Lokaler Routenführer Darmstadt

Darmstadt Süd, Darmstadt Nord

Den Schatz an lebendigen Zeugnissen des produzierenden Gewerbes samt dazugehöriger Infrastruktur zu bergen, wieder ins Bewusstsein zu bringen und zugänglich zu machen, ist Ziel der Route der Industriekultur Rhein-Main. Sie führt zu wichtigen industriekulturellen Orten im gesamten Rhein-Main-Gebiet und befasst sich mit Themen wirtschaftlicher, sozialer, technischer, architektonischer und städtebaulicher Entwicklung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Stand: 2007

Industriegeschichte in Darmstadt Süd

Die Industrialisierung veränderte das Leben in der beschaulichen Residenzstadt radikal. Innerhalb von 50 Jahren hatte sich die Bevölkerungszahl auf über 70.000 Einwohner mehr als verdoppelt. Arbeiterfamilien zogen in die Stadt und suchten Wohnraum. Die wohlhabenden Bürgerwichen in neu erschlossene Viertel aus, die nach dem Vorbild der englischen Gartenstädte angelegt wurden, während sich in der Altstadt, im Martinsviertel und in Alt-Bessungen die Wohndichte dramatisch erhöhte. Linderung brachten erst die sozialpolitischen und infrastrukturellen Maßnahmen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Mit der Bevölkerungsentwicklung und der zunehmenden Industrialisierung ging der Ausbau der Infrastruktur und des Verkehrsnetzes einher. Zwischen 1870 und dem ersten Weltkrieg entstand in Darmstadt eine vorbildliche Infrastrukturversorgung: Die Wasserversorgungwurde auf- und ausgebaut, die Kanalisation angelegt, das Verkehrs- und Energiewesen installiert. Gleichzeitig entstanden soziale Einrichtungen wie Schulen, Kranken-häuser, das Jugendstilbad und der Schlachthof. In dem kurzen Zeitraum zwischen 1890 und dem ersten Welt-krieg boomte Darmstadts Wirtschaft. Der kunstliebende Großherzog Ernst Ludwig trug mit der Förderung der Künstlerkolonie zur Entwicklung Darmstadts als Wirtschaftsstandort bei. Ende des 19. Jahrhunderts entstand für die expandierenden Unternehmen das Industriegebiet im Nordwesten der Stadt entlang der Bahnstrecke. Später wurden auch die beiden Bahnhöfe zu einem Bahnhofzusammengefasst und in den Westen an den heutigen Standort verlegt. Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich Darmstadts Industrie auf das Weststadt genannte Areal. Erst der Strukturwandel in den90er Jahren machte eine konzeptionelle Neuorientierung notwendig.

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Centralstation

Die „Centralstation für elektrische Beleuchtung“, das erste Elektrizitätswerk in Darmstadt, wurde 1888/89 in der Innenstadt errichtet und 1903-06 um eine zweite Halle erweitert. Kaum zwanzig Jahre später wurde die Stromerzeugung dort eingestellt und stattdessen ein Schaltwerk untergebracht, das bis 1976 arbeitete. Anschließend stand der heute unter Denkmalschutz stehende Komplex für lange Zeit leer. 1997 entschloss sich der Magistrat, die so genannte Halle A als Markthalle und die Halle B als Kulturbetrieb zu nutzen. Mit dem Innenausbau des nach einem Konzept des Büros Borchers /Metzner/Kramar sanierten Gebäudes wurden Kerstin Schultz und Ian Shaw vom Architekturbüro „liquid“ beauftragt. Unter Wahrung des Charakters der historischen Maschinenhalle entstanden drei unterschiedliche Veranstaltungs- und Gastronomieräume: transparent und variabel. Seit dem 25. März 1999 hat die Centralstation ihre Türen geöffnet. Mit dem außergewöhnlichen Konzept, ein Haus für alle Bereiche der Kultur zu öffnen, hat sich der Kulturbetrieb schnell einen Namen gemacht – in Darmstadt sowie weit darüber hinaus.

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Ehemalige Zeppelinhalle

Die Firma Bahnbedarf Rodberg erwarb 1923 bei Allenstein /Ostpreußen die Eisenkonstruktion der dortigen Zeppelinhalle und ließ daraus in der Landwehrstraße zwei Hallen bauen. Statt der typischen Wellblechverkleidung bekamen die Hallen Fassaden aus Klinkermauerwerk. Das expressionistische Dekor entwarf der Darmstädter Architekt Jan Hubert Pinand (1886-1958). 1970 brannte eine Halle ab. In die andere bauten 1999 die Architekten Fritsch & Schlüter im Auftrag der Gewerbebau KG, Planungs und Treuhand GmbH & Co ein Parkhaus.

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Röhm GmbH

2007 feiert die Röhm GmbH einen runden Geburtstag: Vor 100 Jahren gründete der Chemiker Dr. Otto Röhm zusammen mit dem Kauf– mann Otto Haas „Röhm & Haas“. Die Firma startete mit Enzymen für die Lederbeize in Esslingen am Neckar und zog 1909 nach Darmstadt, wo Röhm die Forschung zur „Polymerisation der Akrylsäure“ aus seiner Promotion fortsetzte. Erstes Produkt war 1928 ein splitterfreies Sicherheitsglas mit einem zwischen zwei Glasscheiben verklebten Acrylfilm. Ab 1933 wurde das Unternehmen für PLEXIGLAS® berühmt, ein harter, vielfältig verarbeitbarer Kunststoff, der durch Polymerisation entsteht. Heute entwickelt, produziert und vermarktet Röhm funktionale Werkstoffe und Technologien für kundenspezifische Anwendungen wie: Beschichtungen, Farben, Klebstoffe, Kunststoffe, Pharmazeutika, Hochleistungsöle etc. Mit nationalen (Worms, Weiterstadt, Wörth, Hanau-Wolfgang, Wesseling) und internationalen (Amerika, Asien) Standorten ist ein globales Unternehmen entstanden, das heute zur RAG-Tochter Degussa gehört und in der Methacrylatchemie weltweit Spitzenpositionen besetzt. Aus den ersten Jahren stammt der Erweiterungsbau mit repräsentativem Portal an der Kirschenallee, den 1916 der Architekt Karl Klee entwarf. Aus den 50er Jahren datiert der städtebaulich markante, mehrgeschossige und rot verklinkerte Kubus mit vorgelagertem runden Pavillon an der Ecke Kirschenallee / Bismarckstraße.

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Wasserturm Darmstadt

Der Wasserturm entstand 1912 nach Plänen von Friedrich Mettegang von der Eisenbahndirektion Mainz. Das oberste Geschoss des Turms beherbergte einen Wasserhochbehälter und darunter lag das Stellwerk IV – eine seltene Kombination. Mit der Elektrifizierung der Bahn in den 50er Jahren wurde der Wasserhochbehälter überflüssig, in den 70er Jahren auch das Stellwerk. 1985 erwarb der Musiker Albrecht Pfohl den Turm und rettete ihn vor dem Abriss. Der 2003 sanierte Wasserturm dient heute kulturellen Zwecken.

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Miele-Haus

Direkt am neuen Hauptbahnhof ließ die Firma Miele 1928 von dem Architekten Eugen Seibert für die Miele Verkaufsleitung Süddeutschland ein auffallendes Gebäude in expressionistischen Formen errichten. Nach Aufgabe des Standortes Ende der 80er Jahre wurde der charakteristische Miele Schriftzug von der Fassade entfernt.

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Darmstädter Privat-Brauerei GmbH

Wilhelm Rummel gründete 1847 eine Brau- und Gaststätte nahe der Eisenbahntrasse entlang der Neckarstraße und nannte sie entsprechend „Zur Eisenbahn“; die Lokomotive wurde Bestandteil des Firmenwappens. Der expandierende Betrieb zog 1880 an den heutigen Standort und eröffnete dort das Braustüb’l. 1912 wurde auch der neue Hauptbahnhof an den Westrand der Stadt verlegt. Nach großer Renovierung wurde 1999 das Braustüb’l wieder eröffnet. Die Darmstädter Privatbrauerei wird in der sechsten Generation Inhaber geführt.

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Bronzeschale

Versteckt auf dem Gelände der ehemaligen Herdfabrik Roeder steht die 1929 gegossene Bronzeschale des Darmstädter Künstlers Robert Cauer (1863-1947). Die Firma Gebrüder Roeder AG, die auf dem Gelände eine große Eisengießerei betrieb und unter anderem Herde herstellte, hatte das Kunstwerk 1930 der Stadt Darmstadt und ihren Bürgern zum 600 jährigen Stadtjubiläum geschenkt. Auf dem gusseisernen Sockel eines alten Kandelabers, der wohl in der Brandnacht 1944 verschwunden ist, sind Eisengießer bei der Arbeit zu sehen.

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Hauptbahnhof Darmstadt

1912 entstand der heutige Hauptbahnhof am westlichen Stadtrand. Nach einem Wettbewerb erhielt 1908 der Architekt Friedrich Pützer von der Eisenbahndirektion Mainz den Auftrag, das Empfangsgebäude zu entwerfen. Das in traditionalistischen Formen gebaute und mit Jugendstildekor verzierte Gebäude steht unter Denkmalschutz und wurde 1998 bis 2002 grundlegend saniert. Über die Eingangshalle sind die Bahnsteighalle des Durchgangsbahnhofs zu erreichen und von dort über Treppen und Aufzüge die tiefer liegenden Gleise, die, um künftige Störungen mit dem Straßenverkehr zu vermeiden, in einen Geländeeinschnitt verlegt wurden. Eine Besonderheit ist der Fürstenbahnhof mit eigenem Eingang vom Bahnhofsvorplatz aus. Von dort pflegte die Großherzogliche Familie zu verreisen.

Ehemaliges HEAG Umspannwerk

Die Architekten Eugen Seibert und Georg Markwort planten 1926 das Umspannwerk in expressionistischen Formen. Die Anlage besteht aus zwei Gebäuden: dem großen, zweigeschossigen Umspannwerk und der kleinen, einstöckigen Halle. Im Alten Schalthaus befindet sich heute ein Gastronomiebetrieb. METTEGANGSIEDLUNG Dornheimer Weg Die Arbeitersiedlung, städtebaulich angelehnt an Gartenstadtsiedlungen und architektonisch am traditionellen Heimatstil orientiert, entstand 1912 nach den Plänen des Mainzer Baurats Friedrich Mettegang, der seit 1910 die Planungen für den Hauptbahnhof koordinierte. Die unmittelbar am Hauptbahnhof gelegene Mettegangsiedlung beherbergte einen Spezialtrupp von Bahnarbeitern, der über Alarmleitungen direkt zu Notfällen gerufen werden konnte, was der Siedlung den Spitznamen „Alarmwohnungen“ eintrug. In unmittelbarer Nachbarstadt entwickelte sich die Waldkolonie als Siedlung für Bahnarbeiter. Die Mettegangsiedlung überstand den Krieg unbeschadet und steht seit 1994 unter Denkmalschutz.

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ESA/ESOC

Das 1967 gegründete ESOC (European Space Operations Centre) ist das Satelliten-Kontrollzentrum der europäischen Weltraumagentur ESA (European Space Agency). Es ist eines der komplexen und fortschrittlichsten Satelliten-Kontrollzentren in Europa. Eine der Hauptaufgaben ist die Planung der Satelliten-Missionen sowie die Verantwortung für die Kontrolle der Satelliten im All und für die dafür notwendigen Einrichtungen am Boden. Die Bandbreite der betreuten Missionen reicht von Erdbeobachtungssatelliten über planetare Sonden um Mars und Venus bis hin zu Tiefraummissionen zu weit entfernten Kometen.

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Ehemaliger „Richthofenbunker“

Als Reaktion auf das 1935 erlassene Reichsluftschutzgesetz wurden in Darmstadt diverse Luftschutzräume eingerichtet. Unter anderen entstand zwischen Mai und August 1939 an der Rheinstraße, der strategisch wichtigen Einfallstraße von Westen, in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof, der nach dem Flieger Manfred Freiherr von Richthofen benannte Flakturm und Hochbunker. In ihm wurde 1945 die Kapitulation der Stadt besiegelt. Heute wird der Turm privat als Mozart-Archiv genutzt und trägt entsprechend den Namen „Mozart-Turm“.

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August-Euler-Flugplatz

1908 gründete der Luftfahrtpionier August Euler auf dem Griesheimer Sand den ersten deutschen Flugplatz, die erste deutsche Flugschule und die erste deutsche Flugzeugfabrik. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten französische Truppen bis 1930 den Flugplatz, bis 1945 wurde er militärisch und wissenschaftlich genutzt. Davon zeugen der 1936 gebaute Holzhangar, die ehemalige Werfthalle des „Deutschen Forschungsinstituts für Segelflug“, sowie der Windkanal für flugtechnische Forschungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die US-Armee bis 1992 die Anlage und nutzte sie unter anderen bis Ende der sechziger Jahre zur Stationierung von Nike-Raketen. Der Anfang der 50er Jahre erbaute Tower ist Zeuge dieser Ära. Das Naturschutzgebiet Griesheimer Sand wird heute von TU-Instituten genutzt.

Foto: Stadt Darmstadt

TZ Rhein Main

Auf den rund 20 ha großen ehemaligen Exerzierplatz, der nach dem Krieg von den Alliierten als Internierungslager genutzt wurde, zogen 1948 das Posttechnische Zentralamt (PTZ) und das Fernmeldetechnische Zentralamt (FTZ). Die beiden Behörden bezogen vorerst die Kasernen, erst ab 1953 entstanden eigene Gebäude, unter anderem Dienstwohnungen am Pupinweg. Nach der Privatisierung der Deutschen Bundespost 1989 übernahm die Deutsche Telekom AG den Standort. Ende 2002 begann die Entwicklung zum offenen, modernen Büropark, dem Technologiezentrum (TZ) Rhein Main. Heute bietet das Gelände nicht nur Konzerneinheiten der Deutschen Telekom Platz, sondern auch vielen anderen Technologie-orientierten Unternehmen.

Foto: Stadt Darmstadt

Brücke Rheinstrasse

Im Zuge des Bahnhofneubaus wurde 1910/12 die Brücke samt Fahrbahn und Straßenbahnschienen über die Bahngleise gebaut. Als die Bahn in den 50er Jahren elektrifiziert wurde, musste die Brücke wegen der erforderlichen Oberleitungen angehoben werden.

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Wella AG

1880 legt Friseur Franz Ströher den Grundstein für eines der weltweit bedeutendsten Kosmetikunternehmen. In seinem Familienunternehmen produzierte er Perücken, Zöpfe und Haarteile aus Echthaar. 1904 errichtet Ströher seine erste Fabrik in Rothenkirchen, 1930 wird die Franz Ströher AG gegründet und das Bildzeichen Wella mit dem stilisierten Frauenkopf eingetragen. Mit Kompletteinrichtungen für Friseursalons und Haarkosmetik entwickelt sich die Wella AG, die seit 1950 ihren Sitz in Darmstadt hat, zu einem Weltkonzern. 1957 wird das zentrale Forschungs- und Entwicklungslaboratorium in Darmstadt in Betrieb genommen. Das bereits 1950 eingerichtete Ausbildungsstudio für Friseure wird zu einem Wella Fortbildungszentrum (Weltstudio Darmstadt) ausgebaut und 1983 zusammen mit dem Franz Ströher-Haus eingeweiht. 2003 wird das Wella Museum wieder eröffnet. Derzeit beschäftigt Wella rund 1.000 Mitarbeiter in Darmstadt. Seit 2003 gehört die Wella AG zum Procter & Gamble Konzern.

European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites EUMETSAT

Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 leistet EUMETSAT, die europäische Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten, einen unverzichtbaren Beitrag zur globalen Beobachtung von Wetter und Klima, Aufgabe der internationalen Organisation, der 30 Mitgliedsstaaten und ein Kooperationsstaat angehören, ist die Entwicklung und Betrieb operationeller Wettersatelliten sowie Weitergabe von Daten und Bildern an Wetterdienste und Forschungseinrichtungen in Europa.

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Döhler

1838 gründete Lorenz Döhler in Erfurt eine Gewürzmühle, die 1892 Wilhelm Gemmer übernahm und zu einem weltweit bekannten Industrieunternehmen ausbaute. Seit 1957 ist Darmstadt Hauptsitz des Familienunternehmens, das sich auf die Produktion von Grundstoffen, Aromen und Essenzen für Getränke spezialisiert hat. Das 2002 in Darmstadt fertig gestellte Flavours-, Innovations- und Technologiezentrum ist Hauptsitz der Döhler Gruppe, einem Zusammenschluss von mehr als 30 Gesellschaften, die weltweit in über 60 Ländern 1.800 Mitarbeiter beschäftigt.

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Ehemalige Grossherzogliche Keramische Manufaktur

Großherzog Ernst Ludwig ließ 1906 vom Architekturbüro Lehmann und Wolf aus Halle die Keramische Manufaktur bauen – ein vom Jugendstil beeinflusstes Gebäude. Leiter der Manufaktur wurde Jakob Julius Scharvogel (1854-1938), einer der bedeutendsten deutschen Keramiker. Die für ihn typischen dunkelbraunen, grau-weiß gesprenkelten Keramiken entstanden in Zusammenarbeit mit den Arbeiten der Darmstädter Künstlerkolonie. Nach dem Ausscheiden von Scharvogel wurde die großherzogliche Manufaktur bis Ende der 30er Jahre weitergeführt.

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KPSS GmbH

1948 vom Kaufmann Hans Erich Dotter gegründet, wurde Goldwell mit der Entwicklung und Herstellung von Haarkosmetik sowie deren Exklusivvertrieb an das internationale Friseurhandwerk zum Markennamen im internationalen Friseurhandwerk. 1989 wurde Goldwell Teil der japanischen Kao Corporation, seit Mitte der Neunziger Jahre hat KPSS sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Darmstadt-Eberstadt.

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Software AG

1969 in Darmstadt gegründet, ist die Software AG heute Europas größter Anbieter von Infrastruktursoftware für Geschäftsprozesse und Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller. Die Software AG ist mit mehr als 3800 Mitarbeitern in über 70 Ländern vertreten. Seit 1984 hat die Software AG in Darmstadt-Eberstadt ihren Hauptsitz in einem außergewöhnlichen Gebäude, dessen architektonisches Konzept den Mensch in den Mittelpunkt stellt. Anthroposophisch orientiert ist auch die gemeinnützige, 1992 gegründete Software AG Stiftung, in die Peter M. Schnell, einer der sechs Gründer der Software AG, 98 Prozent seiner Aktien einbrachte.

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Wassermühlenensemble

Entlang des Flüsschens Modau, das südlich an Darmstadt vorbei in den Rhein fließt, entwickelte sich bereits im Mittelalter ein stattliches Mühlengewerbe. Ehemals nutzten zehn Mühlen das besonders starke Gefälle des Drus-oder Drostbachs, wie die Modau bis ins 16. Jahrhundert hieß, bis Dampfmaschinen und Großmühlen in der Papierindustrie Ende des 19. Jahrhunderts den Betrieb im Modautal unrentabel machten.

Industriegeschichte in Darmstadt Nord

Darmstadt zählte Anfang des 19. Jahrhunderts etwa10.000 Einwohner und war nach Mainz die zweitgrößte Stadt des Großherzogtums. Über die Hälfte der Einwohner waren Adelige, hohe Beamte, Militärs oder reiche Rentiers, die in der Residenzstadt des Großherzogtums Hessen-Darmstadt ein weitgehend beschauliches Leben führten. Entsprechend konzentrierte sich die Industrie vor allem auf die Versorgung der Bürger. Die zahlreichen Mühlen entlang des Mühltals oder die Bierkeller an der Dieburger Straße erinnern daran. Die Industrialisierung setzte in Darmstadt um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein und manifestierte sich sichtbar im Eisenbahnbau. Seit 1846 war Darmstadt an das Eisen-bahnnetz angeschlossen. In dem entlang der Trassen-führung neu gegründeten Industriegebiet entstanden Eisenbahnwerke, deren größtes, das im Volksmund „Knell“ genannte Ausbesserungswerk, erst 2000 aufgelöst wurde. Die endgültige Aufhebung der Zunftschranken und die Einführung der Gewerbefreiheit 1866 ermöglichte zahlreichen Handwerksbetrieben die Umstellung auf industrielle Produktionsmethoden. Der Schwerpunkt der Darmstädter Industrie lag auf dem Gebiet des Maschinen- und Kesselbaus, an zweiter Stelle folgte – zumindest hinsichtlich der Anzahl der Angestellten – die chemisch-pharmazeutische Industrie, die bis zum Zuzug der Firma Röhm und Haas im Jahre 1919 allein durch die Firma Merck vertreten war. Gefördert durch Großherzog Ernst Ludwig, dem Initiator der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, kam als wichtige Branche die Möbelindustrie und die Kunstgewerbe-produktion hinzu. Als weiterer bedeutender Industriezweigentwickelte sich die Druckindustrie, die insbesondere in der Wiederaufbauzeit seit 1950 Darmstadts Wirtschafts-leben prägte. Kurt Jahn, dem Leiter der Wiederaufbau GmbH, war es gelungen, den ehemaligen Exerzierplatz als Standort dieser „rauchlosen Industrie“ zu entwickeln. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts blieben die Strukturen weitgehend unverändert. Die ersten Umbrüche waren insbesondere im Bereich der Maschinenbauindustriespürbar. Seit den 90er Jahre des 20. Jahrhunderts gewinnen vor allem die neuen Technologien in Darmstadt an Bedeutung. Insbesondere im Bereich der Informations-technologie, aber auch der Raumfahrtechnik gehört Darmstadt zu den europaweit führenden Städten.

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Ehemalige Grossherzogliche Meierei

1892 musste die großherzogliche Meierei, bislang in der Nähe des Herrngartens gelegen, den Bauten der neu gegründeten Technischen Hochschule weichen und erhielt ihren neuen Standort am östlichen Stadtrand. Dort entstand um 1900 ein kreisförmig arrangiertes Ensemble mit zwei kleinen Fachwerkhäusern, Wohnhaus und Stallgebäuden. Nach einer zwischenzeitlichen Nutzung als Starkenburger Milchzentrale wurde die ehemalige Hofmeierei an die Initiative Domäne Oberfeld e.V. verkauft, die auch das gegenüberliegende Oberfeld unter ökologischen Aspekten bewirtschaften wird.

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Haus Peter Behrens

Der Maler und Kunstgewerbler Peter Behrens (1868-1940) baute für die erste Ausstellung „Ein Dokument Deutscher Kunst“ auf der Darmstädter Mathildenhöhe 1901 sein eigenes Wohnhaus und gab damit sein Debüt als Architekt. Nach seinem Wegzug aus Darmstadt arbeitete Behrens zunächst als Industriearchitekt und Industriedesigner für die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) in Berlin. Für die Rhein Main Region entwarf Behrens unter anderen das Frankfurter Gaswerk Ost (1910) und die Hauptverwaltung der Farbwerke Höchst (1920-24). In seinem Büro arbeiteten weltbekannte Architekten wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier.

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Wasserhochbehälter Mathildenhöhe

187780 entstand nach Plänen des Ingenieurs Otto Lueger auf der höchsten Stelle der Mathildenhöhe der Hochbehälter des städtischen Wasserwerks. Das Wasserreservoir besteht aus zwei gemauerten Kammern mit je sechs Tonnengewölben. Auf der Aussichtsplattform des Wasserreservoirs erbaute Joseph Maria Olbrich im Rahmen der dritten Ausstellung der Künstlerkolonie 1908, der „Hessischen Landesausstellung“, das Ausstellungsgebäude sowie daneben den stadtbildprägenden Hochzeitsturm.

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Brauereiturm

Der 1904 erbaute, vierstöckige Brauereiturm mit der zweifarbigen Klinkerfassade ist das letzte oberirdische Gebäude, das vom einst florierenden Brauereigewerbe entlang der Dieburger Straße zeugt. Heute beherbergt der Brauereiturm Büros und Wohnungen.

Foto: Stadt Darmstadt

Kraftwerk der Technischen Universität

1904 plante der Architekt und Hochschulprofessor Georg Wickop das Kraftwerk der Technischen Hochschule. Die ursprünglich über 18 Meter gespannte Eisenkonstruktion aus genieteten Sichelfachwerkträgern ist nach Kriegszerstörungen und einem Brand 1963 durch eine Betonkonstruktion ersetzt worden. Formal griff Wickop sowohl Formen der benachbarten Renaissancehäuser auf als auch auf Jugendstilelemente zurück. Heute sind im ehemaligen Kraftwerk Büroräume eingerichtet. Für die Halle ist künftig eine technische Nutzung vorgesehen.

Foto: Stadt Darmstadt

Carl Schenck AG

1881 eröffnete Carl Schenck in Darmstadt eine Eisengießerei & Waagenfabrik, 1894 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH und 1974 wurde die Gesellschaft in die Carl Schenck AG umgewandelt, deren Aktien 1984 in den Börsenhandel in Frankfurt am Main eingeführt wurden. Heute ist die Carl Schenck AG ein Tochterunternehmen des global agierenden Technologiekonzerns DÜRR AG in Stuttgart und nimmt als Holding zentrale Aufgaben für seine Bereiche war. Das operative Geschäft wird von dem Bereich Balancing and Diagnostic Systems geführt. Er liefert Maschinen, Systeme, Anlagen und Dienstleistungen zum Auswuchten rotierender und oszillierender Bauteile und Aggregate sowie Prüf- und Diagnosetechnik. Kunden sind Automobilhersteller und -zulieferer, kommen aus der Luft- und Raumfahrt, der Elektro- und Turbomaschinenindustrie sowie dem allgemeinen Maschinenbau. Im Technologie- und Industriepark sind die Serviceleistungen und Vermietaktivitäten am Standort in Darmstadt zusammengefasst. Auf 70.000 qm Bürofläche und 70.000 qm Hallenfläche sind mittlerweile 50 Firmen mit ca. 2000 Beschäftigten vertreten. Vom klassischen Facility Management über Lagerlogistik bis hin zu Finanzdienstleistungen, werksärztlichem Dienst und Aus- und Weiterbildung ist der Technologie- und Industriepark der führende „Full Service Dienstleister“ am Standort.

Foto: Stadt Darmstadt

Donges Stahlbau GmbH

Das 1872 gegründete Familienunternehmen ist eines der größten deutschen Stahlbaufirmen und bis heute im alleinigen Besitz der Gründerfamilie. Bemerkenswerte bundesweite Projekte sind: Die riesige Werfthalle für den neuen Airbus A380 in Hamburg-Finkenwerder, der Wartungshangar für die Condor Cargo Technik in Frankfurt am Main mit der größten bisher gebauten freitragenden Spannweite in Deutschland oder die Bügelbauten für den neuen Hauptbahnhof, ehem. Lehrter Bahnhof, in Berlin.

Foto: Christine Krienke

Aussenstelle Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Ehemals „Haus für Industriekultur“, erbaut als „Möbelfabrik Alter“, Kirschenallee 88 Der Hofmöbelfabrikant Ludwig Alter (1847-1908) ließ den viergeschossigen Bau 1905/06 vom Darmstädter Architekten Karl Klee (1871-1927) als Möbelfabrik errichten. Klee wählte für das heute denkmalgeschützte Gebäude, dem er eine klassische Gliederung gab, die damals fortschrittliche Stahlbeton-Konstruktion. Die mit gelbem Klinker verkleidete Fassade zeigt in den Fensterbrüstungen in Beton gegossene Jugendstilreliefs. Damit entwarf Klee Baudekoration im industriellen Maßstab. Die Firma Alter, die sich auch im Flugzeug- und Eisenbahnwaggonbau einen Namen machen konnte, musste in Folge der Wirtschaftskrise 1929 die Liquidation einleiten. Seit 1939 nutzte die Adam Opel AG das Gebäude als Ersatzteil- und Auslieferungslager, daher der frühere Name „Opelbau“. 1992 erwarben das Land Hessen und die Stadt Darmstadt das Gebäude von der Firma Donges Stahlbau GmbH, nach einem Umbau wurde das „Haus für Industriekultur“ 1996 von dem gleichnamigen Verein eröffnet. Seit 2001 gehört es als Abteilung für Schriftguss, Schriftsatz und Druckverfahren zum Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Der Sammlungsbestand geht auf die größte europäische Schriftgießerei D. Stempel AG (1895-1985) in Frankfurt a.M. zurück. In drucktechnischen Werkstätten und anhand zahlreicher funktionsfähiger historischer Maschinen zeigt das Museum die Entwicklung im Druckgewerbe von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre.

Foto: Stadt Darmstadt

Weststadtbar

Der ehemalige Lokschuppen, direkt an den Gleisen nördlich des Hauptbahnhofs gelegen, entstand wohl in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. In den 90er Jahren wurde der Ziegelbau stilgerecht saniert und zur Weststadtbar umgenutzt. Das Ambiente der Weststadtbar prägen vor allem die fünf Meter hohen Fenster, die einen freien Blick auf die Gleisanlagen ermöglichen.

Ehemalige Lkw-Wartungshalle der Deutschen Bahn

Die ehemalige LKW-Wartungshalle der Deutschen Bahn an der Zugstrecke Darmstadt–Frankfurt wurde nach Plänen des Darmstädter Architekturbüros „liquid“ zum Weststadtcafé umgestaltet. Ziel des architektonischen Konzeptes war es, eine professionelle Bar zu schaffen, ohne Raum und Umgebung maßgeblich zu verändern. Ein einfaches, klares Gastronomiekonzept bestehend aus zwei gegenüberliegenden Bars, eine davon im Freien, die andere im fast vollständig zu öffnenden Innenraum gelegen, sorgt für großstädtisches Ambiente. Für ihren Entwurf erhielten die Architekten Kerstin Schultz und Werner Schulz von „liquid“ gemeinsam mit Philipp Schiffer 1999 im Zuge des Wettbewerbs „Das erste Haus“ einen Preis von der Fachzeitschrift „Bauwelt“.

Foto: Stadt Darmstadt

Ehemalige Eisenbahnbrücke der Main-Neckar-Bahn

Im Tiefen See Die versteckt liegende, vermauerte Sandsteinbrücke von 1848 ist Darmstadts älteste Eisenbahnbrücke und stammt noch aus der Zeit der 1846 eröffneten Main-Neckar-Strecke, der Verbindung zwischen Frankfurt und Heidelberg. Die Brücke führte über den Darmbach. 1896 wurden die Bahnlinien verstaatlicht, ein neues Streckennetz und ein neuer Bahnhof in den Westen der Stadt verlegt und damit die alte Eisenbahnbrücke funktionslos.

Foto: Stadt Darmstadt

Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH

1950 gründete der Ingenieur Karl Hottinger im bayrischen Vogtareuth das Unternehmen Hottinger Messtechnik. 1955, nachdem die Darmstädter Carl Schenck AG Hauptgesellschafter der GmbH geworden war, verlegte die Firma ihren Sitz nach Darmstadt, zuerst in die Pallaswiesenstraße, 1965 an den heutigen Standort „Im Tiefen See“. 2002 wich das alte Firmengebäude einem modernen Bürogebäude samt Fertigungshalle. 1963 wird die Baldwin-Lima-Hamilton Corporation Mitgesellschafter und das Unternehmen in Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH umbenannt. HBM gehört seit 2000 zur englischen Fairey Group und ist führend auf dem Gebiet der Wägetechnik, Prüf- und Messtechnik. Weltweit sind 1.500 Mitarbeiter beschäftigt, davon 750 in Darmstadt.

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Ehemaliges Eisenbahn-Ausbesserungswerk

Von 1873 bis zum Sommer 2000 wurden auf dem 15 ha großen Eisenbahn-Ausbesserungswerk, im Volksmund wegen knallartiger Geräusche „die Knell“ genannt, Radsätze repariert. Ein letztes Relikt der ehemaligen Nutzung sind der etwa 20 Meter hohe, 1885 erbaute Wasserturm, der in der Turmkrone zwei halbkreisförmige Flachbodentanks beherbergt, sowie zwei Spitzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Rahmen von Stadtumbaumaßnahmen entstehen gewerbliche Nutzungen.

Foto: Stadt Darmstadt

Ehemaliger Schlachthof

Von dem 1892/93 nach Plänen des Stadtbaumeisters Stephan Braden errichteten Schlachthof sind noch die verklinkerten Restaurations- und Verwaltungsgebäude an der Frankfurter Straße erhalten. 1988 wurde der Schlachthof geschlossen. 1994-97 entstand auf dem westlichen Teil des Schlachthofs, unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude, das Stadthaus III, das Architekt Rolf Hoechstetter mit Torfbrandklinker verkleidete und damit das für Darmstadt außergewöhnliche Baumaterial des historischen Gebäudes aufgriff. Auf dem östlichen Schlachthofareal entstand 1997-1999 nach Planungen des Büros Kramm und Strigl das Stadtquartier Bürgerparkviertel.

Foto: Stadt Darmstadt

Eisenbahnbrücke

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Darmstadts Hauptbahnhof samt Schienennetz an den westlichen Stadtrand verlegt. Im Zuge der Gleisneubauten entstand auf der Strecke nach Aschaffenburg 1910-12 am Wöhlerweg die genietete Stahlbrücke. Das besondere Beispiel für Ingenieurbaukunst konnte Dank denkmalschützerischen Eingreifens 2004 vor dem Abriss bewahrt werden.

Foto: Wikimedia

Chemische Fabrik Merck

In der 1668 am Schlossgraben gegründeten Engel- Apotheke beginnt 1827 der Apotheker Emanuel Merck mit der Herstellung von Pflanzenalkaloiden. 1836 expandiert der Betrieb und zieht an den Luisenplatz. 1831 beginnt Merck mit der Chlorkalkproduktion in Fabrikanlagen am Ostrand der Stadt, dem heutigen Mercksplatz. 1901 zieht die Merckfabrik an den Nordrand der Stadt, in das neue Industrie- und Gewerbegebiet. Die Konzernzentrale mit den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion, Logistik und Verwaltung befindet sich in Darmstadt. Architektonisch prägend ist der 1905 von Friedrich Pützer entworfene sechsgeschossige „Pützerturm“, der weithin sichtbar den Eingang zum Werksgelände markiert. Pützer plante für Merck außerdem eine Arbeitersiedlung, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Zu den denkmalgeschützten Bauten zählen außerdem das zwischen 1912 und 1920 von Heinrich Walbe gebaute Verwaltungsgebäude sowie das 1928 von Eugen Seibert in expressionistischen Formen entworfene Hauptlaboratorium. Heute ist Merck ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Gegründet 1668 ist Merck das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Die Gründerfamilie ist bis heute Mehrheitseigentümerin des börsennotierten Konzerns. Merck bündelt die operativen Tätigkeiten unter dem Dach der Merck KGaA, an der die Familie Merck mittelbar zu rund 70 Prozent und freie Aktionäre zu rund 30 Prozent beteiligt sind.

Foto: Stadt Darmstadt

Ehemaliges Strassenbahndepot

An der Wendeschleife der nach Arheilgen führenden Straßenbahn entstand 1924 nach Plänen der Architekten Markwort und Seibert das ortsbildprägende Straßenbahndepot in expressionistischer Formensprache. Das Depot steht, abgesehen von zeitweiser Nutzung des Gewerbevereins, leer.

Foto: Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein

Historisches Eisenbahnmuseum Kranichstein

1898 eröffnete die PreußischHessische Staatseisenbahn (KPuGHStEB) an der Strecke Darmstadt-Aschaffenburg den Rangierbahnhof Kranichstein, zu dem auch ein Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen samt Drehscheibe sowie ein Wagenausbesserungswerk gehörten. Seit 1971 ist das ehemalige Betriebswerk von dem Trägerverein Museumsbahn e.V. gemietet, der dort das erste Eisenbahnmuseum in Deutschland 1976 eingerichtet hat. Heute gehören über 40 Triebfahrzeuge und mehr als 150 Eisenbahnwagen zum Bestand, der von ehrenamtlichen Mitarbeitern im Rahmen eines arbeitenden Museums betreut wird. Regelmäßig werden Fahrzeuge und Anlagen im Betrieb vorgeführt. Für die Zukunft ist der Erhalt des inzwischen still gelegten Rangierbahnhofes als „Industrie- und Verkehrsdenkmal Rangierbahnhof Kranichstein“ geplant im Gesamtkonzept der Bahnwelt Darmstadt/Kranichstein. Dieses Konzept bindet auch die Museumsstrecke Bahnhof Rosenhöhe (Darmstadt Ost) nach Bessunger Forsthaus (Roßdorf West) und das Straßenbahnmuseum am Bahnhof Darmstadt-Kranichstein ein.

Foto: GSI, Alvarez

GSI – Gesellschaft für Schwerionenforschung

Seit 1969 baut und betreibt die GSI – Gesellschaft für Schwerionenforschung – weltweit einmalige Beschleunigeranlagen für Ionenstrahlen, die sie Wissenschaftlern aus aller Welt für Grundlagenforschungen zur Verfügung stellt. Das Forschungsspektrum reicht von der Kern- und Atomphysik über die Plasma- und Materialforschung bis zur Tumortherapie. Zu den spektakulärsten Ergebnissen zählen die Entdeckung sechs neuer chemischer Elemente (107 bis 112) und die Entwicklung neuartiger Tumortherapien mit Ionenstrahlen. Bis 2015 entsteht mit einem Finanzvolumen von 1,2 Milliarden Euro das neue, internationale Forschungszentrum FAIR – Facility for Antiproton and Ion Research – an der GSI.

Foto: Wikimedia

Grube Prinz von Hessen ehemalige Braunkohlengrube

1908 wurde das Braunkohlevorkommen entdeckt, das wohl zeitgleich mit den Ölschiefern von Messel vor rund 47 Millionen Jahren entstand. Im gleichen Jahr erhielt die Gewerkschaft Grube Prinz von Hessen die Schürferlaubnis, im ersten Weltkrieg wurde mit dem Braunkohleabbau begonnen. 1921 arbeiteten 150 Mann im Tagebau in der Grube Prinz von Hessen. Die Grubensohle lag zwischen 20 und 40 Meter unter Waldniveau. Da die Kohle aus der Grube allerdings nicht viel wert war, wurde der Betrieb 1924 wieder eingestellt. Innerhalb weniger Jahre lief die Grube voll Wasser. Heute ist die Grube Prinz von Hessen ein beliebter Badesee.

Foto: KulturRegion

Interaktive Karte der KulturRegion

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