriestadt Osthafen“ war seinerzeit eines der größten stadtplanerischen Vorhaben im Deutschen Reich und sprengte alle bisherigen in Frankfurt gültigen Maßstäbe. Es umfasste nicht nur die Anlage eines neuen Umschlag- und Industriehafens sowie die Ausweisung weiterer riesiger Industriefl ächen, sondern im Sinne einer modernen Stadtplanung auch die Anlage von Wohnsiedlungen (Riederwald), eines Erholungsparks (Ostpark), eines Personen- und Güterbahnhofs (Ostbahnhof) und eines Netzes von Straßenbahnlinien. An der neu trassierten Hanauer Landstraße ließen sich zahlreiche Unternehmen nieder. Diese wurden auf Seckbacher und Fechenheimer Gemarkung insbesondere durch bedeutende Maschinenbau-fabriken, wie J. S. Fries Sohn, ergänzt. Seit den 1970er Jahren, im Zusammenhang mit der Ablösung der Industrie-gesellschaft durch eine auf Dienstleistungen basierende Wirtschaft, verlor auch der Frankfurter Osten seine ehemalige Stellung als Industriestandort und geriet ins Abseits stadtplanerischer Interessen. Doch konnte dieses Stadt-gebiet seit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die negative Entwicklung umkehren und ist heute, unter häufiger Nutzung historischer Fabrikgebäude, erneut ein gesuchter Standort für Unternehmen.

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Wasserpark

Der unterirdische, in Kammern unterteilte und in Sandsteinmauerwerk aufgeführte Trinkwasserbehälter fasst über 25.000 cbm Wasser. Als Übergabestation der ersten deutschen, etwa 66 km langen Fernwasserleitung von den Vogelsberg-Quellen nach Frankfurt wurde er 1873 in Betrieb genommen und 1880 sowie 1889 erweitert. Auf einer elegant als öffentliche Parkanlage gestalteten Erdüberdeckung der Behälteranlage erheben sich drei qualitätvolle, in Rotsandstein und Renaissance- Formen ausgeführte Einstiegsbauwerke. In der Nähe des östlichen Eingangsbauwerkes entstand 1901 ein Pumpwerk für die Versorgung der höher liegenden Stadtteile, in dem sich ein dreizylindrisches Schiffs-Diesel-Aggregat von 1914 zum Antrieb der Pumpen erhalten hat.

Foto: Stadt Frankfurt

Naxoshalle

Der 1871 gegründete handwerkliche Betrieb stellte Schleifscheiben aus Schmirgel her, der auf der Insel Naxos natürlich vorkommt. Daraus entwickelte sich nach der Erfi ndung synthetischer Schleifmittel um 1890 und der Aufnahme der Produktion von Präzisionsschleifmaschinen für den Maschinenbau die weltweit tätige Naxos-Union. Von dem ursprünglichen Fabrikgelände sind heute lediglich die Gusshalle und das technische Verwaltungsgebäude erhalten, um die herum bis 2015 neue Wohngebäude entstanden sind. Während die 15-achsige, mit überhöhtem Mittelschiff basilikale Gusshalle von 1907 das Bild eines kompromisslos konstruktiven Industriebaues vermittelt, versucht das Bürogebäude mit geschwungenen Giebeln und historisierenden Detailformen sich formal den öffentlichen Gebäuden seiner Zeit anzugleichen. Die Fabrikhalle wird nach dem Auszug der Naxos-Union und nach verschiedenen, durch die Stadt Frankfurt finanzierten Erhaltungsmaßnahmen kulturell genutzt, vor allem vom Theater Willy Praml und dem Jugendladen Bornheim. Im Verwaltungsgebäude arbeiten seit seiner Sanierung 2002 mehrere Dienstleistungsfirmen.

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Künstlerhaus Mousonturm

Einzig erhaltenes Gebäude und architektonischer Höhepunkt einer ab 1879 stetig gewachsenen Fabrikanlage der einst weltbekannten Parfümerieund Seifenfabrik J. G. Mouson. Der Treppenturm überragt in markanter Ecksituation das zugehörige bis zu siebengeschossige Fabrikgebäude, in dem Seifen hergestellt wurden. Der 1921-26 von Fritz Mouson konzipierte Stahlbetonskelettbau erhielt eine Backsteinfassade in expressionistischen Formen und gilt als das erste Hochhaus in Frankfurt. Nach Aufgabe der Produktion Anfang der 1980er Jahre beherbergt das Gebäude seit der Sanierung 1988 durch Albert Speer & Partner das „Künstlerhaus Mousonturm“.

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Ehemalige Großmarkthalle / Europäische Zentralbank

Nach Entwurf von Martin Elsaesser 1927-1928 errichteter Zweckbau im Stil der „Frühen Moderne“. Die riesige, 220 m lange und 50 m breite Halle, eingespannt zwischen achtgeschossigen Kopfbauten mit Büro- und Kühlräumen, wird von zwei Treppenhäusern rhythmisiert. Die drei Hallenabschnitte werden von je fünf, in Querrichtung in 17 m Höhe aufgelagerten Tonnengewölben aus 7,5 cm starken Betonschalen (Bauweise Zeiss-Dywidag) überdeckt. Diese überbrücken eine Spannweite von rund 14 m. Nachdem 2004 der Großmarktbetrieb in einen Neubau im Frankfurter Norden verlagert worden war, errichtete die Europäische Zentralbank EZB nach den Plänen der Architekten Coop Himmelb(l)au (Wien) ihren Hauptsitz in einem signifi kanten, 180 m hohen Turm in funktionaler und gestalterischer Kombination mit der Großmarkthalle. Dabei wurden in die denkmalgeschützte Halle Konferenz und Presseräume eingebaut. Von 1941-1945 deportierten die Nationalsozialisten etwa 12.000 Frankfurter Juden von der Großmarkthalle aus in die Vernichtungslager. Daran erinnert die 2015 eingeweihte Gedenkstätte im Osten der Halle sowie vor dem Stellwerk Großmarkthalle (Architekten KatzKaiser, Köln).

Hafenkran Weseler Werft

Ursprünglich standen hier seit 1890 vier baugleiche Kräne. Der einzig erhaltene, 2002 restaurierte Kran wurde von einer Dampfmaschine und ab den 1930er Jahren von einem Dieselmotor angetrieben. Ende der 70er Jahre wurde er stillgelegt.

Kräne Ruhrorter Werft

Von ursprünglich 13 Krananlagen auf dem Hochkai zwischen Ruhrorter Werft und Honsellbrücke blieben nur zwei als Denkmäler erhalten. Die Ruhrorter Werft entstand als Teil des Osthafens der Stadt Frankfurt. Hauptsächlich wurde hier Kohle für die ganze Stadt umgeschlagen. Die ehemals 13 Lastkräne wurden 1912von der Deutschen Maschinen AG Duisburg erbaut und hatten eine Tragfähigkeit von 4 Tonnen. Die Krananlagen bestehen aus feststehenden Hochbahnen sowie aus rechtwinklig zur Kaimauer und mainparallel selbsttätig fahrenden Portalen, auf denen sich die ebenfalls fahrbaren Drehkräne bewegen konnten. 2012 wurde die Gastronomie „Oosten“ in eine der Anlagen integriert.

Foto: Stadt Frankfurt

Deutschherrnbrücke

Im Zusammenhang mit dem Bau des Osthafens wurde 1911-1913 die beeindruckende, den Flussraum prägende Eisenbahnbrücke erbaut. Es handelt sich um eine genietete Stahlfachwerk-Bogenbrücke mit abgehängter Fahrbahn und einseitigem Fußgängersteg und parabelförmigem Obergurt über drei etwa 75 m, 125 m und 75 m weiten Öffnungen. Nach Teilzerstörung im 2. Weltkrieg wurde sie 1947-1949 wiederaufgebaut. Mit einer dezenten nächtlichen Beleuchtung des Stahlfachwerks wurde die Brücke in das Illuminationsprojekt des Mainuferraums eingebunden.

Brücken Hanauer Landstraße

Im Zuge des Baus des Ostbahnhofs 1908 erbautes Brückenensemble. Zwischen zwei in Formen des Neoklassizismus gestalteten Widerlagern spannt sich über 30 m Straßenbreite die auf mehreren mittleren Pendelstützen aufl iegende eiserne Brückentafel mit einer Breite von 15 m vom Main zum Ostbahnhof. Die westliche Brücke soll zu einer Fuß- und Radwegverbindung zwischen Ostpark und Mainufer umgewandelt werden.

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Honsellbrücke

Das 1911 gebaute, 90 m weit gespannte Brückenbauwerk wird von zwei graziösen und gestaltprägenden Sichelbögen in Eisenfachwerk getragen. Im Zuge der städtebaulichen Neuordnung und der Anlage des neuen Hafenparks wurde die ehemalige lange Auffahrtsrampe auf der Nordseite gekürzt. Dabei blieben von den ehemals 18 gemauerten Korbbögen nur die zwei letzten vor der Brücke erhalten. In diese gewölbten Räume zog der Künstlerverein „Familie Montez“. Beachtenswert sind die Arbeiterrelief an der steinernen Brüstung und die Panther-Skulptur aus Basalttuff am Fuße der Freitreppe.

Osthafenbrücke

Die Lage der 2013 eingeweihten Mainbrücke geht auf ein 1869 vorgelegtes Gutachten zurück, das ein Ringstraßensystem für die Stadt vorsah, von dem bislang als Mainquerung nur die Honsellbrücke realisiert worden war. Der Rahmen der eleganten, 175 m weit gespannten Stahlbogenbrücke, deren Fahrbahnplatte an schlanken, schräg zu einander angeordneten Zugstangen hängt, wurde am Ufer des Hafenparks von der Firma Max Bögl montiert und in einer spektakulären Aktion in die heutige Situation eingeschifft (Architekt Ferdinand Heide). Beim nördlichen Brückenkopf liegt das PiER F, ein Arbeitsort und Ideenlabor zu allen Aspekten der Nachhaltigkeit.

Foto: Stadt Frankfurt

Osthafen - Unterhafen

Von den ursprünglich geplanten vier Becken des Unterund Oberhafens wurden von 1907 - 1912 nur Teile der beiden Becken des Unterhafens und der Vorhafen durch Philipp Holzmann & Co. ausgeführt. Das nördliche, halbfertige Becken (Handelshafen) misst 70 mal 650 m, das südliche (Industriehafen) 60 mal 1.230 m. Die etwa 6 m hohen Kaimauern sind aus einem Betonkern konstruiert, der mit Säulenbasalt aus dem Vogelsberg verkleidet ist. Beide Becken werden über Rohre mit Mainwasser aus dem Oberwasser der Offenbacher Staustufe durchspült und beidseits durch Eisenbahngleise der Hafenbahn erschlossen. Beachtenswert sind die bestehenden unterschiedlichen Krananlagen.

Foto: Stadt Frankfurt

Kampffmeyer Mühlen

Das heutige Unternehmen nutzt die Gebäude der am Südufer des Industriehafens erbauten Frankfurter Mühlenwerke und der Hafenmühle Frankfurt a. M. Die Speicherund Betriebsgebäude beider Mühlen zeigen die für die Bauzeit typische Ausbildung industrieller Geschossbauten. Die Erweiterung der Frankfurter Mühlenwerke von 1915 (Architekt Georg Küchler) wendet sich mit neoklassizistischer Giebelfront dem Hafenbecken zu. An die klassizistische Revolutionsarchitektur Frankreichs erinnert der 1910 nach Entwurf des Architekten H. Rummel errichtete Schachtsilobau aus Eisenbeton.

Betonwerke Dyckerhoff + Waibel

Drei voneinander unabhängige Betonwerke stellen Transportbeton in unterschiedlichsten Qualitäten her und liefern ihn mittels Spezialtransportern auf Baustellen in einem Umkreis von ca. 30 km. Die Sande und Kiese werden per Schiff, Bahn oder LKW angeliefert und anschließend unter freiem Himmel oder in Silos gelagert. Bemerkenswert ist die Computer gesteuerte, industrielle Fertigung mit einer Vielzahl technischer Gerätschaften. Die gemeinsame Jahresproduktion beträgt 200.000 bis 300.000 cbm Beton.

Containerterminal

1986 eröffneten die städtischen Hafenbetriebe einen trimodalen Containerterminal. Er war der erste dieser Art abseits des Güterverkehrs auf dem Rhein. Mit der Installation einer zweiten Kranbrücke 2002 wurde das Terminal dem wachsenden Bedarf mit einem Umschlag von 40.000 Containern im Jahr angepasst.

Schwedler See

Der inmitten des Unterhafens gelegene Badesee ist ein nicht geplantes Produkt der Not. Der in den 1920er Jahren weitergeführte Bau des Handelshafens bis zur Intzestraße blieb als ausgehobene Grube unfertig liegen. Da ein Becken für den reduzierten Hafenbetrieb nicht mehr benötigt wurde, verfüllten die Hafenbetriebe in den 1950er Jahren den Graben, bis auf den als Schwedlersee bekannten Rest, in dem der 1. Frankfurter Schwimmverein ein Domizil gefunden hat.

Foto: Kultur Region

Kontorhaus Osthafen

Der 6-geschossige Stahlbeton- Skelettbau von 2004 nimmt die Typologie früher Kontorbauten wieder auf. Er bietet für unterschiedliche Nutzer Büro-, Lager-, Werkstattund Verkaufsräume an. Zwischen den beiden Gebäudeblöcken liegt der zentrale Eingang mit einem Hof (Architekten Dietz-Joppien.)

Loulakis Haus – Atelier Frankfurt

Im Atelier- und Ausstellungshaus „AtelierFrankfurt“ im ehem. Loulakis-Haus, ein ehem. Lagergebäude des Lebensmittelhändlers Latscha von 1913 (Architekten Georg und Carl Schmidt), arbeiten Künstler und Kreative in über 130 Studios auf sechs Etagen.

Foto: Stadt Frankfurt

Lencoryt-Spinnerei

1912 von den Architekten Joseph Rindsfüßer & Martin Kühn für die Lencoryt-Spinnerei geplantes Fabrik- und Kontorgebäude. Kolossale viergeschossige Halbsäulen tragen mit ägyptisierenden Blattkapitellen einen wulstigen Architrav, über den sich Wandpfeiler und Fensteröffnungen friesähnlich verbinden. 2013 wurde das denkmalgeschützte Gebäude gemeinsam mit dem angrenzenden Neubau zu Wohnungen „East Side Lofts“ umgewandelt (Architekten 1100). Auf dem Gelände steht eine 1912 eingerichtete Pferdetränke, verziert mit neoklassizistischen Reliefs.

Foto: Stadt Frankfurt

Fabriken Hanauer Landstraße

Während das Bauunternehmen Philipp Holzmann 1910 noch mit dem Aushub der Hafenbecken beschäftigt war, entstanden an der neu trassierten Hanauer Landstraße bereits die ersten Fabriken und Geschäftshäuser. Auf ihrer Nordseite bis zur Ratswegbrücke reihten sich seit 1910 u. a. die Neubauten der Firmen S. Grünebaum (147, Getreidegroßhandel) und Selbach & Geymeier (149, Bauunternehmung), Schade & Füllgrabe (173, Einzelhandels Ladenkette), W. J. Eschelbach (Wasserleitungsartikel) und Messmer GmbH (175-179, Handelshaus), Mitteldeutsche Papierwarenfabrik M. Oppenheimer (181-185), Ludwig & Mayer (187-189, Schriftgießerei) und Baum & Mosbacher (287, Bettfederfabrik) in fast geschlossener Front. Auf der Südseite dominierte das Verwaltungsgebäude von Voigt & Haeffner (146-148, Elektrotechnischer Apparatebau). Bei aller Unterschiedlichkeit der Architektur ist diesen Fabrikbauten ihre mehrgeschossige Bauweise mit mehreren Hinterhöfen gemein. Sie bieten selbst heute noch nach Auszug der Produktion hohe und attraktive Nutzungsqualitäten.

Schwedlerbrücke

Als Fußgängerverbindung zwischen dem Osthafen und den nördlichen Wohngebieten sowie dem Ostpark 1910 errichtete eiserne Brücke von 245 m Länge. Unter den unterschiedlichen Konstruktions- weisen sticht insbesondere der nördliche, 80 m lange Teilabschnitt als vollwandiger Gerberträger auf drei Pendelstützen hervor. Die Brücke ist seit 2012 wegen Baufälligkeit gesperrt.

Glasbau Hahn

Der seit 1836 geführte Familienbetrieb verdankt seine weltweite Bedeutung einer Vielzahl von Glasbaupatenten, so 1931 Glaszement für Museumsvitrinen und Ganzglasbauten, 1959 Hängende Verglasung für haushohe Verglasungen. Seit 1943 an der Hanauer Landstraße / Ecke Schwedlerstraße mit allen Werkstätten ansässig.

Foto: Stadt Frankfurt

Union Brauerei

Die Frankfurter Brauhaus GmbH errichtete 1908 nach den Plänen des Architekten und Ingenieurs Anton Landgräber die um einen Innenhof gruppierte Brauerei. Vor den Betriebsgebäuden mit einer für Brauhäuser traditionellen Fassadengestaltung in sparsamen neoromanischen Formen, die ein Wasserturm akzentuiert, steht an der Straße das nobel mit rotem Sandstein verkleidete Wohn-, Büro- und Gaststättengebäude. Heute ist die Anlage mit gewerblichen, gastronomischen und kulturellen Einrichtungen nach Umbauplanung des Eigentümers Ardi Goldman und des Architekten Michael Landes (1999) ein höchst attraktiver Ort.

Historische Eisenbahn

Der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt e.V. (HE, gegründet 1978) betreibt die Dampflokomotiven 01 118 und 52 4867 sowie dieselgetriebene Fahrzeuge und Personen-, Güter-, Kohle- und Kranwagen. Einmal im Monat ist eine dieser Dampf- oder Dieselloks mit einem historischen Zug auf den Gleisen der Hafenbahn unterwegs. Foto: Historische Eisenbahn

Foto: Stadt Frankfurt

Kaiserleibrücke

Für die Autobahn 661 und für einen Fuß- und Radweg 1960-1964 als Stahlrohr- Bogenkonstruktion mit angehängter Fahrbahn erbaute Mainbrücke (Stützweite 220 m). Ausführung der Widerlager durch die Philipp Holzmann AG. Die Lieferung und Montage des Stahlüberbaus erfolgte durch MAN Gustavsburg und Rheinstahl-Union AG, Dortmund.

Osthafen-Oberhafen

Die beiden erst nach über 40 Jahren Bauzeit 1965 für den Betrieb freigegebenen Hafenbecken sind direkt vom Main aus erschlossen. Sie dienen der Anlandung von Kraftstoffen und anderen Massengütern. Im Unterschied zum Unterhafen besitzen sie nur geböschte Kaibefestigungen.

Samson AG

1916 bezog die SAMSON Apparatebau GmbH (gegründet 1907) die neue Fabrik zur Herstellung von Kondensatableitern und Temperaturreglern. Diese Regler ohne Hilfsenergie, bis heute den jeweils modernsten technischen Anforderungen angepasst, verhalfen der Firma zur Weltgeltung. Aktuell werden auf 7 ha Grundstücksfläche Regeltechniken für div. industrielle Prozessabläufe hergestellt. Aus der Gründungszeit hat sich noch das 1916 in Backsteinbau ausgeführte ehemalige Verwaltungsgebäude an der Schielestraße erhalten.

Foto: Stadt Frankfurt

Gaswerk Ost-Ensemble

Für die Planung der neuen Gasfabrik verpflichtete die „Neue Frankfurter Gesellschaft“ den Maler, Designer und Architekten Peter Behrens. Nach kurzer Bauzeit konnte bereits im Oktober 1912 mit der Gasproduktion begonnen werden. Mit der Umstellung auf Erdgas seit den 1970er Jahren wurden alle Produktionsgebäude abgebrochen, das Gaswerk schrumpfte auf das von Peter Behrens entworfene Ensemble entlang der Schielestraße zusammen. Hier reihen sich von West nach Ost Direktionsgebäude, Pförtnerhaus, Verwaltung, Sozialgebäude, Werkstatt und das Remisengebäude als Verbindungsglieder zwischen der Fabrik und der Außenwelt. Das Uhren- und Reglerhaus weist neben den beiden Wassertürmen als einziges Gebäude noch auf die ehemaligen Produktionsstätten hin. Entsprechend ihrer Funktion sind die Fassaden durch das Wechselspiel von hellem und dunklem Klinkermaterial gestaltet, wobei die Helligkeit nach Osten zu abnimmt und sich der Anteil des dunklen Klinkers als Hinweis auf die Produktion erhöht. Die Bauten sind ein Beispiel für das Gesamtoeuvre von P. Behrens. Sie sind Teile eines Gesamtkunstwerkes „Gasanstalt“, in dem soziale Hierarchien wie auch Tätigkeitsunterschiede, private Welt und Fabrikbetrieb durch die Differenzierung der architektonisch künstlerischen Durchbildung der Gebäude dargestellt werden. Heute befindet sich hier eine niedrigschwellige Drogeneinrichtung, eine Schlosserei und Lagerflächen u. a. des Spielmobils.

"Daimlerstraße 32"

Ehemalige Kunstharzfabrik von 1950. Seit 1985 vielfach durch Künstlerateliers, Theaterbühne und Neue Medien zwischengenutzt. Heute Ort für junge Unternehmen der Kreativwirtschaft. Das Ensemble besticht durch architektonischen Minimalismus und den markanten Schornstein.

Kompostierwerk

Die RMB (Rhein Main Biokompost GmbH) Bioabfallbehandlungsanlage von 1999 ist eine der modernsten Anlagen ihrer Art in Deutschland. In ihr werden alle privaten und gewerblichen Bioabfälle aus dem Frankfurter Stadtgebiet verwertet. Es entstehen jährlich ca. 15.000 t Komposterde (Reterra) und ca. 3 Mio. cbm Biogas, das in den 2 Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt wird. Davon wird ein Teil zum Betreiben der Anlage benutzt. Der Hauptteil fließt ins öffentliche Netz.

Foto: Stadt Frankfurt
Foto: Stadt Frankfurt

Ensemble der Hafenbahn

Die städtische Hafenbahn betreibt den Güterverkehr sämtlicher Frankfurter Häfen auf eigenen Gleisen, die im Westen (Griesheim) und im Osten (Fechenheim) mit den DB-Gleisen verbunden sind. Dazu gehört eine Anzahl von bemerkenswerten Funktions-Gebäuden. So die Werkmeisterei von 1912 mit Werkstatt, Lokschuppen und Wasserturm (später Stellwerk), die mit ihrer Backsteinarchitektur stilistisch die 1920er Jahre vorwegnimmt. So das Stellwerk von 1909 für den Rangierbetrieb mit seiner fast komplett original erhaltenen und museal gepflegten technischen Einrichtung. So die nur rudimentär erhaltene, 150 m lange gebogene Lahmeyerbrücke von 1910, heute nur noch als Fußwegverbindung nach Norden.

Neckermann Versandhaus mit Kraftwerk

Ein sechsgeschossiges „Industriegebäude“ des Versandhandels von 1960 für 3.000 Arbeitsplätze, in gewaltigen Ausmaßen von 65 mal 257 Metern. Die von Egon Eiermann entworfene, neuzeitliche Architektur zeichnet sich durch die horizontalen Fluchtbalkone mit den schräg davor liegenden Treppenläufen aus. Das Ensemble, einschließlich des Kraftwerks in konstruktivistischer Formgebung, steht seit Längerem für eine Umnutzung zur Verfügung.

Ehemalige Jade-Cosmetics

Das viergeschossige, 120 m lange Lagergebäude wurde 1923 von Philipp Holzmann für die Cassella Farbwerke errichtet. Es wurde 1979 Sitz der neu gegründeten Jade- Cosmetic GmbH. 2001-2003 wurde das Gebäude als Bürohaus nach Entwurf von Jo.Franzke Architekten ästhetisch gelungen umgebaut, aufgestockt und saniert.

Fotos: Stadt Frankfurt
Farbenmühle
Heizkraftwerk

Cassella-Ensemble

Die mit dem Handelshaus Leopold Cassella & Co. verbundene „Frankfurter Anilinfabrik von Gans und Leonhardt“ nahm 1870 mit 15 Arbeitern in einer neu erbauten Fabrik die Produktion von synthetischen Farben auf. Nach dem Eintritt von Dr. Arthur von Weinberg in die Firmenleitung 1883 begann sich die Firma, ausgelöst durch zahlreiche Erfindungen, stürmisch zu entwickeln und gehörte bald zur Spitzengruppe der deutschen Farbenhersteller. Ein Jahr nach dem Ausscheiden von Dr. Arthur von Weinberg, der 1943 im Konzentrationslager ums Leben kam, wurde 1937 die Firma in die I. G. Farbenindustrie überführt. 1952 Neugründung der Cassella Farbwerke Mainkur AG, an der die Farbwerke Hoechst seit 1970 eine Aktienmehrheit von 75% hielten. Nach der Umstrukturierung der Hoechst AG entstand 2001 die AllessaChemie als eigenständiges Unternehmen. 2013 übernimmt die International Chemical Investors Gruppe (ICIG) die Allessa GmbH. Wie bei allen großen Fabriken der chemischen Industrie besteht die Werksanlage aus vielen, in Zahl und Größe von der Anzahl der Produkte und deren Quantitäten abhängigen Einzelfabriken. Als einziges Ordnungselement kann das übergeordnete Verkehrs- und Rohrleitungssystem im strengen Raster rechtwinklig geordneter Straßen gelten, das sowohl die einzelnen Fabriken produktionsbezogen gegeneinander abgrenzt, jedoch ebenso in den Gesamtorganismus einbindet. Um dies zu erkennen, empfiehlt sich ein Blick vom Cassellasteg im Westen des Areals.

Farbenmühle

Das Lager- und Mühlengebäude verkörpert beispielhaft die in den Jahrzehnten um 1900 gültige Auffassung von Fabrikgestaltung. Die Fassaden trennen deutlich zwischen tragenden und nicht tragenden Teilen der Wand: Pilaster wandeln sich als Abbild des tragenden eisernen Skeletts im Inneren zu Mauerwerkspfeilern, zwischen denen sich die Wand in Glasflächen auflöst.

Heizkraftwerk

Die von der Grundkonzeption her symmetrische Anlage von 1923/24 addiert sich aus einem fast quadratischen Kesselhaus, beidseitig flankiert von Schornsteinen (der westliche 1984 wegen Baufälligkeit zum Teil abgetragen) auf übermächtig dimensionierten, polygonalen Basen. Im Auftrag der für die architektonische und technische Planung zuständigen AEG entwarf das Architektenteam Dr. Walter Klingenberg & Werner Issel ein formal in die Zukunft weisendes Kraftwerk.

Biomassekraftwerk

Anfang 2005 wurde das Biomasse-Kraftwerk Fechenheim GmbH am Standort der Allessa Chemie in Betrieb genommen. Die in Kraft-Wärme-Kopplung betriebene Anlage wandelt jährlich mehr als 100.000 t Altholz (Verpackungsund Bauholz, Eisenbahnschwellen sowie Grünschnitt) in rund 70.000 MW ökologischen Strom für das öffentliche Netz um.

Verwaltungsbau

Das Äußere der von Philipp Holzmann 1920/21 erbauten, zur Fabrik hin geöffneten Dreiflügelanlage des Verwaltungsgebäudes zeigt die zeittypische Unterteilung in repräsentative, öffentlichkeitsbezogene und interne Fassaden. In der als Lochfassade ausgebildeten Straßenfront lassen die in kolossaler Ordnung gestellten Pfeiler die Vertikale dominieren.

Biologisches Klärwerk

Alt Fechenheim 21 In den durch ihre Trichterform auffallenden Klärbehältern wird seit Anfang der 1980er Jahre das gesamte, in den Werken Offenbach und Fechenheim mit der Produktion in Berührung gekommene Wasser gereinigt und anschließend zurück in den Main geleitet.

Werkswohnungen

Für die Farbenfabrik entstanden 1882 die ersten drei eineinhalbgeschossigen Doppelhäuser in der Fabrikstraße (heute: Am Gansbühel), denen bis 1890 weitere 27 Wohneinheiten folgten. Sie zählen zu den ersten in Frankfurt realisierten Werkswohnungen und stellen schlichte, eher dörflich wirkende Gebäude dar.

Foto: Stadt Frankfurt
Foto: Stadt Frankfurt

Siedlung Riederwald

Als Teil der „Industriestadt Osthafen“ entstanden ab 1910 die ersten Ein- und Mehrfamilienhäuser der „Riederwaldkolonie“ in dem seit der Jahrhundertwende üblichen Heimatstil. Zwischen 1919 und 1926 folgten nach Planung von Georg und Karl Schmidt mehrgeschossige Miethauszeilen mit zurückhaltend expressionistischem Dekor, erschlossen durch einen prägnanten dreibogigen Torbau. Die weiteren Bauabschnitte der Jahre 1926/27 gestalteten Ernst May und sein Team mit unterschiedlichen formalen Auffassungen – deutlich sichtbar im Vergleich zu den für das „Neue Frankfurt“ typischen Häuserzeilen an der Karl- Marx-Straße. Es folgten Bauabschnitte der 1930er und 1950er sowie Abbruch und Neubau in den 1980er Jahren.

Gleichrichterwerk

Das Gleichrichterwerk wurde für die Stromversorgung der U7 nach den Plänen von Christoph Mäckler 1994 errichtet. Gleichzeitig entstanden auch Lagerflächen für das Historische und andere Museen. Das Bauwerk markiert die Einfahrt zu den dahinter liegenden Lagerhallen. Da weder das Gleichrichterwerk noch das Museumsdepot Fensteröffnungen benötigen, ist das Gebäude allseits geschlossen und in Anlehnung an ältere Industriebauten verklinkert. Lediglich die Fluchttreppen sowie die Räume für die Restauratoren besitzen großflächige Verglasungen.

Foto: Stadt Frankfurt

Naxos Union

Die 1929 von der Naxos Union errichtete zweite Schleifmaschinenfabrik zeigt in den Fassaden aus Verblendmauerwerk konsequente Industriearchitektur. Nach der Firmenverlagerung nach Langen 1994 stand die Fabrik leer. Im nördlichen Teil der Halle residiert seit 2002 die Niederlassung von Harley- Davidson. Im selben Jahr zog die inzwischen von dem schwäbischen Familienunternehmen EMAG übernommene Naxos Union wieder in den südlichen Teil der Hallen ein. Bis 2013 wurden wieder Präzisionsschleifmaschinen zur Herstellung von Kurbelwellen produziert. Seit 2014 nutzt die Chen Yang Machines Group Company die Halle. Bemerkenswert ist die neue „Industriekultur“ durch die Gestaltung eines qualitätvollen Pausenbereiches.

Ehemalige Landmaschinenfabrik Ph. Mayfarth – "Klassikstadt"

1910 bezog die vornehmlich Osteuropa beliefernde, 1872 im Baumweg gegründete Landmaschinenfabrik einen monumentalen viergeschossigen Fabrikbau. Die dreiflügelige Anlage nach Plänen von Carl Wolff ist ein moderner Betonskelettbau, der mit durch Lisenen gegliederten Backsteinfassaden ummantelt ist. Die antiquierende Wirkung wird durch die festungsartige Gestalt der Treppenhäuser unterstrichen. Die Anlage wurde bis 1998 vom Zoll und der Bundesdruckerei genutzt. Seit 2010 bietet sie, beispielhaft restauriert, als „Klassikstadt“ u. a. Angebote für Auto-Oldtimer und Events.

Foto: Stadt Frankfurt

Ehemalige Diskus Werke

Die 1911 von einem bis dahin bei der Naxos Union beschäftigten Ingenieur gegründeten Diskus Werke spezialisierten sich auf den Bau von Maschinen für das damals noch neuartige Flachschleifverfahren. Der Fabrikbau zeichnet sich durch eine die Konstruktion in den Vordergrund stellende Sachlichkeit aus, zu der die Einfarbigkeit des zurückhaltend profilierten Sichtmauerwerks wesentlich beiträgt. Heute wird das Ensemble von ca. 35 Kleinunternehmen genutzt, so auch von der Gastronomie mit Ballsaal „Orient Palast“.

Industriegeschichte in Frankfurt Am Main - Süd

Der Süden der Stadt hatte sich schon vor 1850 zu dem von Fabriken am dichtesten besiedelten Gebiet Frankfurts entwickelt. Diese Entwicklung begann mit der Verlegung der Eisengießerei J. S. Fries Sohn 1817 aus der Innenstadt vor die ehemaligen Wälle Alt-Sachsenhausens. Gab es zu Beginn zwischen Fluss und Stadtwald in Sachsen-hausen und den Dörfern Nieder- und Oberrad eine Vielzahl an Produktionszweigen, konzentrierte sich die Produktion gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend auf das Brauereigewerbe. Denn als 1864 die Steuergrenze bis zur Landwehr, der ehemaligen äußeren Verteidigungslinie der Stadt, ausgeweitet worden war, verlagerten die Frankfurter Brauereien ihre Produktionsstätten aus der Innenstadt auf den Mühlberg. Noch vor der Jahrhundertwende belegte das Brauereigewerbe nach seinem Produktionswert den ersten Rang unter den in Frankfurt ansässigen Industriezweigen. Mit der um 1900 auch Sachsenhausen erreichenden räumlichen Ausdehnung der Wohnstadt verschwanden die meisten alteingesessenen Fabriken aus Alt-Sachsenhausen. Zunehmende Konzentration im Brauereigewerbe reduzierte nicht allein die Zahl der Brauereien, sondern auch deren räumliche Ausdehnung auf dem Mühlberg. Heutzutage gibt es dort nur noch eine einzige produzierende Brauerei, deren Gebäude jedoch in der Stadtsilhouette nicht mehr wahrgenommen werden können. Im Süden der Stadt bilden deshalb im Wesentlichen die Bauten der Wasserversorgung, die seit den 1880er Jahren über dem Grundwasserstrom des Stadtwaldes angelegt worden waren, und die Kläranlage in Niederrad das Rückgrat der Route der Industriekultur Rhein-Main.

Foto: Stadt Frankfurt
Foto: Stadt Frankfurt

Flughafen FRA

Der Flughafen Frankfurt ist wie etwa der Hauptbahnhof, die Staustufen oder der Osthafen als hervorragende Verkehrsanlage ein wichtiger Ort der Industriekultur. Er zählt zu den zehn größten Flughäfen der Welt. Er bildet die deutsche Drehscheibe des Luftverkehrs mit über 65 Millionen Passagieren und ca. 3 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr. Mit annähernd 70.000 Arbeitsplätzen ist der Flughafen die größte Arbeitsstätte Deutschlands. Eigentümerin des Geländes und der Bauten ist die Fraport AG, deren Ursprünge auf die 1924 gegründete „Südwestdeutsche Luftverkehrs AG“ zurückgeht. 1936 wurde der erste Bauabschnitt als Flug- und Luftschiffhafen nahe dem geplanten Autobahnkreuz als Ersatz für den alten Flughafen am Rebstockgelände eröffnet. Seitdem wurde er in vielen Entwicklungsschüben und nicht immer konfliktfrei auf seine heutige Größe von ca. 25 qkm ausgebaut. Er verfügt über vier Start- und Landebahnen von jeweils 4 km Länge und zwei Passagierterminals. Das von den Architekten Giefer und Mäckler geplante Terminal 1 ging 1972 in Betrieb, Terminal 2 wurde 1992 nach den Plänen von Joos und Ungers errichtet. Seit 2015 wird im Süden Terminal 3 nach Plänen von Christoph Mäckler gebaut (Fertigstellung 2022). Unter den vielfältigen Einrichtungen des Flughafens sind insbesondere hervorzuheben: (a) Die Terminals mit ihren „landseitigen“ Abfertigungshallen und den „flugseitigen“ Andockstellen für Großraumflugzeuge. (b) Der Fernbahnhof für ICE-Züge (1999, Architekten Hadi Teherani) sowie das darüber liegende größte deutsche Bürogebäude THE SQUAIRE, 2011, Architekten JSK). (c) Die zwischen beiden Terminals verkehrende, automatische Hochbahn „Sky Line“. (d) Die automatische Gepäckförderanlage (rund 67 km lang). (e) Die gesamte Vorfeldlogistik und Flugsteuerung. (f) Die Werfthallen (Jumbohalle 1970, Werfthalle Süd 2005, A 380 Wartungshalle 2007). (g) Das Cargo Center (1982) mit dem weltgrößten Kühllager.

Foto: Stadt Frankfurt

Wasserwerk Hinkelstein

Von der ursprünglichen Grundwasserfassungsanlage hat sich nur die ehemals den Dampfmaschinen und Pumpen Schutz bietende überkuppelte Rotunde erhalten. Das zylindrische Gebäude weist eine außergewöhnliche Fassadengestaltung auf. Das durch 10 Lisenen gegliederte Erdgeschoss wird durch den farblichen Zusammenklang des Sandsteins und des Verblendmauerwerks geprägt. Darüber erhebt sich eine mit glasierten Ziegeln gedeckte Kuppel, die durch eine lichte Laterne mit einer kupfernen Figurine bekrönt ist. Im Innern ist der Raum mit weißglasierten Ziegeln ausgekleidet. Von hier aus führt eine Treppe zu den 15,5 m tief liegenden, begehbaren Brunnenstollen. Das Gebäude wurde 1893 nach Planung des städtischen Tiefbauamts unter Leitung von W. H. Lindley errichtet und ist heute noch Bestandteil einer der größten Wasserversorgungsanlagen der Hessenwasser GmbH und Co. KG im Frankfurter Stadtwald.

Foto: Stadt Frankfurt

Wasserwerk Goldstein

Bei der ursprünglichen Fassungsanlage von 1887 verzichteten die städtischen Architekten auf eine besondere künstlerische Gestaltung der Fassaden. Der kleine, an den Ecken durch diagonal gestellte Strebepfeiler verfestigte Kubus repräsentiert mit einfacher, durch Bogenfenster zwischen einer romanisierender Wandgliederung den typischen Zweckbau der Bauzeit. Der ca. 3,5 m unter dem Außenniveau liegende ehem. Maschinenraum besitzt heute eher musealen Charakter. Die Aufgabe der Wasserversorgung übernimmt der benachbarte Neubau (2002-2004).

Foto: Stadt Frankfurt

Bahnhofsgebäude Stadion

Typenbau von 1879 der Hessischen Ludwigs- Eisenbahn-Gesellschaft für die Rhein-Main-Bahn, deren erster Streckenabschnitt zwischen Bischofsheim und Sportfeld (heute Stadion) 1863 eröffnet wurde. Das zweigeschossige Empfangsgebäude aus Gelbsandstein zentrieren zu Gleis und Straße gewandte übergiebelte Risalite. Die Horizontale betont ein breites, die Geschosse trennendes Gesims.

Stadiondach Commerzbank Arena

Das 2005 fertig gestellte neue Waldstadion (Architekten von Gerkan, Marg und Partner) erhielt als Besonderheit ein schließbares Membrandach („größtes Cabrio der Welt“). Während das fixe Tribünendach als membrangedeckte Ringseilkonstruktion mit einem äußeren Druck- und zwei inneren Zugringen ausgeführt wurde, ist für die Spielfeldüberdachung an beiden Zugringen eine weitere Ringseilkonstruktion eingehängt, die als Nabe einen Zentralknoten hat. Hier parkt bei geöffnetem Dach die zusammengeraffte PVCMembran, die in wenigen Minuten an Gleitwagen auf 32 Radialseilen aufgespannt werden kann.

Foto: Stadt Frankfurt

Verkehrsmuseum Frankfurt am Main

An der Endhaltestelle der mit Dampftraktion betriebenen Strecke Untermainbrücke-Schwanheim wurde 1888 von Frankfurter Waldbahn AG das Stationsgebäude in schlichten Formen der Neurenaissance erbaut. Die dahinter stehende, heute verkleidete Wagenhalle entstand als Ersatz für eine 1904 durch Brand zerstörte Remise aus Holz. 1899 ging das Unternehmen in städtisches Eigentum über, 1928/29 wurde die Linie elektrifi ziert. In der jüngeren Wagenhalle befi ndet sich das Verkehrsmuseum der Verkehrsgesellschaft Frankfurt mit der Sammlung fast aller Typen der Frankfurter Straßenbahnen, u. a. des ältesten elektrischen Straßenbahnwagens.

Staustufe Griesheim und Kraftwerk

Nach über 30 Jahren Betrieb entsprachen die 1883-1886 angelegten Wehre und Schleusen nicht mehr den Erfordernissen des Verkehrs. Deshalb unterzeichneten die Stadt Frankfurt und die Reichsregierung 1929 einen Vertrag über einen erneuten Ausbau des Mains, in dem sich die Regierung zur Übernahme des größten Teils der Kosten bereit erklärte. Bereits 1932 konnte die Staustufe mit linksmainischer Schleusenanlage und dem als Riegel über den Fluss gelegenen, im Stil der Neuen Sachlichkeit gestalteten Kraftwerk in Betrieb gehen. Die Staustufe mit Kraftwerk galt zur Bauzeit als modernste und leistungsfähigste Binnenschiffahrtsanlage Europas. Im Laufe der Jahrzehnte immer wieder modernisiert, übernimmt die Anlage heute die Steuerung sämtlicher Schleusen und Kraftwerke am Untermain.

Foto: Stadt Frankfurt

Klärwerk Niederrad Historische Anlage

Sie war die erste mechanische Großkläranlage des europäischen Kontinents und war bemessen für ca. 140.000 Einwohner. Die die Klärtechnik revolutionierende Anlage wurde 1883-87 nach den Plänen des Ingenieurs W. H. Lindley errichtet. Sie umfasste vier unterirdische, 82 m lange Becken zum Absetzen der im Abwasser mitgeführten Feststoffe. Ein Sandfang und eine Rechenanlage dienten der Grobreinigung. Die Bevölkerungsentwicklung (1895: 227.000 E.) erzwang eine 1902-1904 nach Plänen von A. Göller und H. Dasen ausgeführte Erweiterung um drei auf insgesamt sieben Becken. Über der Beckenanlage steht das gleichzeitig erbaute Betriebsgebäude, heute genutzt durch das Labor des Umweltamtes, mit kleinem Wasserturm in Formen des Historismus mit Jugendstilanklängen. Die Becken wurden nach der Stilllegung 1960 noch bis 1990 zur Regenwasserbehandlung genutzt und dienen nach der denkmalgerechten Sanierung 1992-93 gelegentlich als Bühne für Veranstaltungen.

Foto: Stadt Frankfurt

Faultürme Gasgebläsemaschinenhalle

Ausgelöst durch rasant ansteigende Einwohnerzahlen und verschärfte Abwasserbestimmungen wurde 1956-1965 ein völliger Neubau, gleichzeitig Ersatz für die historische Anlage, des Klärwerks notwendig. Die Abwasserreinigung erfolgte nun mechanisch und biologisch. Zu der Schlammbehandlung gehörten drei markante, heute außer Betrieb genommene Faulbehälter (Gesamtvolumen 23.000 cbm) und eine Gaskraftanlage zur Erzeugung elektrischer Energie aus den anfallenden Methangasen. Diese besteht aus einem für die 1950er Jahre typischen Betonskelettbau mit gelber Spaltklinkerausfachung.

Biologische Reinigung

Ab 1980 begann der schrittweise Neubau der Abwasser-Reinigungsanlage (ARA) mit einer 1985 fertiggestellten zweistufigen, vollbiologischen Anlage mit Nitrifikation, gefolgt von (a) 1992 der Inbetriebnahme der Vorklärung und Regenwasserbehandlung, (b) 1994 von dem Betriebsgebäude mit Labor und zentralem Leitstand, (c) 1998 von der nachgeschalteten Denitrifikation, (d) 2000 der Einlaufgruppe und schließlich (e) 2004 von der Fertigstellung der vorgeschalteten Denitrifikation in der 2. Biologischen Stufe.

Foto: Stadt Frankfurt

Kraftwerk Niederrad

Als besonders modern und zweckmäßig galt 1967 der voll schallisolierte Betonwürfel ohne Fenster. Die Wärmeversorgung von Niederrad, Goldstein sowie des expandierenden Flughafens und der steigende Stromverbrauch in der Stadt waren die Hauptgründe, in das Heizkraftwerk zu investieren. Auf einer Grundfl äche von rund 20.000 qm wurde der Bau mit einem 100 m hohen Schornstein von der AEG geplant. Nach Erweiterung und mehrfacher Modernisierung wird seit 2004 mit einer hoch effi zienten, umweltgerechten Gasturbine Strom und Wärme erzeugt.

Foto: Stadt Frankfurt

Jakob Rapps Brunnenbau

Das 1890 gegründete Unternehmen bezog 1900 den Werkstattneubau in Sichtmauerwerk. Seine für den damaligen Fabrikbau typischen neuromanischen Formen in Verbindung mit einem Eckturm – der ursprünglich den Löschwasserbehälter aufnahm – verleihen dem Gebäude ein burgähnliches Aussehen. Nach Stilllegung der Fabrik wird es seit 2004 als Wohn- und Geschäftsgebäude beispielhaft neu genutzt.

Ehemalige Staustufe Niederrad

Seit 1875 diskutierten die Anrainerstaaten des Mains über den Ausbau des Flusses für die Schifffahrt mit dem Fernziel, eine bereits von Karl dem Großen angedachte Verbindung vom Rhein zur Donau herzustellen. Das 1883-1886 bis Frankfurt durchgeführte Mainprojekt war das erste Unternehmen dieser Art und dieser Größe zur Schiffbarmachung eines Flusses in Deutschland. Reste des Schleusenkanals und das Schleusenwärterhaus sind noch vorhanden.

Foto: Stadt Frankfurt

Der Hafenarbeiter

Die Hauptgestalten des belgischen Bildhauers Constantin Meunier (1831-1905) sind arbeitende Menschen, die er realistisch und wuchtig mit natürlichem Pathos der Handlung darstellte. Aus dem von Leo Gans, dem großzügigen Leiter der Cassella-Werke in Fechenheim, im Jahre 1899 gestifteten Kunstfonds wurden unter anderem zwei Werke von Meunier, der Hafenarbeiter auf der Ostseite der Friedensbrücke am Sachsenhäuser Ufer, und der Sämann, der im Günthersburgpark steht, beschafft. Beide lebensgroße Bronzefiguren fanden als Symbole der Arbeit in Frankfurt hohe Anerkennung.

Foto: Stadt Frankfurt

Holbeinsteg

Der Holbeinsteg ist ein wichtiges Glied für das 1980 vom Büro Albert Speer & Partner entwickelte städtebauliche Konzept des Frankfurter Museumsufers. Als direkte Fußgängerverbindung zwischen dem Museumsufer und dem Bahnhofsviertel bildet er das zeitgemäße Pendant zum benachbarten Eisernen Steg aus dem 19. Jahrhundert. Im November 1990 wurde er als leichte stählerne Hängebrücke, getragen von zwei Pylonen mit einem Abstand von 142 m und einer Seilkonstruktion, fertig gestellt.

Foto: Stadt Frankfurt

Museum für Kommunikation Frankfurt

Die 1891 für die Unternehmerfamilie de Neufville in Formen der Neurenaissance errichtete Villa wurde 1984-1990 durch einen Neubau als Deutsches Postmuseum ergänzt. Das von den Architekten Behnisch & Partner entworfene Ensemble ist Teil des Frankfurter Museumsufer und fügt sich in die alte Villenstruktur der Uferpromenade ein. Es birgt bedeutende Schätze zur Geschichte der Post und der Telekommunikation und erschließt den Besuchern die neueste Technologie in verständlicher Weise. Das Gebäude selbst spiegelt das Bild einer technisch innovativen industriellen Branche wider. Ein Großteil der Sammlungen liegt unter dem denkmalgeschützten Garten, während der schlanke gläserne Baukörper Flächen für Wechselausstellungen beherbergt und sich in seinen Proportionen auf die historische Villa bezieht.

Foto: Stadt Frankfurt

Eiserner Steg

Frankfurter Bürger, die sich 1867 zu einer Aktien-„Gesellschaft zur Errichtung einer Brücke am Fahrtor“ zusammengeschlossen hatten, finanzierten den Bau, der wegen des benutzten Materials „Eiserner Steg“ genannt wurde. Der Entwurf für die „steife Hängebrücke“ stammte von Johann P. W. Schmick. Die Eisenkonstruktion führte die Sachsenhäuser Kesselschmiede J. S. Fries Sohn auf Pfeilern der Baufirma Knabenschuh & Wallot aus. Im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der Schifffahrtsstraße wurde der neugotisch verzierte eiserne Oberbau 1912 durch eine schmucklose neue Konstruktion auf erhöhten Pfeilern ersetzt. Nach dem Wiederaufbau 1946 der am 25.3.1945 von der Wehrmacht gesprengten Brücke musste die Durchfahrtshöhe noch zweimal dem Schiffsverkehr angepasst werden.

Ehemalige Stempelfabrik

Als jüngste unter den Frankfurter Schriftgießereien entwickelte sich die 1895 von David Stempel gegründete Fabrik innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Unternehmen dieses Industriezweiges. Den durch seinen süddeutsch geprägten neobarocken Fassadenschmuck in Frankfurt ungewöhnlichen Fabrikneubau von 1908 entwarf der Münchener Architekt Louis von Stempel, dessen formale Vorstellungen auch den Erweiterungsbau von 1924 im Detail beeinflussten. Nach Stilllegung des Betriebs wurde die Gebäudeanlage 1988 umgebaut und beherbergt heute eine Vielzahl von Büros, Lager- und Ausstellungsflächen. Die komplett erhaltenen typografischen Maschinen sind heute im Hessischen Landesmuseum Darmstadt aufgestellt. Sie dokumentieren in aktiver Form die Setz- und Drucktechnik des 20. Jahrhunderts.

Foto: Stadt Frankfurt

Ehemalige Ölfabrik P. P. Heinz

Die 1839/40 von Philipp Peter Heinz als Wein- und Speiseölhandlung gegründete Firma begann sich unter dessen Söhnen ab 1883 auf die Herstellung von Schmiermitteln und technischen Ölen zu konzentrieren. Zu dem 1881 errichteten Anwesen gehörten das mehrgeschossiges Wohnhaus sowie das dahinter liegende Fabrikgebäude mit Backsteinfassaden in Formen der Neurenaissance. Zwischen beiden Gebäuden gibt es eine Remise von ländlichem Charakter mit einem Obergeschoss aus Holzfachwerk. Das gesamte Anwesen gehört der Peter Paul und Emy Wagner-Heinz Stiftung zur Förderung kultureller und sozialer Zwecke. Die Remise wurde der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung für ihr „Atelier Goldstein“ überlassen. Die Fabrik ist heute Heimat der „Kammeroper Frankfurt“. Im großzügigen Gewölbekeller befindet sich ein Restaurant, in dem ebenfalls kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Foto: Stadt Frankfurt

Ehemaliges Straßenbahndepot

In drei Bauabschnitten 1898, 1901 und 1906 für die Straßenbahn errichtete Wagenunterstellhallen mit einer der jeweiligen Bauzeit entsprechenden unterschiedlichen Bauweise in neuromanischen Formen. Innerhalb der Backsteinwände bilden eiserne Fachwerkträger mit parabelförmig gekrümmtem Obergurt die Unterkonstruktion für das Dach. Nach Aufgabe des Depots 2005 durch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt wurde das Areal 2010-2012 nach Entwurf von Wentz Konzept und des Architekten Michael Landes für verschiedene Einrichtungen, Gewerbe und Wohnen umgebaut und verdichtet.

Foto: Stadt Frankfurt

Südbahnhof

An der Stelle des 1875 für die Bebraer Bahn erbauten Fachwerkgebäudes errichtete die Königl. Preuß. Eisenbahn-Direktion Frankfurt/M in den Jahren 1912-16 im Mittelpunkt der radial auf den Diesterwegplatz zuführenden Straßen ein breitgelagertes Empfangsgebäude. Es wurde von den Architekten Wegener und Kleinschmidt konzipiert. Die neoklassizistische, zwischen gliedernden Architekturteilen aus Kalkstein verputzte Stadtfront wird asymmetrisch durch den Risalit der Eingangshalle unterteilt. Die Gleise überdachte ursprünglich eine weitgespannte Eisenkonstruktion. Für den Bau der U-Bahn-Station wurde das Gebäude teilweise abgebrochen, 1984 in der äußeren Form rekonstruiert und das Innere als Bürgerhaus umgestaltet (Architekten Fara und Lehmann). Westlich des Empfangsgebäudes reihen sich bis zur Hedderichstraße 63 seit 1874 die Verwaltungsgebäude der Bebraer Bahn, 1909 teilweise zu Wohnhäusern für Bedienstete umgebaut, mit lang gestreckten spätklassizistischen Fassaden. Die Eckloggien mit gusseisernen Säulen an der Schweizer Straße verweisen auf die ehem. Nutzung als Direktionsvilla. Heute benutzen Tochterfirmen der Deutschen Bahn AG die Gebäude.

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Hochbehälter Böhlepark

Nach der Inbetriebnahme der Fernwasserleitung aus dem Vogelsberg und Spessart 1874 musste die Stadt ständig neue Fördergebiete erschließen, um den täglichen Bedarf der kontinuierlich wachsenden Stadt decken zu können, mit der Folge, auch die Speicherkapazitäten erhöhen zu müssen. Um Abhilfe zu schaffen, wurde zwischen 1899 und 1901 südlich der Sachsenhäuser Warte als Gegenbehälter zum Reservoir an der Friedberger Landstraße („Wasserpark“) ein neues Hochreservoir angelegt. Seine vier, jeweils in zehn tonnenüberwölbten Kammern unterteilten Abteilungen haben ein Fassungsvermögen von fast 30.000 cbm. Die Behälteroberfläche wurde als öffentliche Grünfläche gestaltet und mit rustikalen Sandsteinmauern sowie schmiedeeisernen Jugendstil- Geländern verziert. In den 1960er Jahren wurde auf der gegenüberliegenden Seite der Darmstädter Landstraße ein weiterer „Hochbehälter - Süd” errichtet, ebenfalls eine Betriebsanlage der Hessenwasser GmbH & Co. KG.

Binding Brauerei

Den Grundstock zu der bereits um 1900 bedeutendsten Brauerei Frankfurts legte Conrad Binding am 1. August 1870. 1881 begann der Ausbau am Sachsenhäuser Berg zu einer modernen Brauerei, seit 1884 als Aktiengesellschaft geführt. Nach Kauf der Brauerei Fritz Reutlinger 1905 erreichte sie mit einer Fläche von über 56.000 qm ihre größte Ausdehnung. Nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg begann das 1951 in Binding-Brauerei AG umbenannte Unternehmen 1957 mit dem Neubau des repräsentativen, gut einsehbaren Sudhauses, gefolgt in den Jahren 1962-1968 von einem Generalbebauungsplan sowie dem Bau von Flaschenabfüllhalle, Verwaltungsgebäude und einer neuen Produktionsanlage. Mit dem Erwerb der benachbarten Henninger- Brauerei 2001 wurde die Biersortenpalette abgerundet. Seit 2002 firmiert die Unternehmensgruppe als Radeberger Gruppe, die mit einem Ausstoß von 13 Millionen Hektolitern der größte Braukonzern in Deutschland ist.

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Villa Henninger

Nach dem Abbruch aller Betriebsgebäude einschließlich des weithin bekannten Henninger Turms 2014 erinnert allein die Unternehmervilla an eine der bedeutendsten Frankfurter Brauereien. Anfang 1874 übernahm Heinrich Henninger das von dem Frankfurter Brauer Johannes Stein 1857 gegründete, ab 1869 am Wendelsweg in einer Neuanlage ansässige Unternehmen. Die Villa selbst entstand nach einem Entwurf der Architekten Peter Schaffner & August Albert um 1880 in noblen Formen der italienischen Renaissance. Über einem Natursteinsockel erheben sich zwei in Verblendmauerwerk ausgeführte Geschosse, deren rechteckige Fensteröffnungen durch profilierte Sandsteinrahmungen besonderes Gewicht erhalten. Das Zentrum betont ein Eingangsrisalit, der in einem Turmgeschoss mit Rundbogenarkaden endet.

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Mühlbruchsiedlung

Die 1860 gegründete „Frankfurter gemeinnützige Baugesellschaft“ war eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Sie errichtete ab 1861 zwischen Heister-, Mühlbruch- und Dammstraße die Siedlung mit 32 schlichten spätklassizistischen Doppelhäusern. Mit seinen ursprünglich je vier Wohnungen orientierte sich der Haustyp an dem der Cité ouvrière im elsässischen Mühlhausen. Nach teilweiser Kriegszerstörung im Detail veränderter Wiederaufbau ab 1950. An der Dammstraße entstand gleichzeitig ein viergeschossiger Wohnblock nach Entwurf von Prof. Andreas Simons mit 75 Wohneinheiten mit je ein, zwei und drei Räumen.

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Ehemalige Seilerei Reutlinger

Wilhelm Benjamin Reutlinger, der aus einer bereits im 17. Jahrhundert in Frankfurt bekannten Seilerfamilie stammte, eröffnete 1873 eine kleine Fabrik für Seilerwaren in der alten Mehlwaage. Aus ihr entstand 1898 die Draht- und Hanfseilfabrik Wilhelm Reutlinger. In der durch eine Schlosserei und Fetterei komplettierten Fabrik konnten Seile bis zu 300 m Länge in der bis an den Goldbergweg reichenden Seilerbahn hergestellt werden. Heute produziert der Familienbetrieb weltweit patentierte, metallene Abhängungen für Leuchten und Ladenbau-Komponenten.

Staustufe Offenbach

Als Ersatz des Nadelwehres von 1901 wurde 1949-1953 die Staustufe mit einem Walzenwehr, einem Kraftwerk sowie einer Schleuse neu errichtet. 1957 folgte eine zweite Kammer als Selbstfahrerschleuse. Nach Abbruch der Staustufe Mainkur 1981 wurde die Fallhöhe auf 3,18 m aufgestockt. Beim letzten Umbau 1994 wurden beide Schleusenkammernvon 110 auf 340 m verlängert. Bemerkenswert ist die am „Neuen Bauen“ der 1920er Jahre orientierte Architektur.

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